
Second Chances Verlag (2025)
Reihe: Kemet, Band 3
Paperback, 546 Seiten, 18,00 EUR
ISBN: 978-3-98906-086-9
Genre: Urban Fantasy / Romantasy
Klappentext
Die Ewigkeit kann lang sein, wenn man nicht mehr angebetet wird.
Als vergessener, ägyptischer Totengott hat Mafed kein Problem mit dem Sterben, denn der Tod findet den ehemaligen Rechtsmediziner überall. Als Mafed nach New York zurückkehrt, hat sich alles verändert – er, die Stadt und vor allem Detective Ian Barnell. Ein grausamer Serienmörder vergreift sich an jungen Frauen und raubt ihnen die Augen. Um ihn zu stoppen, muss das ungleiche Duo wieder zusammenarbeiten, doch Ian scheint dem Gott nicht mehr zu vertrauen. Mafed kämpft nicht nur mit seinen Gefühlen, einem ambitionierten Staatsanwalt und der Zeit, sondern auch mit Ängsten, von denen er nie zu träumen gewagt hat.
Rezension
Unter den ägyptischen Göttern war Mafed ein Diener, ein kleiner Totengott, der dafür geschaffen wurde, Seelen ins Jenseits zu geleiten. Als die Götter verschwanden, blieb er allein zurück und verbrachte viele Jahrhunderte unter Menschen, führte viele verschiedene Leben und hat sich dabei oftmals als Arzt betätigt. Im New York der Gegenwart ist er Rechtsmediziner und kehrt zurück in die Großstadt, nachdem er sie überstürzt verlassen hatte, um seinen Partner, Detective Ian Barnell, vor sich und anderen Göttern zu schützen. Der Empfang ist nicht gerade herzlich, denn Ian ist sauer auf Mafed, weil dieser ihn mit seinem Gefühlschaos allein gelassen hat. Er trinkt zu viel und setzt damit seine Karriere bei der Polizei aufs Spiel. Mafed und Ian müssen ihre persönlichen Konflikte jedoch beseite schieben und zusammenarbeiten, um einen Serienmörder zu stoppen …
„Totennacht“ ist der dritte Band der „Kemet“-Reihe, die Urban Fantasy mit ägyptischer Mythologie verbindet und die Götter Mafed und Seth in die USA versetzt hat. Inzwischen haben sich die beiden in „Path into Duat“ kennengelernt und sind so etwas wie Freunde und Familie geworden, doch nun muss Mafed erst einmal ohne Seth auskommen, der seine eigenen Probleme lösen muss. Die beiden haben sporadisch Kontakt, wobei Seth Mafed kryptische Nachrichten schickt, die ihn nervös machen. Doch zunächst muss sich Mafed auf die Mordserie konzentrieren – und Ian, der Gefühle für ihn entwickelt hat und den der Totengott damit alleingelassen hat. Mafed ist bereit, die Konsequenzen zu tragen, doch Ian macht es ihm richtig schwer. Die Alkoholsucht belastet ihr Verhältnis zusätzlich, dennoch gelingt es Mafed, Stück für Stück Ians Mauern zu durchbrechen.
Mafed ist pansexuell und hatte unzählige Affären, doch sobald es wirklich ernst wird, bekommt er es mit der Angst zu tun. Zu oft schon hat er sich verliebt und nach kurzem Glück großes Leid erfahren. Parallel zur Haupthandlung erzählt Jenny Wood von Mafeds Tätigkeit als Arzt im ersten Weltkrieg, in dem sich der Totengott in einen jungen Soldaten verliebt hat und ihre gemeinsamen Zukunftspläne brutal zerstört wurden. So versteht man nun auch besser, warum Mafed nach den Ereignissen aus „Totenfluch“ überstürzt aus New York geflüchtet ist und warum es ihm so schwerfällt, sich auf die Liebe zu Ian einzulassen. Der Totengott ist ein herzensguter Mann mit großen Selbstzweifeln, der zu oft erlebt hat, wie verletzlich und vergänglich Menschen sind, und der nicht für das Leid derer, die er liebt, verantwortlich sein will. Dabei muss er erkennen, dass einfach abzuhauen auch keine Lösung ist - und dass er die Zeit, die ihm mit seinen Liebsten bleibt, nutzen und mit schönen Momenten sollte.
„Totennacht“ ist düsterer als die Vorgängerbände und für das Verständnis, wo die Protagonisten emotional stehen, ist es wichtig, diese gelesen zu haben. Die Handlung konzentriert sich stark auf die Konflikte zwischen Mafed und Ian, die Überwindung von Ians Alkoholismus und die Klärung diverser Missverständnisse, die wieder einmal oft zum Haareraufen sind. Umso schöner ist es, als sich die beiden endlich näherkommen. Hier darf man sich auf cozy Wohlfühlmomente und prickelnde Erotik freuen. Der Crime-Plot gerät dabei allerdings zu stark in den Hintergrund und erscheint mehr wie Beiwerk – dabei bekommt es Mafed mit einem gefährlichen Gott aus einem anderen Panteon zu tun und verbündet sich mit einer indigenen Gottheit. Eine tolle Grundlage für einen spannenden, übernatürlichen Kriminalfall, doch das Gefühlschaos überlagert diesen immer wieder.
„Totennacht“ lebt vor allem von Mafeds Entwicklung. Dessen unsterbliches Leben wurde in „Totenfluch“ und „Path into Duat“ gehörig durcheinandergewirbelt und nun muss er sich selbst wiederfinden, während er gleichzeitig einen riesigen Scherbenhaufen aufräumen muss. Mafed hat mit seinem Abgang aus New York einige Menschen vor den Kopf gestoßen und vor seiner Rückkehr längst nicht alles mit dem Chaosgott Seth klären können. Dessen seltsame Nachrichten erzeugen hier zusätzliche Unruhe, ebenso dass Seth oftmals nicht antwortet, wenn Mafed versucht, ihn zu erreichen. Der Totengott geht schnell davon aus, dass er etwas missverstanden habe und Seth ihn nicht sprechen will – was wirklich dahinter steckt, erfährt man am Ende des Romans, der sich nach dem Finale noch ein paar Kapitel Zeit nimmt, um aufzuklären, was bei Seth los war. Die Details erfährt man dann im vierten Band, „Trail to Heka“, in dem Seth nach Kanada reist.
Fazit
In „Totennacht“ muss Mafed einen gigantischen Haufen Scherben aufräumen und währenddessen mit einem psychisch instabilen Ian Barnell einen Serienmörder aufhalten. Wie zu erwarten, steckt auch dieses Mal ein Gott hinter den Ereignissen, allerdings wird der Kriminalfall fast schon nebenbei gelöst, während der Fokus der Handlung auf Mafeds und Ians Gefühlchaos und insbesondere der Vergangenheit des Totengottes liegt.
Pro und Contra
+ Urban Fantasy mit ägyptischer Mythologie
+ Einblicke in Mafeds Vergangenheit im ersten Weltkrieg
+ Mafed und Ian kommen sich endlich näher
+ cozy Romance und prickelnde Erotik
+ emotionale Achterbahnfahrt
+ neue Götter aus anderen Mythologien
o mehr Romantasy als Crime
- Kriminalfall ist diesmal nur Beiwerk
- Längen im Mittelteil
Wertung: ![]()
Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5
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