
WunderZeilen Verlag (2023)
Paperback, 424 Seiten, 16,99 EUR
ISBN: 978-3988670120
Genre: Dark Fantasy / Dark Romantasy
Klappentext
Würdest du einem Feind dein Leben anvertrauen? Nur ein toter Schwarzmagier ist ein guter Schwarzmagier. Davon ist Kjeld, Krieger der Inquisition, überzeugt. Er hat sich der Rache verschrieben. Um jeden Preis will er den furchteinflößenden Dämon auslöschen, der seinen Partner getötet hat. Doch bald erkennt er: Allein kann er nichts gegen das Monstrum ausrichten, dessen bloße Berührung einen Menschen zu Staub zerfallen lässt. Damit er auch nur den Hauch einer Chance hat, braucht Kjeld Hilfe - und findet sie ausgerechnet bei Schwarzmagier Nino. Nino mit der großen Klappe und dem respektlosen Lächeln. Nino, der jederzeit Kjelds Blut für seine finsteren Rituale nutzen könnte. Nino, der trotz allem eine gefährliche Faszination auf Kjeld ausübt ...
Rezension
Auch nach einem Jahr ist Krieger Kjeld noch schwer gezeichnet von dem Kampf gegen einen Schwarzmagier, der einen schrecklichen Dämon beschwor. Kjeld verlor damals seinen Kampfmagier, der viel mehr für ihn war – er löste sich durch die Berührung des Dämons in Staub auf. Auch Kjelds Körper ist noch gezeichnet, doch trotz schmerzendem Knie will er erneut in den Kampf ziehen, um Rache zu üben und den Dämon aus der Welt zu tilgen. Auf seinem Rachefeldzug begegnet er dem Blutmagier Nino und nimmt ihn gefangen. Aus Kjelds Sicht darf kein Schwarzmagier frei herumlaufen, sie alle sind für ihn verdammte Seelen. Doch Nino weiß etwas über den Dämon, den Kjeld jagt, und er hat Fähigkeiten, die Kjeld benötigt. Notgedrungen arbeitet er mit Nino zusammen. Die beiden Männer reisen gemeinsam durch ein verfluchtes Land und folgen Gerüchten um eine Gruppe Schwarzmagier und einen Dämonenkult …
“Klinge & Blutmagie“ ist ein sehr düsterer Fantasyroman mit Dämonen, Schwarzmagiern und Untoten – und mit zwei gegensätzlichen Protagonisten, die ihre Feindschaft überwinden und einander näherkommen. Doch das braucht viel Zeit, denn die Vorurteile sitzen insbesondere bei Kjeld tief, verstärkt durch eigene traumatische Erlebnisse. Er ist ein Krieger der Inquisition, die den Einsatz von Magie streng reguliert und bestimmten Arten von Magie, wie Blutmagie und Nekromantie, verbietet. Für Kjeld ist nur ein toter Schwarzmagier ein guter Schwarzmagier und er hat sich bereits viele Male im Kampf gegen sie und gegen Dämonen bewiesen. Die Inquisition geht mit äußerster Härte vor und richtet über alle, die sich ihren Regeln nicht unterwerfen.
Nino empfindet diese Regeln als ungerecht. Er will seine Magie erkunden und hatte die Möglichkeit, an einer freien Universität zu studieren. Doch diese wurde geschlossen, nach dem einer der Schwarzmagier den Dämon, gegen den Kjeld gekämpft hat, beschwor. Nun werden Schwarzmagier wie Nino noch stärker verfolgt und er musste sein Studium abbrechen und bei seinem Vater als Schuster arbeiten. Als seine alte Meisterin ihn ruft und ihm einen Weg eröffnet, den Dämon zu vernichten, sieht Nino darin eine Chance, den Ruf der Schwarzmagier verbessern zu können und die Universität wieder zu eröffnen – und seine Macht auszuleben. Als Blutmagier besitzt er gefährliche Fähigkeiten, die er zum Guten, aber auch zum Bösen einsetzen kann. Im Verlauf der Handlung wird er mehrfach auf die Probe gestellt und erlebt, wie leicht er in einen Abgrund stürzen könnte. Damit bestätigt er manche von Kjeld Vorurteilen, doch er beweist ihm auch, dass er der Dunkelheit widerstehen und etwas Gutes bewirken kann.
Auch Nino hat seine Vorurteile gegenüber der Inquisition, die er beschuldigt, Schwarzmagier wahllos niederzumetzeln und sie zu unterdrücken. Entsprechend sympathisiert er mit seinen ehemaligen Kommilitonen, die nun einem Dämon dienen und behaupten, um ihre Freiheit und ihr Recht auf Wissen zu kämpfen. Für Nino ist die Inquisition das Böse, doch so wie nicht alle Schwarzmagier schlecht sind, sind auch nicht alle Inquisitoren Schlächter. Kjeld und Nino erkennen, dass es auf beiden Seiten gefährliche Menschen gibt, die ihre Macht missbrauchen. Ebenso gibt es auf beiden Seiten Menschen, die aufrichtig anderen helfen wollen, wobei die Schwarzmagier doch näher am Abgrund wandeln. Nino zumindest kämpft auch gegen sich selbst.
Die Annäherung der beiden Männer geschieht langsam und selten ist „Enemies to Lovers“ so gut umgesetzt wie hier. Anfangs sind Kjeld und Nino richtige Feinde, die einander vieles vorwerfen. Sie stehen auf verschiedenen Seiten eines Krieges und ihr Hass wurde in der Vergangenheit durch persönliche Erlebnisse bestätigt. Doch nun sind sie gezwungen, zusammenzuarbeiten, um einen sehr gefährlichen und mächtigen Dämon zu besiegen. Auf ihrer gemeinsamen Reise werden sie mehrfach angegriffen und retten einander das Leben, sodass sie ihre Vorurteile zunehmend überdenken. Und bald finden sie auch Gefallen aneinander, was sie zunächst von sich weisen. Immerhin ist der andere der Feind. Selbst als sie sich näherkommen, zweifeln sie noch aneinander, was sie in Schwierigkeiten bringt.
Charakterlich ergänzen sich Kjeld und Nino wunderbar: Kjeld ist älter, sehr ernst, gesetzestreu, manchmal pathetisch und auf seine Art ritterlich. Er setzt sich für die Schwachen ein und auch wenn er Schwarzmagier aus tiefstem Herzen hasst, so hat er ein Gespür dafür, ob jemand aufrichtig ist und erkennt dies an. Nino dagegen ist lockerer und schelmisch, er ist deutlich jünger und hat noch viel vor mit seiner Magie. Zugleich ist er ängstlicher, insbesondere nachdem er dem Dämon begegnet ist, überspielt dies aber. Nino gelingt es immer wieder, Kjelds harte Fassade zu durchbrechen und ihn aus der Reserve zu locken. Kjeld dagegen gibt Nino Sicherheit und hält ihn davon ab, zu weit zu gehen.
Der Romantasy-Anteil ist erst in der zweiten Romanhälfte sichtbar und bleibt auch da eher prickelnder Nebenschauplatz, während die Dämonenjagd im Vordergrund steht. Dabei spritzt jede Menge Blut und Kjeld und Nino erleiden schwerste Verletzungen, die sie nur dank Ninos magischen Fähigkeiten überstehen. Sie springen so oft dem Tod von der Schippe, dass sich die Extreme irgendwann ein wenig abnutzen. Auch ein Verrat lässt sich zu früh erahnen, dennoch ist die Handlung durch ihre Düsternis durchweg spannend. Die Welt birgt zudem so manches Geheimnis, das wohl erst im zweiten Band ergründet wird. „Klinge & Blutmagie“ lässt sich als Einzelband lesen, die Story ist durchaus abgeschlossen, doch man bekommt nicht genug von Kjeld und Nino und würde sich am liebsten sofort auf „Dunkler Pakt“ stürzen.
Fazit
”Klinge & Blutmagie“ ist Dark Fantasy mit allem, was dazugehört: grausame Dämonen, machthungrige Schwarzmagier, ein verfluchtes Land. ein dunkler Kult und eine Inquisition, die in ihrer Grausamkeit kaum vom Bösen zu unterscheiden ist. Kjeld und Nino kämpfen einen schier aussichtslosen Kampf und haben nur eine Chance, wenn sie ihre Vorurteile überwinden und ihre Kräfte vereinen. Kaja Evert schreibt sehr atmosphärisch und mit vielen Graustufen, die Blutmagie ist spektakulär schaurig und die Romance fügt sich erstaunlich gut in die finstere Story.
Pro und Contra
+ wahrhaft düstere Dark Fantasy mit Blutmagie und Dämonen
+ Inquisitor Kjeld und Blutmagier Nino ergänzen sich perfekt
+ „Enemies to Lovers“ mit glaubhaft langsamer Annäherung
+ viele Graustufen / Vorurteile werden abgebaut
+ atmosphärisch geschrieben / unterhaltsame Dialoge
+ herzerwärmende Szenen in all der Dunkelheit
+ spektakulärer Einsatz von Magie
- Dramatik der Kämpfe nutzt sich etwas ab
- Verrat einer Figur absehbar
Wertung: ![]()
Handlung: 4/5
Charaktere: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5
Interview mit Kaja Evert (2025)