Die Nebelkrähe (Alexander Pechmann)

die nebelkraehe

Steidl Verlag (2019)
Gebundenes Buch, 176 Seiten, antiquarisch erhältlich
ISBN: 978-3958295834

Genre: Historik


Klappentext

London im Juni 1923. Peter Vane kann nicht mehr schlafen. Eine unbekannte Stimme raunt ihm immer wieder ein einziges Wort zu: Lily. Doch der junge Kriegsveteran und Mathematikstudent kennt niemanden mit diesem Namen. Nur das Foto eines kleinen Mädchens, das ihm sein verletzter Kamerad Finley im Schützengraben zugesteckt hat, scheint auf merkwürdige Weise mit Lily in Verbindung zu stehen. Finley ist verschollen und um ihn aufzuspüren, sucht Peter trotz aller Zweifel Hilfe bei der berühmten Spiritistin Hester Dowden, die behauptet, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können. Doch als Peter an einer Séance teilnimmt, spürt er eine ganz andere unheimliche Präsenz: Oscar Wilde, der doch eigentlich seit 23 Jahren tot ist, diktiert ihm seine Gedanken. In der festen Hoffnung, dass alles rational erklärbar sei, versucht Peter mithilfe der exzentrischen Dolly, das Rätsel um Lilys Foto zu lösen, Mrs. Dowden als Betrügerin zu entlarven und seine eigenen Dämonen zu besiegen. Doch je tiefer er in das Geheimnis eindringt, desto deutlicher wird, dass der Schlüssel dazu in seiner eigenen Vergangenheit verborgen liegt.


Rezension

Wir befinden uns im London des Jahres 1923. Peter Vane ist ein britischer Weltkriegsveteran, der immer noch unter den Traumata seiner militärischen Vergangenheit leidet. Eine unbekannte Stimme flüstert ihm immer wieder ein einziges Wort zu: Lily.

Doch Vane, der Mathematikstudent, kennt keine Lily. Er hat nur das Foto eines kleinen Mädchens, das ihm sein verletzter Kriegskamerad Finley beim Abschied im Schützengraben in die Hand gedrückt hat, bevor der verletzungsbedingt ins Feldlazarett musste. Gibt es eine Verbindung zwischen Finley und dem Mädchen? Wenn ja: welche? Finley ist jetzt, Jahre nach den Kriegshandlungen, verschollen. Also macht sich Vane auf den Weg, um Finley aufzuspüren.

So gesehen enthält die Handlung Elemente des Detektivromans. Es geht zwar nicht darum, ein Verbrechen aufzuklären, sondern nur darum, eine verschollene Person zu finden, bei der man nicht weiß, wo man mit dem Suchen anfangen soll.

Elemente einer Liebesgeschichte kommen hinzu.  Vane lernt Dorothy („Dolly“ genannt) und vernarrt sich in sie. Erst allmählich merkt Vane, dass Dolly eine Nichte von Oscar Wilde ist.

Betrachtet man die umfangreiche Handlung um die spiritistischen Sitzungen, fällt das Buch in den Bereich der fantastischen Bücher. Es ist in der Populärliteratur selten, dass die Parapsychologie einen so umfänglichen Raum einnimmt.

Alles umspannend ist das Buchgenre der (fiktiven oder tatsächlichen) Lebensbeschreibung einer historischen Persönlichkeit, bei der ausgebildete Literaturwissenschaftler besser beschreiben kann, wieviel von dem tatsächlichen, historischen Oscar Wilde vorhanden ist und wieviel erfundene, fiktionale Handlung (wie der fremdsprachenbegabte wissenschaftliche Fachmann sagen würde) vorhanden ist.

Diese Erzählebenen sind aber gut miteinander verbunden, so dass die Handlung gut lesbar ist. Ob das Ende wirklich so spannend ist, wie es sich für einen Kriminalroman gebührt, kann ja jeder Leser für sich selbst am besten entscheiden.

Pechmann ist Österreicher. Er wurde 1968 in der Landeshauptstadt Wien geboren. Er arbeitet heute als Autor, Übersetzer und Herausgeber.


Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!