Schneeengel (Haruka Chizu)

schneeengel

Loewe Manga (Juni 2026)
ca. 170 Seiten, 8,00 EUR
ISBN: 978-3-7432-2632-6

Genre: Drama, Romantik, Slice of life


Klappentext

Wärm mein gefrorenes Herz und lass es schmelzen

Einst ein fröhlicher Wildfang, ist Muku seit dem Tod ihres Vaters nur noch ein Schatten ihrer selbst. Kein Wunder: Tagein, tagaus kümmert sie sich nur noch um die Pflege ihres Großvaters und die Bedürfnisse ihrer Familie. Ihre eigenen Wünsche sind unter Schnee und Kälte begraben. Bis sie im Zug ihrem verlorenen Kindheitsfreund wiederbegegnet – und eine Liebe erwacht, die stark genug sein könnte, ihr ein neues Leben zu schenken.


Rezension

Yuto und Muku waren unzertrennliche Freunde. Sie spielten, machten Yutos großen Bruder wahnsinnig und hatten einfach Spaß. Ihre größte Sorge war es, dass es Orte gab, zu denen sie ohne Erwachsene nicht hinkommen konnten. Aber sie wussten, sie mussten nur größer werden, dann wäre alles viel einfacher und freier … Doch der Traum zerplatzte sehr früh. Erst zog Yuto mit seiner Familie weg und dann verstarb Mukus Vater. Ihre Familie zog zu ihren Großeltern und Mukus Kindheit war schneller vorbei, als sie es sich jemals hätte wünschen können.

Mukus Alltag besteht heute darin, ihren Großvater zu pflegen und Geld für die Familie zu verdienen. Allerdings hat sie leider gerade ihre Anstellung verloren und ist nun verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Stelle. Frustriert sitzt sie im Zug und weiß nicht, wie es überhaupt noch weitergehen soll. Da bemerkt sie einen gruseligen, großen Mann, der ebenfalls seine Probleme zu haben scheint. Er ist schwer am Arbeiten, offenbar hinter seiner Deadline und dann fehlt auch noch das Internet im Zug, weshalb er seine Arbeit nicht abliefern kann. Auch wenn er ihr nicht ganz geheuer ist, entscheidet Muku ihm zu helfen und zeigt ihm eine Stelle, wo er Internet hat und seine Daten versenden kann. Daraufhin kommen sie ins Gespräch und stellen fest, dass sie den gleichen Autor mögen. Und schon verfallen sie in Schwärmerei und freunden sich überraschend an. Doch kaum erwähnt Muku den Autor Yuu Wakatsuki, sind sie geteilter Meinung und trennen sich letztendlich fast schon im Streit.

Als Muku wieder zu Hause ist, wartet das Übliche auf sie. Erwartungen, dass sie alles für ihre Familie tut, Vorwürfe weil sie ihrer Familie nicht so hilft, wie diese es für richtig gehalten hätte und Unterdrückung jeglichen Vorschlags, den Muku zur Verbesserung der aktuellen Situation hat. Sie ist vollkommen verzweifelt und fühlt sich, als würde sie ertrinken. Ihre Familie ist ihr wichtig und doch erträgt sie es nicht länger bei ihnen zu sein. Als sie gerade aus der Situation fliehen möchte, stehen vor der Tür zwei fremde Männer – und einer davon ist der Mann aus dem Zug. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um Yuto und seinen älteren Bruder handelt. Die beiden sind wieder in ihre alte Heimat gezogen und wollten die Freunde aus Kindertagen begrüßen und haben dabei scheinbar die Meinungsverschiedenheit mitangehört. Ganz spontan entschließt Muku, mit ihnen zu gehen. Sie weiß selbst nicht, was das Richtige ist, sie weiß nur, sie muss hier weg! Und so quartiert sie sich bei ihrem Kindheitsfreund und dessen Bruder ein.

„Schneeengel“ beschreibt eine sehr toxische Familie und welche Auswirkungen das haben kann. Dabei wird der Zwiespalt, der dadurch entsteht, schön ausgearbeitet. Einerseits liebt man seine Familie, aber andererseits tut einem diese so, wie sie ist, einfach nicht gut. Letztendlich gibt es dafür keinen schönen Weg. Man verliert sich selbst, oder man muss sich lösen, obwohl es einem schwer fällt. Muku selbst zweifelt an sich und ihren Empfindungen. Erst als Yuto sie mit dem Begriff „Young Carer“ betitelt, wird es für sie selbst klar. Der Begriff war ihr nicht neu, aber sie hätte ihn nie sich selbst zugeordnet. Durch dieses Bild von außen erhalten ihre Gefühle einen Namen und das alleine macht es so viel besser. Muku fällt ein Stein vom Herzen und sie kann wieder freier aufatmen. Das ist unglaublich realistisch und gut dargestellt. Denn genau das ist oft das Problem, dass Menschen in einer schwierigen und abhängigen Situation gar nicht erkennen, dass sie sich in dieser befinden. Wenn es dann aber klar wird und Dinge einen Namen erhalten, fühlt sich das schon wie eine kleine Befreiung an.

Mukus Gefühl, wenn ihre Familie sie wieder in ihre Fänge ziehen möchte, als würde sie ertrinken,  ist zeichnerisch sehr gut umgesetzt. Man kann richtig fühlen, wie sie sich von allem abschottet, Geräusche nur noch gedämpft wahrnimmt und ihr Körper sich anfühlt, dass würde er schwer und nach unten gezogen werden. Dadurch wird ihre Empfindung für den Leser greifbar und nachvollziehbar. Das ist ein sehr schönes Element. Eher beiläufig wird noch erwähnt, dass Yuto immer davon ausgegangen war, Muku wäre ein Junge. Aber die Tatsache, dass das falsch war, wird weitestgehend übergangen und einfach akzeptiert. Fraglich ist, ob dieses Thema in den folgenden Bänden nochmal aufgegriffen wird.

Die Zeichnungen sind sauber und detailliert. Allerdings wirken Bewegungen manchmal etwas steif. Aber die Gesichter können die Emotionen sehr gut transportieren, auch wenn diese stellweise etwas übertrieben dargestellt sind. Hintergründe sind spärlich eingesetzt, aber wenn immer sauber und detailliert. Aber besonders die Stimmung wird sehr gut über die Bilder übertragen.


Fazit

„Schneeengel“ zeigt wie schwierig es ist, sich von einer liebenden und zugleich toxischen Familie loszureißen, die einem selbst nicht gut tut, und greift damit ein ernstes Thema auf.


Pro & Contra

+ sensiibel umgesetztes Thema
+ gute Umsetzung der Stimmung
+ saubere Zeichnungen
+ toller Charakteraufbau
+ nachvollziehbare Entwicklungen

- steife Bewegungen

Bewertungsterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5