Fünf Freunde machen Schluss mit Alkohol (Enid Blyton)

fuenf freunde alkohol

Riva-Verlag München 2019
108 Seiten, 9,99 EUR
ISBN: 978-3-7423-1040-8

Genre: Humor


Klappentext

»Zum ersten Mal seit Beginn seines Erwachsenenlebens war Julian vollkommen nüchtern, und ihm schien, er sehe die Welt mit neuen Augen.«

Wieder einmal erwachen die fünf Freunde mit Erinnerungslücken aus einem Rausch. Der Mund ist pelzig, der Schädel dröhnt und mit dem Kater kommen Reue und Zweifel: Haben sie etwa ein Alkoholproblem?
Gemeinsam fassen sie einen Entschluss: genug gesoffen, ab jetzt gibt’s keinen Alkohol mehr! Fatalerweise steht aber noch die Hochzeit ihres Trinkfreundes Ralph an. Werden es die fünf Freunde schaffen, auch ohne Alkohol Spaß zu haben?


Rezension

Wieder einmal machen die fünf Freunde nach einem umfangreichen Saufgelage mit Erinnerungslücken auf. Was ist passiert? Keine Ahnung. Der Mund ist jedenfalls pelzig. Der Schädel dröhnt. Und mit dem Kater kommen die Zweifel: Haben die vier jungen Leute etwa ein Alkoholproblem? Gemeinsam fassen sie einen Entschluß: genug gesoffen. Ab jetzt gibt es nur noch alkoholfreie Getränke. Fatalerweise steht aber noch die Hochzeit ihres Saufkumpanen Ralph an. Ob das wohl gutgeht?

Das englischsprachige Original stammt aus dem Jahre 2016 und aus der Feder von Bruno Vincent. Im Weltnetz sind keinerlei biographische Angaben über ihn zu finden. Verlage stellen ihn lediglich als Briten und Autoren „humoristischer Texte“ vor. Forscht man als Rezensent in literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur (hier: Wikipedia) in Beiträgen über die Fünf Freunde (nicht Enid Blyton, sondern den eigenständigen Beitrag über die Buchserie „Fünf Freunde“!), stellt man fest, dass es lediglich vier Fünf-Freunde-bezogene Titel von Vincent gibt. Was uns das wohl über den Erfolg der Buchreihe sagt?

Es gibt noch einen weiteren Hinweis, dass es sich hier um ein Nachahmerwerk (im Fachjargon „Pastiche“ genannt) handelt: Der Untertitel dieser vier Bücher lautet jeweils „Fünf Freunde für Erwachsene“.

Doch wenden wir uns nun diesem konkreten Werk zu. Was ist von ihm zu halten?

Auf den ersten Blick sieht es aus wie im Original. Das Buchcover ist wie bei den Werken von Enid Blyton (Original) gestaltet. Es gibt den Text, der von Schwarzweißzeichnungen illustriert wird. Sie stammen von Eileen A. Soper und haben kurze Zitate aus dem Text quasi als Bildunterschrift.

Ansonsten ist aber alles anders. Anne, Dick, Julian und George sind erwachsen, wohnen nicht mehr Zuhause und gehen einer geregelten Arbeit nach. Von spannenden Abenteuern in den Schulferien, Schatzsuchen und dem Aufklären harmloser „Kriminalfälle“ ist hier nichts zu sehen, äh, nein, nichts zu lesen. Stattdessen läuft eine Hochzeit aus dem Ruder, endet in einem Fiasko sowie dem dringenden Wunsch der jungen Leute, mit dem Alkohol aufzuhören. Der erhobene Zeigefinder ist also überdeutlich zu sehen.

Bemerkenswert ist jedenfalls, dass Georgina hier durchweg als Junge durchgeht – kann man sagen, dass ihre Transsexualität bei Enid Blyton (dem Original) eher zu ulkigen Verwechslungen führte und hier allgemein akzeptiert ist?

Eine Sache sei hier schon kurz benannt, ohne das genaue Ende verraten zu wollen. Auch ernste Themen wie Heterosexualität und Scheinehe werden in dem Buch angeschnitten. Was genau damit gemeint ist, soll der geneigte, interessierte Leser selbst herausfinden.

Das Buch bietet gut lesbare Unterhaltung. Ob es aber als Nachahmerwerk gelungen ist, sei einmal dahingestellt.


Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!