
Quadriga / Ullstein (1999)
Gebundenes Buch, 320 Seiten, circa 16,00 EUR (antiquarisch)
ISBN: 978-3886793280
Genre: Autobiographie
Klappentext
Ein Leben wie ein Traum: Der kleine Junge aus der holländischen Provinz macht Karriere in den Metropolen der Welt - als Frau. Aus dem schüchternen Edouard Frans wird Romy Haag, der Star. Mit dreizehn strippte sie auf der Reeperbahn, mit sechzehn sang sie im Pariser Nachtclub »Alcazar«. Nach Stationen auf den Bühnen ganz Europas und in New York fand die schillernde Showgröße im Berlin der siebziger Jahre ein Zuhause. Ihr legendärer Nachtclub »Chez Romy Haag« wurde zum In-Treff für Popstars wie David Bowie, Freddy Mercury, Mick Jagger oder Udo Lindenberg. Als Chansonsängerin, im Variete und als Schauspielerin fasziniert sie heute ihr Publikum. Doch Romy Haag erinnert sich nicht nur an ihre Showkarriere. Offen und ehrlich räumt sie mit Klischees über sich und ihr Leben als Transsexuelle auf. Ihr Erfolg in einer Gesellschaft, die Außenseitern selten mehr als einen Nischenplatz einräumt, ist zugleich die Geschichte eines Kampfes gegen Intoleranz und Vorurteile.
Rezension
Edouard Frans Verba wurde am 1. Januar 1951 in Scheveningen / Nidederlande geboren und wurde als Romy Haar ein Star. Das weitere Leben der niederländisch-deutschen Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin und ehemaligen Nachtclubbesitzerin sollte ereignisreich und turbulent verlaufen.
Mit 13 Jahren verließ Romy Haag ihre Familie und ging zum Zirkus. Ihre Karriere begann im traditionsreichen Circus Strassburger, wo sie als Clown in Kindermatineen auftrat. Mit 16 Jahren zog sie mit dem Trapezkünstler des Zirkus nach Paris. Dort hatte Romy erste Auftritt als Schönheitstänzerin.
Ein US-amerikanischer Showmanager bot ihr eine Tournee an, sodass sie mit ihrem „Berliner Chansonprogramm" in den USA auftrat. Dort verliebte sie sich in einen Straßenmusiker, der aus Berlin stammte und ging mit ihm in die heutige Bundeshauptstadt.
Kein Cabaret im belebten Nachtleben der damals geteilten Stadt entsprach ihren Wünschen, sodass sie 1974 in Schöneberg das Chez Romy Haag eröffnete, das mit der Zeit sehr erfolgreich wurde. David Bowie ging mit Romy 1976 eine Beziehung ein, wie die Sekundärliteratur berichtet, zog nach Berlin und startete seine erste Deutschland-Tournee. Ob Romy hier schon trans war oder eine homosexuelle Beziehung einging, sei einmal dahingestellt. In dem Wikipedia–Beitrag über Bowie sind allerdings nur Gerüchte über eine Beziehung der beiden enthalten. Hier wird über die Bisexualität Bowies spekuliert.
1977 erschien ihre erste Single „Liege-Samba", für die Udo Lindenberg Text und Musik schrieb. Mit ihm ging sie auch auf Tournee. Im Jahr darauf folgte eine weitere Single. 1979 wurde in der New Yoker Profile Gallery eine Foto-Jommage über sie präsentiert und 1981 erschien ihre erste LP mit dem Titel So bin ich.
Nach neun Jahren verkaufte sie 1983 ihren Nachtclub. Romy unterzog sich mit 35 Jahren einer geschlechtsangleichenden Operation in der Schweiz. Zurück in der Bundesrepublik Deutschland tourte sie mit dem Programm „City in the Night" durch die deutschsprachigen Länder und die USA.
Sie spielte in 26 Filmen und veröffentlichte 17 stilistisch unterschiedliche Platten.
1997 wurde Romy Haag auf der Berlinale 1997 mit einem Ehrenpreis für ihr filmisches Lebenswerk mit dem Special Teddy Award ausgezeichnet, einem Preis für Filme mit dem Themenschwerpunkt schwul, lesbisch oder transsexuell.
1999 erschien ihre Autobiographie Eine Frau und mehr.
2010 spielte sie in der Internet-Seifenoper „Doc Love" eine Sprechstundenhilfe.
Das vorliegende und hier besprochene Buch ist eine Autobiographie. Aus sehr persönlicher Sicht und in Ich-Form geschrieben lässt Romy hier ihr Leben Revue passieren, von den Kindertagen an bis zu den erfolgreichen Tagen im Show-Geschäft.
Der Vorteil dieser Vorgehensweise: Haag schafft es, den Lesern zu vermitteln, wie aus einem Mann eine trans Frau wird, wobei sie das schon immer war und dank medizinischer Hilfe ihren Körper später ihrem Geschlecht angleichen konnte.
Das Buch ist reichlich mit Schwarzweißaufnahmen angefüllt, einige davon unscharf. Natürlich steht Romy dabei im Vordergrund. Auch Leute wie Horst „Hotte" Buchholz oder Take That kommen vor.
Der Autor dieser Buchbesprechung gesteht es gerne: Romy Haag war ihm lange Zeit völlig unbekannt. Wann hat man schon mit einer queeren Subkultur zu tun, wenn man nicht dazugehört? Erst die Beschäftigung mit trans Menschen und unterschiedlichen Spielarten der menschlichen Sexualität ließen ihn darauf aufmerksam werden.
Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!