Adnan Turan (08.09.2026)

Interview mit Adnan Turan

Porträt von Perry-Rhodan Redaktionsassistent Adnan TuranLiteratopia: Hallo, Adnan! Wir freuen uns, mit Dir über das 65-jährige Jubiläum von "Perry Rhodan" zu sprechen. Aber kommen wir zuerst zu Dir: Wie bist Du zu einer der größten Science-Fiction-Serien der Welt gekommen?

Adnan Turan: Hallo, Judith, vielen Dank für die Einladung! Da ich selbst gerne auf literatopia.de schmökere und auch gerne das »PHANTAST«-Onlinemagazin lese, freut es mich natürlich besonders.

Die PERRY RHODAN-Serie ist mir eigentlich schon sehr früh begegnet. Mein Onkel besaß einige Silberbände, von denen ein paar auch bei uns im heimischen Bücherregal ihren Platz fanden. Die Optik dieser Bücher, mit den tollen Retro-Motiven und dem 3D-Effekt, hatte als Kind eine große Anziehungskraft auf mich, und ich habe mir die Bücher sehr oft angeschaut – aber nie gelesen! Da standen hohe Zahlen auf dem Buchrücken, und die haben mich abgeschreckt.

Leser wurde ich ehrlicherweise erst, als ich mich für eine Stelle als Werkstudent in der Redaktion beworben habe. Seitdem lese ich die »alten« Romane in Form der Silberbände nach – zugegeben in einem sehr schleppenden Tempo –, aber dafür natürlich aktuell die Serie Woche für Woche mit.

Literatopia: Was sind Deine Aufgaben als Redaktionsassistent bei "Perry Rhodan"?

Adnan Turan: Weil wir ein kleines Team sind, verschwimmen die Aufgabengebiete. Vieles von meiner Arbeit ist klassisches redaktionelles Arbeiten: Fristen im Blick behalten, redaktionelle Meldungen verfassen, die Einplanung von redaktionellen Beilagen im Heft oder Illustrationen verwalten. Ein Großteil meiner Arbeit ist aber auch Marketing: Grafiken erstellen, Video-, Text- und Bildmaterial für Social Media und so weiter. Ich genieße es sehr, dass das alles so vielfältig ist und jede Woche etwas Neues auf dem Plan steht.

Aktuell kümmere ich mich darum, die Planetenromane wieder als E-Books neu aufzulegen. Das macht viel Spaß, da man in die alten Geschichten abtauchen kann und auch bei den Fanreaktionen merkt, welche Figuren und Geschichten besonders viel Nostalgie wecken. Zuletzt haben wir zwei Romane aus den 60ern neu veröffentlicht, mit einem raubeinigen trinkenden Raumfahrer. Das hat viele Fans gefreut, wobei, zugegeben: Der Roman ist ein Kind seiner Zeit.

Literatopia: Im Oktober erscheint Band 3400 der regulären Serie. Was erwartet die Leser*innen?

Cover von Perry Rhodan 3300 Terra muss fallen: zu sehen ist ein Raumschiff, das über eine futuristische Stadt fliegtAdnan Turan: Mit Band 3400 startet der »Chroniden«-Zyklus. Genauso wie ich bei Band 3300 eingestiegen bin, eignet sich Band 3400 eben auch wieder als idealer Einstiegspunkt. Die Leserinnen und Leser erwartet darin eine packende Space Opera: Tausende Alienvölker, die Abertausende Planeten besiedelt haben. Bündnisse werden geschlossen und gebrochen, man arbeitet gemeinsam an einer friedlichen Zukunftsvision, andere arbeiten dagegen. Auf die Handlung des Romans kann ich leider noch nicht richtig eingehen, aber wer Weltraumabenteuer mag, wird Band 3400 lieben.

Literatopia: Was glaubst Du, warum sich "Perry Rhodan" seit 65 Jahren in der deutschsprachigen Science Fiction gehalten hat und uns voraussichtlich noch lange erhalten bleiben wird? Wie ist es gelungen trotz vieler Krisen durchweg jede Woche einen neuen Heftroman zu veröffentlichen?

Adnan Turan: Das ist mir zu Teilen auch ein Rätsel. Es gab ja wirklich keine einzige Woche, in der kein Roman erschien. Also, seit 1961 ist einiges auf der Welt passiert, da wäre es absolut verständlich gewesen, wenn bestimmte Umstände zu einem Ausfall geführt hätten. Aber ich denke, das ist auch genau der Knackpunkt, weshalb die Serie heute noch so lebendig ist. Die Menschen, die die Serie lesen, sind mit voller Leidenschaft dabei. Das zeigt sich bei all denjenigen, die an der Serie mitwirken, aber auch in dem ausgeprägten Fandom, das in zahlreichen Städten Stammtische gegründet hat, Fan-Art erstellt, Fanfiction schreibt, Veranstaltungen organisiert, Magazine, Podcasts, Videos etc. hervorbringt.

Hartmut Kasper hat in einem Interview mit mir mal gesagt, ich zitiere lose: »Rhodan hat einen Status erreicht, ähnlich wie ›Superman‹ {…} Die Serie kann eigentlich nicht mehr aufhören. Selbst wenn der Verlag irgendwann sagen sollte: ›Wir machen das nicht mehr‹, ich glaube, es würden sich Leute finden, die das weiterschreiben.«

Ich denke, das ist die Leidenschaft, die die Serie am Leben hält.

Ein wichtiger Punkt ist natürlich auch, dass die Serie sich auch auf moderne Formate angepasst hat. So kann auch eine »digitalisiertere« Generation bei PERRY RHODAN einsteigen.

Literatopia: Bei tausenden von Bänden und vielen unterschiedlichen Autor*innen: Kommt es da nicht zu Widersprüchen innerhalb der Serie? Und wie schafft Ihr es, dass sich die unterschiedlichen Stile der Autor*innen zu einer Serie zusammenfügen?

Adnan Turan: Ich glaube, ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass sich in 65 Jahren Seriengeschichte nicht auch mal etwas widersprochen hätte. Aber das ist wirklich die seltene Ausnahme. Die Serie entsteht nicht isoliert voneinander. Es ist also nicht so, dass eine Autorin oder ein Autor völlig losgelöst vom Rest des Teams schreibt und der Text dann einfach Etappe für Etappe bis zur Veröffentlichung läuft. Das gesamte Team arbeitet eng zusammen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich online auszutauschen, aber natürlich auch persönlich vor Ort. Wer einmal sehen möchte, wie so eine Autorenkonferenz aussieht, kann das übrigens auf »Perryversum« bei YouTube tun.

Was die unterschiedlichen Stile angeht, ist meiner Meinung nach durchaus erkennbar, welcher Roman von welchem Autor oder welcher Autorin geschrieben wurde. Das lernt man allerdings auch erst mit der Zeit. Im Kern trägt jeder Roman aber die »PERRY RHODAN-Identität« in sich und fühlt sich deshalb angenehm kanonisch an.

Cover von Perry Rhodan NEO Entropia Evolution und Chaos von Kai Hirdt, zu sehen ist ein Drache, der auf dem weißen Haus aufragt so wie ein Mensch und ein RoboterLiteratopia: "Perry Rhodan NEO" beginnt mit Band 390 "Evolution und Chaos" von Kai Hirdt die neue Staffel "Entropia" - was sind die großen Themen der neuen Bände?

Adnan Turan: PERRY RHODAN NEO ist ja quasi das Paralleluniversum der Hauptserie. Hier ist die Menschheit erst 2036 zum Mond aufgebrochen, und dementsprechend sind die Romane auch näher an unserer Technik und dadurch moderner. In der neuen Staffel spielt, wie man es dem Titel schon entnehmen kann, die Evolution auf der Erde verrückt.

Innerhalb weniger Tage entwickeln sich gewöhnliche Haie auf eine Größe, wie einst der Megalodon und durchschwimmen die Meere, oder Warane entwickeln sich zu gigantischen Echsen mit Flügeln – manch einer würde sie Drachen nennen. All das hängt vermutlich mit einem Phänomen zusammen, das sich »Negasphäre« nennt: eine Irritation im Raum-Zeit-Gefüge. Darin spielen die Naturgesetze verrückt, ebenso wie die Entropie.

Wir haben also einerseits spannende »Was wäre, wenn?«-Themen in der Staffel, aber natürlich auch kosmische Abenteuer. Auch hier möchte ich nochmals auf unseren YouTube-Kanal verweisen, dort gibt es ein etwa 10-minütiges Video zur Handlungsstaffel mit einem kleinen Exkurs zur realwissenschaftlichen Evolution.

Literatopia: Tausende von Bänden können auf neue Leser*innen auch abschreckend wirken. Laut Eurer Website sind gute Einstiegspunkte die ersten Bände neuer Zyklen. Womit hast Du damals angefangen?

Adnan Turan: Mein erster PERRY RHODAN-Roman, den ich gelesen habe, war tatsächlich »Die Dritte Macht«, also der Silberband Nummer 1. So richtig in die Serie eingestiegen bin ich aber mit Band 3300, »Terra muss fallen«, von Ben Calvin Hary. Das war für mich der perfekte Einstieg, weil der Konflikt des Romans ein tief menschlicher ist und man tatsächlich sehr langsam in die weite Welt des Perryversums eingeführt wird.

Literatopia: Wenn man mit einem älteren Zyklus beginnen will, bekommt man da überhaupt noch Hefte oder bleibt dann letztlich nur das eBook?

Adnan Turan: Also, wer die Romane in ihrer Ursprungsform lesen möchte, dem bleibt entweder das E-Book, oder man schnappt sich von irgendwo eine Sammlung. Für mich sind die E-Books die deutlich bequemere Lösung. Die Silberbände fassen außerdem die Romane ab Band 1 in einer gestrafften, redaktionell überarbeiteten Version zusammen. Wer also die alten Abenteuer lesen möchte und wen es nicht stört, dass manche Passagen geändert oder gestrichen wurden, der sollte sich die Silberbände schnappen. Jeder Eingriff in den Romanen ist dabei sorgsam und verbessert das »pacing«.

Literatopia: Erstausgaben alter Comics sind gerne einmal ein Vermögen wert. Wie sieht es mit alten Originalausgaben von "Perry Rhodan" aus? Gibt es darunter hochgehandelte Schätze?

Adnan Turan: Damit kenne ich mich persönlich nicht gut aus. Soweit ich weiß, lag auch beim Beginn der Serie die Auflage bereits im hohen fünf-, gar sechsstelligen Bereich. Daher gibt es ziemlich viele Hefte. Dann geht es wahrscheinlich eher um besonders gut erhaltene oder signierte Exemplare, schätze ich? Diese haben sicherlich unter Liebhabern einen hohen Wert – wie hoch genau, wüsste ich jetzt aber nicht.

Perry Rhodan Silberband "Die Dritte Macht": zu sehen ist ein AstronautenkopfLiteratopia: Wie viele "Perry Rhodan"-Romane hast Du bereits gelesen? Und was ist Dein persönlicher Lieblingsroman von "Perry Rhodan"?

Adnan Turan: Ich musste wirklich erst einmal nachrechnen, aber inzwischen müssten es knapp über 150 Romane aus dem Perryversum sein. Einen Lieblingsroman zu benennen, fällt mir sehr schwer. Es sind eher Handlungsabschnitte die mich besonders beeindrucken, also eher ein Zusammenspiel aus vielen kreativen Köpfen.

Alles rund um den Chaoporter FENERIK im »PHOENIX«-Zyklus fand ich großartig, oder aktuell die Handlung rund um Andromeda und Malora. (Was natürlich nicht bedeutet, dass ich die anderen aktuellen Handlungsstränge nicht mag!)

Literatopia: Welcher war für Dich der ungewöhnlichste und überraschendste "Perry Rhodan"-Roman?

Adnan Turan: Der ungewöhnlichste Roman war definitiv Band 3333, also ein sogenannter Schnapszahlenband. Leo Lukas hat mit dem Roman eine Tradition in der Serie fortgeführt, denn die Schnapszahlenbände beinhalten meistens Anspielungen auf die Autorinnen und Autoren der Serie. Zumindest einige der Insider-Sprüche zu verstehen, war für mich großes Kino. :-)

Literatopia: In „Perry Rhodan“ gibt es tausende von Alienvölkern und unzählige Figuren. Welche außerirdische Kultur hat Dich am meisten beeindruckt?

Adnan Turan: Es gibt wirklich unglaublich viele Alienvölker im Perryversum, und die meisten unterscheiden sich in ihrer Entwicklung stark von uns Terranern, wie die Bewohner der Erde der Zukunft in der Serie genannt werden. Natürlich gibt es auch bei PERRY RHODAN Völker, die letztlich wie »Menschen im Kostüm« wirken: Sie haben vielleicht Katzenohren und Schnurrhaare, verhalten und kommunizieren aber im Grunde wie wir.

Zum Glück gibt es darüber hinaus unzählige Beispiele, die sich von solchen Klischees deutlich abheben. Zuletzt gab es – großartig von Michelle Stern beschrieben – zweidimensionale Wesen, die, stark vereinfacht gesagt, in einem kosmischen Siegel lebten. Unsere Helden standen dabei vor einem Dilemma: Sie wollten das Siegel öffnen, um damit ein Portal zu betreten, würden damit aber zugleich die zweidimensionalen Bewohner auslöschen.

Besonders fasziniert bin ich allerdings von den Halutern. Das sind drei Meter große Kolosse mit vier Armen, drei Augen und zwei Gehirnen. Sie sind so unglaublich robust, dass sie durch die sogenannte Strukturverhärtung sogar einige Zeit im Vakuum des Weltalls überleben können. Und trotzdem sind diese eingeschlechtlichen Wesen liebevolle Riesen, die sich vor allem für die Erforschung des Kosmos interessieren. Ich freue mich deshalb jedes Mal, wenn ein Haluter in der Handlung auftaucht.

Literatopia: Du begleitest Perry-Rhodan-Chefredakteur Klaus N. Frick auch auf Veranstaltungen. Auf dem Buchmesse Convent in Dreieich gehört das Perry-Rhodan-Panel am Abend zu den am besten besuchten und es endet selten pünktlich, weil noch so viele Fragen kommen. Wie ist für Dich der direkte Kontakt zu den Perry-Rhodan-Fans?

Adnan Turan: Ich finde es total schade, dass ich nicht schon früher am Fandom teilgenommen habe, auch unabhängig von PERRY RHODAN meine ich. Die Fans aus der »Phantastik«-Szene stellen so viele tolle Sachen auf die Beine, und gerade unter den »Perrys« fühle ich mich wirklich wohl. Ich freue mich über jedes Gespräch und jeden Austausch, es ist einfach etwas ganz Besonderes. In diesem Jahr fanden die 6. PERRY RHODAN-Tage in Braunschweig zum 65. Jubiläum der Serie an. Das war ein unglaubliches Erlebnis!

Literatopia: Über KI-Anwendungen wird viel gestritten und insbesondere in kreativen Berufen ist Kritik daran oftmals mehr als angebracht. Wie steht "Perry Rhodan" zu KI? Würdet Ihr Cover oder gar Texte mit Hilfe mit KI gestalten/schreiben lassen?

Cover von Perry Rhodan Band 3333 "Labor der Unsterblichkeit": zu sehen ist ein Alien-AstronautAdnan Turan: KI als Hilfsmittel halte ich persönlich durchaus für legitim – etwa bei Konzeptpapieren, wenn es darum geht, eine visuelle Vorstellung zu entwickeln. Das kann beispielsweise bei einem Alienvolk hilfreich sein, wo man nicht die Möglichkeit hat, es eigens von einem Künstler illustrieren zu lassen. Sicherlich gibt es darüber hinaus noch weitere sinnvolle Einsatzbereiche.

Für die PERRY RHODAN-Serie gilt allerdings klar: Generative KI wird nicht eingesetzt, um Romane oder andere erzählerische Inhalte der Serie zu erstellen. Die Romane entstehen vollständig durch unsere Autorinnen und Autoren und sind ausdrücklich frei von KI-generiertem Text. Bei einigen Titelbildern kommen KI-Anwendungen unterstützend zum Einsatz – das eigentliche künstlerische Werk entsteht jedoch weiterhin durch Menschen. Einige unserer Illustratoren arbeiten sogar noch ganz klassisch auf Leinwand.

Um die Frage also kurz und eindeutig zu beantworten: Nein.

Literatopia: Du liest auch abseits von "Perry Rhodan" viel Phantastik. Hast Du abschließend ein paar Buchtipps für uns? Welche Romane haben Dich zuletzt begeistert?

Adnan Turan: Zuletzt begeistert hat mich »Red Rising«, von Pierce Brown. Der Roman fühlt sich an wie ein jugendliches, actiongeladenes »Dune«. Es macht unfassbar viel Spaß und nimmt einen auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Außerdem las ich zuletzt »Dungeon Crawler Carl« von Matt Dinniman. Ein total abgefahrener Roman mit einer sprechenden Katze, einer intergalaktischen Game-Show und einer Menge verrückter Figuren. Hier auf literatopia.de habe ich sogar eine Rezension dazu geschrieben.

Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!

Adnan Turan: Ich habe zu danken! :-)


Foto: Copyright by Pabel Moewig Verlag

Interview mit Kai Hirdt (2016)

Rezension zu "Perry Rhodan - Kartografen der Unendlichkeit"


Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.