Interview mit Piotr „DeSade“ Kucharzak und Lillith Korn
Literatopia: Hallo, Piotr, hallo, Lillith! In "Fabula Ensis – Krieg der Tengu und Shinigami“ vereint Ihr japanische Mythologie und Cyberpunk, was Ihr auch als „Cybermyth“ bezeichnet. Was erwartet uns in einer Cyberpunk-Welt voller Dämonen?
Piotr DeSade: "Fabula Ensis" ist eine dystopisch-moderne Welt, in der Dämonen einen versteckten Krieg gegeneinander führen. Diesen Krieg führen sie in menschlichen Körpern, sodass keiner wirklich weiß, wem er vertrauen kann. Und in dieser Welt befindet sich Kiaji, ein angehender Clanführer, der seine Rolle ablehnt. Jin, eine Kriegerin, die 1000 Jahre geschlafen hat, jetzt in einer ganz anderen Welt aufwacht und dazu noch besessen von einem Shinigami ist, und Dawey, ein verbannter Shaolinmönch, der halb Mensch und halb Dämon ist.
Genau das kann man von "Fabula Ensis" erwarten.
Lillith Korn: Hier existieren Shinigami, Tengu und andere Wesen aus der japanischen Sagenwelt neben künstlicher Intelligenz, Nanotechnologie und technischen Errungenschaften, die längst nicht mehr nur das Leben der Menschen bestimmen. Was, wenn selbst übernatürliche Wesen vor den Möglichkeiten moderner Technik nicht sicher sind? Oder wenn sich uralte Konflikte plötzlich mit ganz neuen Mitteln austragen lassen?
Die Leser*innen erwartet eine Mischung aus Action, düsteren Geheimnissen, japanischer Mythologie und Figuren, die zwischen diesen Welten ihren eigenen Weg finden müssen.
Literatopia: Würdet Ihr uns die Protagonist*innen von "Fabula Ensis“ näher vorstellen?
Piotr DeSade: Ich versuche, es so kurz wie möglich zu machen, und gehe erst mal nur oberflächlich rein. Lillith kann dann tiefer in die Charaktere reingehen.
Die weibliche Protagonistin ist Jin Ten. Ihre Geschichte beginnt 1000 Jahre vor der eigentlichen Handlung und sollte dort auch enden. Sie ließ ihr Leben für ihre große Liebe, Prinzessin Sayu. Doch bevor sie starb, ging sie mit einem Shinigami-Todesgott einen Deal ein. 1000 Jahre später muss sie diesen Deal jetzt einlösen und kämpft im Krieg der Dämonen auf der Seite der Todesgötter als eine Art Agentin. Der Todesgott YouKai hat sich ihrer bemächtigt und hat einen Auftrag zu erfüllen.
Dann haben wir noch Kiaji Kaito vom Ryushen-Clan. In der Stadt Glavis regieren fünf Clans und über diese die Kabaru. Kiaji gehört einem der stärksten Clans an und wird nach bestandener Prüfung der Clanführer. Doch der Clan nahm ihm seine Mutter und seinen Vater, der voller Rachsucht ist. Das letzte, was er will, ist, diesen Clan zu führen. Dazu kommt noch, dass er immer tiefer in ein Geheimnis reingezogen wird, was seine Mutter aufdecken wollte.
Der letzte ist Dawey, ein Shaolin-Mönch der vom Tempel verbannt wurde. Als kleines Baby wurde er von dem Meister der Shaolin vor dem sicheren Tod gerettet. Doch das hatte seinen Preis. Ein Tengudämon pflanzte Dawey einen Teil seiner selbst ein und Jahrzehnte später versucht nun dieser Teil Daweys Körper zu übernehmen. Dawey ist zu gefährlich für den Tempel und muss in der Welt nach einer Lösung für sein Problem suchen, um wieder zurückkommen zu dürfen.
Lillith Korn: Desade hat ja schon einiges über die Hintergründe verraten. Was unsere drei Hauptfiguren für mich besonders spannend macht, sind ihre völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten und die Konflikte, die sich daraus ergeben.
Jin ist eine starke, aber auch ziemlich eigensinnige Frau, die sich nur ungern etwas vorschreiben lässt. Nach allem, was sie erlebt hat, ist es nicht gerade einfach, ihr Vertrauen zu gewinnen. Gleichzeitig trägt sie eine enorme emotionale Last, z. B. durch Verluste, mit sich herum.
Kiaji wiederum hat eigentlich alles, was andere sich wünschen würden: Macht, Einfluss und eine bedeutende Stellung innerhalb seines Clans. Nur möchte er davon überhaupt nichts wissen. Er ist innerlich zerrissen zwischen den Erwartungen, die an ihn gestellt werden, und seinem eigenen Wunsch nach Freiheit und Wahrheit.
Und dann wäre da noch Dawey, der für mich einen ganz besonderen Kontrast zu den beiden bildet. Er wurde in einem Umfeld groß, das von Disziplin und festen Regeln geprägt ist, und muss sich nun plötzlich in einer Welt zurechtfinden, die nach völlig anderen Regeln funktioniert. Dabei trägt er ausgerechnet die Gefahr, vor der er sich schützen möchte, in sich selbst.
Ich mag, dass keiner von ihnen der klassische strahlende Held ist. Sie haben ihre Fehler, treffen fragwürdige Entscheidungen und stehen sich manchmal selbst im Weg. Genau das macht sie für mich interessant.
Literatopia: Cyberpunk ist meist Near Future auf der Erde, "Fabula Ensis“ hingegen spielt auf einem anderen Planeten: Sidus. Wie weit befinden wir uns in der Zukunft? Und wie sieht es auf Sidus aus?
Piotr DeSade: Ich würde sagen, dass die Welt, in der "Fabula Ensis" spielt, der Zeit ähnlich ist wie "Bladerunner" oder "Cyberpunk 2077". Sidus hat drei große Kontinente. Der erste Kontinent, auf dem die Geschichte von Band 1 spielt, heißt Gladius und ist sehr japanisch / chinesisch angehaucht. Also fast typisch Cyberpunk nur mit einem Touch von Dämonen und Mythologie.
Der zweite Kontinent, auf dem teilweise das zweite Buch spielen wird, ist Ascia. Dieser Kontinent geht vom Stil her in die französische Renaissance. Wir haben keine Clans wie auf Gladius, sondern einen Kaiser, der über weite Teile des Kontinentes herrscht.
Der dritte Kontinent heißt Asta und ist noch ein Geheimnis. Es gibt eine Kurzgeschichte zum Charakter SIA, die auf Asta spielt, aber da bekommt man noch nicht wirklich viel mit. Das heben wir uns für den dritten Band auf.
Lillith Korn: Dadurch entstehen auch spannende Gegensätze. Auf Gladius treffen futuristische Großstädte, moderne Technik und mächtige Konzerne auf jahrhundertealte Traditionen und mythologische Wesen. Ascia bringt dagegen eine ganz andere Ästhetik mit, obwohl beide Kontinente Teil derselben Welt sind.
Literatopia: Den Tengu und Shinigami steht die sogenannte Kabaru gegenüber – wer verbirgt sich dahinter? Und wie groß ist der Einfluss der Kabaru auf Sidus?
Piotr DeSade: Die Kabaru präsentiert sich als eine Art religiöse Sekte mit einem Anführer, genannt Crux Talos. Durch Verschwörungen und Intrigen hat es die Kabaru geschafft, sich die fünf herrschenden Clans zu Untertan zu machen. Sie kann sie unterdrücken und erpressen. Für die „normalen“ Bürger ist die Kabaru die Befreiung von den Clans.
Doch die Kabaru und Crux Talos sind nur eine Fassade, hinter der sich die Tengudämonen verstecken. Sie ziehen die Fäden und bestimmen, wohin die Politik geht. Vor 1000 Jahren war das Tor der Welten offen. Tengu und Shinigami strömten auf Sidus, um sich gegenseitig zu vernichten. Dann wurde das Tor geschlossen und beide Mächte waren sozusagen auf Sidus gestrandet. Die Menschen wurden immer mächtiger, sodass die Wesen (Tengu und Shinigami) sich etwas einfallen mussten, um nicht vernichtet zu werden, bevor sich das Tor wieder öffnete. So erschufen die Tengudämonen die Kabaru und ein Netzwerk der Täuschung.
Lillith Korn: Für viele Menschen verkörpert die Kabaru im Buch Hoffnung auf ein besseres Leben. Dass hinter den vermeintlichen Befreiern aber ganz andere Interessen stecken, ahnen die wenigsten …
Die Kabaru weiß jedoch genau, wie sie Ängste und Unzufriedenheit für ihre Zwecke nutzen kann. Dabei spielt es ihr wunderbar in die Karten, dass die herrschenden Clans selbst alles andere als unschuldig sind. Wer unter der Macht der Clans gelitten hat, stellt die Motive seiner vermeintlichen Retter vielleicht gar nicht erst infrage.
Und genau das macht die Kabaru so gefährlich: Ihre Macht beruht nicht nur auf Unterdrückung, sondern auch darauf, dass die Menschen ihr freiwillig vertrauen. Wie weit ihre Verbindungen tatsächlich reichen, werden wir im Laufe der Geschichte noch sehen …
Literatopia: Was fasziniert Euch persönlich an Cyberpunk? Und wie seid Ihr erstmals mit dem Genre in Kontakt gekommen?
Piotr DeSade: Ich stand schon immer auf Animes wie "Ghost in the Shell" und "Akira", die in einer cyberpunkartigen Welt spielen. Ich mag diese Art von dunkler Zukunft, in der Großkonzerne herrschen und die Technologie ein neues Level erreicht. Als dann irgendwann "Final Fantasy 15" rauskam, wusste ich, welchen Stil ich für "Fabula Ensis" haben will. Die ersten Versionen spielten noch in einer mittelalterlichen japanischen Ära.
Lillith Korn: Ich muss gestehen, dass ich mit Cyberpunk ursprünglich überhaupt nichts am Hut hatte. Als ich Desade und seine Idee zu "Fabula Ensis" kennenlernte, musste ich mich deshalb erst einmal mit dem Genre vertraut machen. Aber je tiefer ich eingetaucht bin, desto mehr habe ich es lieben gelernt.
Was mich schon immer begeistert hat, sind Dystopien und Fantasy. Und bei genauerem Hinsehen liegen diese Genres gar nicht so weit auseinander, wie man vermuten könnte. Gerade Cyberpunk und Dystopien beschäftigen sich oft mit ähnlichen Themen: Machtmissbrauch, gesellschaftlicher Ungleichheit, Unterdrückung und darum, wie weit Menschen gehen, um ihre Freiheit zu bewahren. Die Fantasy wiederum bringt das Übernatürliche, fremde Welten und die Möglichkeit mit, völlig neue Regeln aufzustellen.
Für mich vereint "Fabula Ensis" deshalb das Beste aus diesen Welten.
Literatopia: Sind alle mythologischen Elemente in „Fabula Ensis“ der japanischen Mythologie entlehnt oder habt Ihr auch auf die Mythologen anderer Kulturen zurückgegriffen?
Piotr DeSade: Es sind sehr viele Mythologien und Gestalten in "Fabula Ensis" verbaut. Der Hauptteil ist Japanisch, wie die Tengu und die Shinigami. Aber die Shaolin-Mönche sind Chinesisch und der Mönch, der den Zen-Buddhismus zum Tempel brachte, Indisch.
Die Geschichte von "Fabula Ensis" geht eher in die Richtung einer griechischen Tragödie.
Die Kabaru ist angelehnt an die mittelalterliche Kirche mit dem Papst auf dem „Thron“. Die Asashi-Kriegsnonnen sind angelehnt an die arabischen Assassinen. An jeder Ecke kann man Details aus verschiedenen Kulturen und Religionen entdecken .
Lillith Korn: Eine kleine Ergänzung noch: Auch die ägyptische Mythologie hat ihren Weg in "Fabula Ensis" gefunden. Beispielsweise setzt sich der Name Sethra aus Seth, dem Gott des Chaos, und Ra, dem Sonnengott, zusammen. Und auch Horus, der ägyptische Himmelsgott, spielt in unserer Geschichte eine Rolle.
Literatopia: Wie sah Eure Zusammenarbeit am Roman konkret aus? Habt Ihr beispielsweise die Figuren unter Euch aufgeteilt?
Piotr DeSade: Ich kam mit der Skizze vom Plot / Figuren und zusammen haben wir dann die finalen Versionen entwickelt. Eigentlich sollte es ein Buch werden. Umso länger wir daran gearbeitet haben, umso klarer wurde, dass es viel mehr werden würde, bis heute, wo "Fabula Ensis" mehr ein ganzes Lore wird als nur eine kleine Geschichte. In Comics, Kurzgeschichten, Hörspielen und bald auch weiteren Medien erzählen wir die Story weiter.
Bei der Zusammenarbeit hat sich auch noch eine Menge verändert. Ich finde es immer sehr interessant, wie die Geschichte durch Lillith einen „weiblichen“ Touch bekommen hat. Auf ganz viele Aspekte und Kleinigkeiten bei den Charakteren wäre ich gar nicht gekommen. Sie haben durch Lillith viel mehr Facetten bekommen.
Lillith Korn: Unsere Zusammenarbeit ist eigentlich ziemlich kurios entstanden. Ursprünglich wollte ich nämlich einen Song bei Desade aufnehmen, der ja Musiker und Produzent ist. Er wiederum hatte schon lange den Wunsch, ein Buch zu schreiben, und trug die ganze Welt von "Fabula Ensis" mit all ihren Figuren und Geschichten schon lange im Kopf mit sich herum. Und zack, irgendwie wurde aus diesen beiden Vorhaben dann ein gemeinsames Projekt.
Ich habe mich dann in seine Ideen und die bereits bestehende Welt eingearbeitet. Anschließend haben wir zusammen an den Figuren, ihren Hintergründen und der Handlung gefeilt. Vieles wurde verändert, weiterentwickelt oder sogar komplett neu erfunden. Dabei ergänzen wir uns echt gut, weil wir oft ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Geschichte haben, aber dasselbe Ziel verfolgen.
Eine klassische Aufteilung nach Figuren gibt es bei uns also nicht. Stattdessen teilen wir uns gewissermaßen das Gehirn, während meine Finger das Ganze zu Papier bringen. Desade ist der ursprüngliche Schöpfer dieser Welt, aber inzwischen ist "Fabula Ensis" unser gemeinsames Baby geworden.
Literatopia: "Fabula Ensis“ ist 2022 erschienen und wurde 2026 mit neuem Cover neuveröffentlicht. Habt Ihr das Buch nur optisch verändert oder auch den Text überarbeitet?
Piotr DeSade: Tatsächlich wurde hauptsächlich das Cover und der optische Inhalt verändert. Die Story und der Text sind gleich geblieben, es gab lediglich eine Ergänzung beim Prolog und einen neuen Klappentext. Ich habe überlegt, ob wir vielleicht ein paar Stellen aktualisieren, aber am Ende ist das so unwichtig gewesen, dass ich die Zeit lieber in die Weiterführung der Welt investieren wollte.
Lillith Korn: Natürlich juckt es mich als Autorin immer in den Fingern, an älteren Texten noch einmal herumzufeilen. Man entwickelt sich schließlich auch stilistisch weiter und würde manches heute vielleicht anders formulieren. Aber wir wollen ja irgendwann erfahren, wie es mit unseren Figuren weitergeht, deshalb schauen wir nach vorn.
Literatopia: Es sind bereits mehrere Kurzgeschichten zu "Fabula Ensis“ erschienen – kann man diese unabhängig vom Roman lesen? Wovon handeln die Kurzgeschichten?
Piotr DeSade: Die Kurzgeschichten lassen sich grundsätzlich unabhängig vom Roman lesen. Manche spielen während oder zwischen den Ereignissen der Hauptgeschichte, andere haben damit kaum Berührungspunkte und zeigen einfach weitere Facetten unserer Welt. Für mich sind sie besonders wichtig, weil wir darin Geschichten erzählen können, für die im großen Abenteuer kein Platz ist. Statt der übergeordneten Handlung stehen hier einzelne Schicksale im Mittelpunkt. So erfahren die Leser*innen, wie das Leben auf Sidus abseits unserer Hauptfiguren aussieht.
Lillith Korn: Ein gutes Beispiel dafür ist die Geschichte von Kuro. Seine Mutter wurde während der Schwangerschaft von einem Tengudämon infiziert und starb bei seiner Geburt. Der Tengu ging daraufhin auf das Neugeborene über, doch Kuros Körper war viel zu schwach für dessen Energie. Mensch und Dämon verschmolzen miteinander, was Kuro äußerlich entstellte. Statt eines Arms besitzt er eine Knochenklinge.
Er wächst bei einer Adoptivfamilie auf, wird wegen seines Aussehens ausgegrenzt und gemobbt. Einzig die Liebe seiner Adoptivmutter gibt ihm Halt. Bis er eines Tages erfährt, dass seine Eltern ein eigenes Kind erwarten und darüber nachdenken, ihn loszuwerden.
Wie diese Geschichte ausgeht, verraten wir natürlich nicht. Aber genau solche Einzelschicksale machen für mich den Reiz unserer Kurzgeschichten aus. Sie zeigen, wie grausam, ungerecht, aber auch menschlich unsere Welt sein kann. Und manchmal gehen einem gerade diese vermeintlich kleinen Geschichten besonders nahe.
Literatopia: Zu "Fabula Ensis“ gibt es auch Artbook mit KI-generierten Bildern. Was bekommt man darin unter anderem zu sehen? Und sind die Bilder rein durch KI erstellt oder von Menschen nachbearbeitet?
Piotr DeSade: Es gibt tatsächlich zwei Artbooks. Das erste ist mit Texten zu "Fabula Ensis" und alten Skizzen, wie ich mir die Welt vorgestellt habe. Da ich seit kleinauf gezeichnet habe, konnte ich immer ganz gut meine Ideen skizzieren. Dieses Buch ist aber von den Informationen veraltet. Wir sind da schon viel weiter in der Welt.
Das zweite Buch ist mithilfe der AI entstanden. Ich habe ca eineinhalb Jahre daran gearbeitet, die Bilder zu erstellen und nachzubearbeiten. Ich weiß, dass es einigen aufstößt, wenn sie nur das Wort AI oder KI hören. Ich bin absolut gegen AI-Slop und den ganzen Schrott, der in der Welt rumgeistert. Aber ich habe Hunderte von Stunden an dem Artbook gesessen, um es genau so zu gestalten, wie ich es mir vorstelle, und es ist immer noch aktuell. Bisher habe ich auch nur Lob dafür bekommen, wie unglaublich das aussieht. "Fabula Ensis" ist ein multimediales Projekt und ich will alle Möglichkeiten nutzen. Wir haben auch einen Comic, der komplett von einem Menschen gezeichnet ist. Außerdem gibt es im Hauptbuch Illustrationen, die von der Illustratorin Dominique Pelz erstellt worden sind. Ganz ohne KI und die sehen fantastisch aus. Ich liebe ihren Stil. Dann kommen wieder andere Projekte dazu, wo ich die KI brauche. Wir arbeiten gerade an einem CGI-Trailer und einem Kurzfilm für "Fabula Ensis", der ohne KI gar nicht möglich wäre. Die Stimmen und der Soundtrack sind dann wieder von Menschen.
Mir ist immer wichtig, dass ich dahinterstehen kann, wenn diese Sachen rauskommen. Und ich bin unglaublich stolz auf alles, was wir bisher geschafft haben. Es ist mittlerweile ein größeres Team, weil ich nicht alles alleine stemmen kann.
Lillith Korn: Den visuellen und musikalischen Bereich von "Fabula Ensis" überlasse ich weitgehend Desade. Besonders gern mag ich tatsächlixh das erste Artbook mit seinen eigenen Skizzen, die einen schönen Einblick in die ursprünglichen Ideen und die Entwicklung der Welt geben. Und natürlich bin ich ein großer Fan unseres handgezeichneten Comics und der wundervollen Illustrationen von Dominique Pelz. Ich finde es toll, dass "Fabula Ensis" auf so unterschiedliche Weise zum Leben erweckt wird. In den Trailer habe ich auch reingeschaut, der ist ganz großes Kino!
Literatopia: Die Cover des Artbooks und der Kurzgeschichten erinnern an Manga und Anime. Waren diese Inspiration für "Fabula Ensis“?
Piotr DeSade: Eine riesige Inspiration für "Fabula Ensis" ist "Final Fantasy". Ich liebe diese Serie und könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als wenn Square Enix aus "Fabula Ensis" ihr "Final Fantasy 19" oder so machen. Zumindest vom Storytelling her könnte ich mir "Fabula Ensis" wunderbar als "Final Fantasy"-Spiel vorstellen.
Ansonsten bin ich seit klein auf Fan von "Dragonball", "Death Note", "Naruto", "Neon Genesis Evangelion", "Ghost in the Shell" usw. Das sieht man auch ganz gut am Stil von "Fabula Ensis".
Literatopia: Lillith, Du bist durch eine ironische Kleinanzeige – „Suche: Sinn des Lebens“ – zum Schreiben gekommen. Wo hast Du diese Anzeige entdeckt und inwiefern hat sie Dich zum Schreiben inspiriert? Und was für ein Text ist daraus entstanden?
Lillith Korn: Oh, es war nicht ganz so, aber so ähnlich. Ich hatte einen richtig, wirklich richtig miesen Tag und generell eine nicht so tolle Zeit. Ich fand das ganze Leben ziemlich sinnlos und dachte mir, na ja, bevor ich eine Dummheit begehe, mache ich mir mit dem Schreiben Luft. Ich schrieb also einen längeren, ironischen Text darüber, wie sinnlos das Leben ist, und stellte ihn bei (damals noch) ebay Kleinanzeigen unter dem Titel „Suche: Sinn des Lebens“ ein. Die Antworten waren eine kleine soziale Studie. Manche schrieben: „Bring dich doch um!“, manche boten Hilfe an und zwei Leute schrieben mir, mein Text sei so gut – ob ich nicht mal über das Schreiben nachgedacht hätte. Und ja, verdammt, das hatte ich. Aber ein Buch schreiben? Ich dachte nie, dass ich das schaffen würde. Aber zu verlieren hatte ich auch nichts, Und so entstand mein erstes Buch „Better Life“.
Literatopia: Du hast neben „Fabula Ensis“ düstere Fantasyromane und Dystopien verfasst. Gibt es wiederkehrende Themen in Deinen Büchern, die Dich immer wieder beschäftigen?
Lillith Korn: Mich faszinieren vor allem gesellschaftliche Strukturen und die Frage, was passiert, wenn Menschen in Systemen leben, die ihnen ihre Freiheit oder Selbstbestimmung nehmen. Machtmissbrauch, Unterdrückung, Manipulation und der Kampf gegen vermeintlich übermächtige Gegner tauchen deshalb in meinen Geschichten immer wieder auf.
Genauso wichtig ist mir aber die psychologische Seite. Ich mag Figuren, die nicht einfach nur gut oder böse sind, sondern ihre eigenen Abgründe, Ängste und Schwächen mitbringen. Besonders spannend finde ich, wie Menschen mit Verlusten, traumatischen Erfahrungen oder moralischen Konflikten umgehen und wie weit sie bereit sind zu gehen, um sich selbst oder andere zu schützen.
Dabei darf es gern düster werden. Ich schicke meine Figuren durch die Hölle, aber ganz ohne Hoffnung geht es bei mir dann doch nicht. Und zwischen all dem Chaos finden sich meistens auch Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt. Denn gerade in den dunkelsten Geschichten können diese Dinge besonders viel bedeuten.
Literatopia: Piotr, bist Du über Pen-&-Paper-Rollenspiele zum Schreiben gekommen? Oder hast Du davor bereits eigene Geschichten verfasst?
Piotr DeSade: Ich hab schon immer eine große und blühende Fantasie gehabt. Schon in der Grundschule habe ich kleine Geschichten von meinem Lieblingshelden, Sonic the Hedgehog, geschrieben. Irgendwann fand ich dann meinen Weg zu Pen & Paper und liebe es noch immer, mir die Rollenspielbücher von "Vampire die Maskerade" oder "Alien das Rollenspiel" zu holen. Leider hab ich keine Zeit mehr zu spielen. Aber ich bastel gerade an etwas sehr Coolem für "Fabula Ensis". Einem Single Player Pen & Paper Survival Abenteuer. Es kommt immer alles wieder zurück. Und ich freue mich schon sehr darauf.
Literatopia: Du trainierst seit Deiner Jugend Kampfkunst und praktizierst Wing Tsun – was ist das? Und inwiefern hat Dir Dein Training beim Schreiben von Actionszene geholfen?
Piotr DeSade: Kampfkunst ist für mich ein unglaublich wichtiger Teil meines Lebens. Ich hab mit sieben Jahren mit Aikido angefangen und querbeet so gut wie alles mal trainiert, bis ich mit ca. 21 Jahren beim Wing Tsun hängengeblieben bin. Wing Tsun ist eine spezielle Art von Kung Fu, die durch das Fühlen von Druck und die Reaktion darauf funktioniert. Die Kampfkunst macht erst richtig Spaß, wenn der Körper das Fühlen gelernt hat, was schon mal 4-5 Jahre dauern kann.
Beim Schreiben hilft es mir enorm. Die meisten Szenen entstehen bei mir im Kopf. Es läuft ein kompletter Film ab und jetzt muss ich das in Text verwandeln, was auch sehr lustig sein kann. Zu Anfang bestand "Fabula Ensis" aus 90% Kampf und 10% Story. Ich hab Lillith bombardiert mit Szenen, wie ich mir was vorstelle. In einem Buch sind Actionszenen natürlich etwas anders als in einem Film, also mussten wir das auseinandernehmen und anpassen.
Ich glaube, es ist uns sehr gut gelungen und es macht mir unglaublichen Spaß, diese Szenen zu lesen. Und durch die Hilfe von KI kann ich jetzt langsam auch filmisch das umsetzen, was in meinem Kopf abläuft.
Literatopia: Würdet Ihr uns abschließend verraten, wie es mit "Fabula Ensis“ weitergeht? Worauf können sich die Fans freuen?
Piotr DeSade: Es ist wirklich unglaublich viel in Planung. Die einzige Bremse ist die Power und die Zeit. Momentan arbeiten wir mit einer weiteren Autorin, Pia Bardenhagen, am zweiten Band. Dann auch zeitnah am dritten und letzten.
Das Comic "Story of Dawey“ wird offiziell Mitte Dezember erscheinen. Ich bin am Produzieren vom nächsten Kurzgeschichten-Hörspiel, bei dem es um den Charakter Artis Yuto geht. Da muss ich noch mal einen Dank an alle ausrichten, die die verschiedenen Hörspiele eingesprochen haben. Das ist echt der Wahnsinn. Außerdem nehme ich gerade mit einer Sprecherin den ersten "Fabula Ensis"-Band auf. Der wird aber nicht vor Ende 2027 erscheinen.
Drei große Projekte will ich im kommenden Jahr noch angehen. Das Single Player Pen & Paper Rollenspiel, ein 16 Bit JRPG im Stil von "Secret of Mana" und noch einen weiteren Kurzfilm, und wenn es die Technik zulässt, vielleicht einen längeren Film.
Wenn ich noch etwas nachdenken würde, würden mir garantiert noch weitere Ideen einfallen. Aber das ist erst mal für 2027 geplant.
Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!
Piotr DeSade: Vielen Dank, dass wir hier dieses Interview machen konnten und Fabula Ensis vorstellen durften.
Lillith Korn: Auch von mir vielen Dank für das Interview und die spannenden Fragemn sowie die Möglichkeit, uns und "Fabula Ensis" vorzustellen!
Autor*innenfotos: Copyright by DeSade und Lillith Korn
Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.