Interview mit Anna Fleck
Literatopia: Hallo, Anna! Kürzlich ist der Auftakt Deiner Romantasy-Trilogie "Stella Obskura" bei Coppenrath erschienen - Dark Academia mit zwei verfeindeten Geheimbünden, die die Geschicke der Welt manipulieren. Wie machen sie das und woher rührt ihre Feindschaft?
Anna Fleck: Die Obskura – ein Frauen-Geheimbund – kämpft gegen die männerdominierten Luzeros. Obwohl beide Seiten es gern anders darstellen, geht es letztlich um Macht, die Macht über das Helldunkel. Diese magische Welt existiert parallel zu unserer, der Welt der nichtmagischen „Nemos“, und ist in vielerlei Hinsicht von ihr abhängig. Deshalb agieren Obskuras und Luzeros als magische Geheimagenten und schleusen sich beispielsweise in Schlüsselpositionen bei Politik und Wirtschaft ein. Die Obskuras tarnen sich oft als Frauen an der Seite mächtiger Männer – scheinbar demütig und unterlegen, in Wahrheit aber beeinflussen sie diese eiskalt, um ihre Ziele zu erreichen.
Literatopia: Erzähl uns mehr über Deine Protagonistin Stella. Was ist sie für ein Mensch? Wie wurde sie Mitglied des Obskura-Ordens? Und was sind ihre Aufgaben im Orden?
Anna Fleck: Stella ist meine taffste Protagonistin bisher. Sie ist sehr stark, diszipliniert und magiebegabt, aber sie leidet unter ihrem Ruf als „Tochter des Verrats“. Schon ihre Mutter war eine Obskura, nur hat diese den Bund hintergangen, um mit einem Agenten der gegnerischen Luzeros durchzubrennen. Stella hat nur ein Ziel: Diese Schande von sich und ihrer Schwester Alba abzuwaschen und eine vollwertige Obskura zu werden. Doch dafür muss sie unbedingt einen Umbrix binden, ein magisches Wesen in Tiergestalt, sonst droht ihr ein Leben als machtlose „Senza“.
Literatopia: Stella hat einen magischen Sidekick, den Löwen Jaco. Haben alle Agentinnen ein magisches Tier an ihrer Seite? Wie wurde Jaco zu Stellas Begleiter? Und ist er für Menschen sichtbar oder unsichtbar?
Anna Fleck: Nur der Hälfte aller Anwärterinnen gelingt es, so einen Umbrix zu binden und nur mit einem Umbrix können sie ihre Magie nutzen. Jaco ist aber ein Sonderfall, denn er ist ein helles Schattenlicht, ein Luminux, und die binden sich eigentlich ausschließlich mit den verfeindeten Luzeros. Niemand kann erklären, wieso Jaco zu Stella wollte. Schattenlichter wie er sind für nicht-magiebegabte Menschen („Nemos“) stets unsichtbar und auch nicht spürbar.
Literatopia: Stella wird auf den Milliardärssohn Adrien d`Anjou angesetzt. Warum weiß sie nicht, ob sie ihn beschützen oder töten soll? Und welche Rolle spielt Adrien im Roman?
Anna Fleck: Stellas Auftrag ist eine Prüfung durch die Obskura – keine normale Mission, sondern ihre letzte Chance, sich zu beweisen. Deshalb muss sie sich dieser besonderen Herausforderung stellen. Adrien ist ihr Ziel: der Mann, dessen Vertrauen sie mit allen Mitteln gewinnen soll. Je näher sie ihm kommt, desto mehr fragt sie sich, warum er der Obskura so wichtig ist ...
Literatopia: Xandros, ein Attentäter der Luzeros, hat es auf Obskura-Agentinnen und damit auf Stella abgesehen. Sie entkommt seinen Anschlägen und entwickelt zugleich Gefühle für ihn. Würdest Du uns mehr über diesen mysteriösen, gefährlichen Mann verraten?
Anna Fleck: Je öfter Stella gegen Xandros kämpft, desto größere Rätsel gibt er ihr auf: Er ist ihr Feind, scheint aber fasziniert von ihr und bringt sie nicht um, als sie ihm hilflos ausgeliefert ist. In seiner Vergangenheit gibt es ein dunkles Geheimnis, das ihn mit Stella und der Obskura verbindet. Und er küsst, als ob sein Leben davon abhinge, wie Stella sehr schnell herausfindet …
Literatopia: Warum hast Du Venedig und Paris für Deine Geschichte ausgewählt? Was fasziniert Dich an diesen Städten?
Anna Fleck: Beide sind auf ihre ganz eigene Art magisch und ich liebe die Atmosphäre, die in ihnen herrscht. Vor allem Venedig im winterlichen Abendlicht ist so verzaubernd – da fällt es einem leicht, sich so etwas wie das Helldunkel auszudenken.
Literatopia: "Stella Obskura" wird unter anderem mit den Tropes "enemies to lovers" und "slowburn" beworben. Was sind Deine persönlichen Lieblingstropes - und warum?
Anna Fleck: Tatsächlich liebe ich genau diese beiden sehr – aber nur, wenn sie auch wirklich zutreffen. Die „Enemies“ müssen wirkliche Feinde sein, und das am besten auf Augenhöhe. Sie müssen einen guten Grund haben, sich (zumindest anfangs) zu hassen, zu bekämpfen und zu misstrauen. Und deshalb muss es für mich auch echter Slow Burn sein. So eine tiefe Feindschaft überwindet man nicht in ein paar Kapiteln und ich liebe es einfach, wenn da trotzdem eine Anziehung ist, die beide nicht wahrhaben wollen, mit der sie ringen, die sie verleugnen ... bis sie zu stark wird und alles besiegt!
Literatopia: Auf Instagram schreibst Du unter anderem über nervige Romantasy-Klischees. Welche nerven Dich besonders?
Anna Fleck: Am meisten nervt mich das zehntausend Jahre alte Mega-Alphamännchen, das auf die scheinbar so starke Teenie-Protagonistin trifft, die ihm aber tatsächlich in jeder Hinsicht unterlegen ist. Er knurrt sie an, bis sie ihm verfällt und das ist dann die wahre Liebe. Ernsthaft? ;-)
Literatopia: Du schreibst Geschichten, seit Du schreiben kannst. Wann war für Dich klar, dass Du nicht nur schreiben, sondern auch veröffentlichen willst? Und wie verlief Dein Weg zum ersten Buch?
Anna Fleck: Das Veröffentlichen war immer ein Traum, aber bis vor ein paar Jahren nicht mehr als das, weil mir immer klar war, wie schwer er zu erreichen ist. Doch dann hatte ich 2015 einen Roman fertig, der mir so gut gefiel, dass ich herausfinden wollte, ob ich eine Chance habe. Ich hatte das große Glück, eine Literaturagentin zu überzeugen, die mir schließlich 2020 meinen ersten Buchvertrag vermittelt hat. Das war „Meeresglühen“, meine Debüt-Trilogie.
Literatopia: Auch bei „Meeresglühen“ und „Froststerne“ handelt es sich um Trilogien. Was gefällt Dir persönlich an der Aufteilung in drei Bände? Und wird die nächste Geschichte vielleicht eine Dilogie oder ein Einzelroman?
Anna Fleck: Irgendwie kann ich wohl keine kurzen Geschichten erzählen! „Froststerne“ war tatsächlich zunächst als Dilogie geplant, aber beim Schreiben von Band 1 stellte sich heraus, das reicht nicht. „Stella Obskura“ dagegen hätte bestimmt auch vier Bände füllen können, aber eine Trilogie ist so schön rund. Was danach kommt, weiß ich heute noch gar nicht - ich lasse mich (von mir selbst) überraschen!
Literatopia: Du liebst nicht nur Fantasy, sondern auch Science Fiction. Was reizt Dich daran?
Anna Fleck: Beides sind Genres, in denen alles denkbar ist. Sie geben mir als Autorin die meisten Möglichkeiten, meine Phantasie zu entfesseln, die Grenzen unserer Welt zu verlassen und die Leserschaft auf diese Reisen mitzunehmen.
Literatopia: Würdest Du uns abschließend einen kleinen Ausblick auf den zweiten Band von "Stella Obskura" geben?
Anna Fleck: Sehr gern, denn ich kann es gar nicht erwarten, die Fortsetzung mit euch zu teilen: Der Magische Kalte Krieg wird heiß und bedroht das ganze Helldunkel. Stella und Xandros schließen einen gefährlichen Pakt und arbeiten zusammen - hinter dem Rücken ihrer Meisterinnen und Meister bei der Obskura und den Luzeros. Dabei wird das Knistern zwischen ihnen schnell zu einem wahren Feuer, das sie beide in höchste Gefahr bringt …
Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!
Autorinnenfoto: Copyright by Annette Koroll
Website: https://anna-fleck.de
Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.