Arsène Lupin – Die hohle Nadel (Maurice Leblanc, Jérome Félix, Michael Minerbe, Delf)

Lupin Hohle Nadel

Verlag: Splitter; (Mai 2025)
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-68950-066-5

Genre: Krimi/ Abenteuer


Klappentext

Wenige Stunden vor seinem Tod verfasst Ludwig XVI eine verschlüsselte Nachricht an Marie-Antoinette, in der er ihr ein Geheimnis offenbart, das die Könige Frankreichs seit Generationen von Vater zu Sohn weitergeben.

Das kodierte Schriftstück fällt 100 Jahre später Arsène Lupin in die Hände, und selbstverständlich beschließt der geniale Einbrecher, es zu entschlüsseln.

Doch selbst unverschlüsselt ist der Inhalt noch so mysteriös wie die Chiffre: Was könnte nur mit der hohlen Nadel gemeint sein?


Rezension

Ein Einbruch beim Grafen de Saint-Véran geht schief. Der Sekretär des Grafen liegt tot auf dem Boden und Arsène Lupin wird auf der Flucht angeschossen. Als das Gelände nach ihm abgesucht wird, scheint er jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Kommissar Ganimard und die Polizei haben keine Spur zu dem Meisterdieb, doch wie es der Zufall will, ist der junge Rhetorikstudent Isidore Beautrelet vor Ort und er weiß recht schnell, was wirklich vorgefallen ist und wo sich Arsène Lupin versteckt. Doch bevor er Ganimard alles sagen kann, wird er zunächst unter dem Verdacht selbst der Täter zu sein eingesperrt und dann von Lupins Helfern entführt. Erst nach dessen Tod wird er freigelassen. Und damit ist die Geschichte noch nicht vorbei. Ein seltsam codierter Notizzettel, der doch noch lebende Arsène Lupin, die Entführung von Raymonde, der Tochter des Grafen, die Entführung von Isidores Vater und Herlock Sholmes führen alle zu einer wichtigen Entdeckung und zu einem großen Unglück.

Wie Florence Leblanc in ihrer Einleitung schreibt, ist Die Hohle Nadel ein besonderes Abenteuer innerhalb der Romane und Kurzgeschichten über Arsène Lupin von Maurice Leblanc. Denn es hat überaus nachhaltig das Bild des Meisterdiebes und seines Versteckes geprägt. In der Verfilmung von 2004 wird darauf verwiesen.
Aber alleine ein Ort, wenn auch ein so faszinierender wie die Hohle Nadel, kann nicht der einzige Grund sein, dass sich dieser Roman so ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt hat. Da muss mehr sein, und da ist mehr. Die Hohle Nadel mag die Bühne für den Höhepunkt der Handlung bieten, jedoch ist bis dahin sehr, sehr viel passiert und Maurice Leblanc hat seine Leser mit einer Fülle von Wendungen geradezu bombadiert, die einen immer wieder auf dem falschen Fuß erwischen. Immer wenn klar zu sein scheint, wie der Hase läuft, ist es doch anders als gedacht. Das ist ein riesengroßer Vorteil dieser Geschichte, die neben einem Krimi auch ein waschechtes Abenteuer ist, bei dem ein verlorener Schatz gefunden sein will. Maurice Leblanc geht viele Wagnisse bei seiner Handlung ein und jedes einzelne trägt dazu bei, diese Geschichte über Arsène Lupin zu einer besonderen zu machen. Unter anderem verzichtet er lange Zeit auf ihren eigentlichen Protagonisten und lässt ihn noch dazu sehr unsympathisch erscheinen, wenn er doch mal auftritt. Das dies alles zu einem größeren Plan gehört, lässt sich zunächst nicht erkennen. Immer mal wieder mag der Leser der Überzeugung sein, nun aber zu wissen, was gespielt wird, doch dann ist es erneut anders. Das könnte frustrierend sein, hätte Maurice Leblanc nicht die Figur Isidore Beautrelet als Bezugsperson in seiner Geschichte verankert, der versucht alle Fäden und Spuren zusammenzuführen. Der junge, ungestüme und begeisterungsfähige Student ist die perfekte Figur, um diese spannende Geschichte zu tragen, die teils Krimi und teils großes Abenteuer ist. Die wohl mutigste Entscheidung ist wohl das Ende, das sehr tragisch ausfällt. Nach der Lektüre des Comics ist es leicht die Bedeutung des Romans für Arsène Lupin zu verstehen und die Umsetzung von Félix macht Lust, nun auch zum Roman zu greifen.

Es dürfte gar nicht so einfach gewesen sein Die Hohle Nadel als Comic zu adaptieren, sowohl erzählerisch als auch von den Zeichnungen her. Denn leicht hätte die so gut ausbalancierte Handlung in Schieflage geraten können, wenn an der ein oder anderen Stelle eine andere Entscheidung bezüglich Dialogen, Bildausschnitt und Abfolge der Erzählung gewählt worden wäre. Jérome Félix und Michael Minerbe umschiffen diese Klippen jedes Mal gekonnt und ihre Adaption erhält die Spannung, die Atmosphäre und das große Abenteuer des Romans. Wieviel Arbeit in diesem Comic steckt, zeigt sich im angehängten Bonusmaterial, in dem auf die Geschichte und die Hohle Nadel eingegangen wird. Wie gesagt, Felix Jérome erfüllt hier seine Aufgabe der Umsetzung des Romans mehr als gut. Auf den gerade einmal 56 Seiten, die ihm zur Verfügung stehen, schafft er es eine spannende Geschichte zu erzählen und die Figuren so weit zu entwickeln, dass das Ende seine volle Wirkung entfalten kann. Dies zu erreichen ist schwer und zeigt, welch guter Erzähler er selbst ist.

Michael Minerbes Zeichnungen tragen sehr viel zum Comic bei. Das hohe Tempo der Handlung setzt er gelungen durch Panelaufteilung, Bildausschnitt und Perspektiven um. Seine Figuren sind alle etwas überzeichnet, aber dies passt. Denn Die Hohle Nadel ist ein großes übertriebenes Abenteuer. Atmosphärisch bringt er einen sofort in das Frankreich der Jahrhundertwende und an die raue Küste der Normandie. Hier gibt es an der Gestaltung nichts zu meckern. Besonders erwähnt werden muss, dass er durch die Wahl seiner Perspektiven erreicht nichts zu verraten, ohne dabei plump zu wirken, was an so mancher Stelle gar nicht so einfach gewesen sein dürfte.

Das Bonusmaterial ist vorbildlich und ziemlich umfangreich, gemessen an der Seitenzahl des eigentlichen Comics. Es versorgt den Leser mit weiteren Informationen zum Abenteuer des Meisterdiebes und macht auf seine Art Spaß zu lesen.


Fazit

Die Hohle Nadel ist wohl einer der wichtigsten Romane über Arsène Lupin und ist ein spannendes Abenteuer, das nicht aus der Hand gelegt werden kann. Jérome Felix und Michael Minerbe haben es großartig umgesetzt. Diese Comicumsetzung ist definitiv eine Leseempfehlung für jeden wert, egal ob Fan von Arsène Lupin oder nicht.


Pro & Contra

+ mehr als eine überraschende Wendung
+ spannend
+ gelungene Umsetzung
+ Bonusmaterial
+ Zeichnungen

Bewertung: sterne5

Handlung: 5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/ Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln über Arsène Lupin:

Rezension zu Arsène Lupin – Der Gentleman-Gauner
Rezension zu Arsène Lupin gegen Sherlock Holmes