Blacksad Stories – Weekly (Juan Diaz Canales, Giovanni Rigano)

blacksad weekly

Verlag: Carlsen; (Dezember 2025)
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-551-80741-0

Genre: Krimi/ Thriller


Klappentext

Es heißt: „Neugier ist der Katze Tod.“
Bei herumschnüffelnden Madern kann sie sogar zum Lebensstil werden. So ist es bei Dustin, einem nichtsnutzigen Jugendlichen, der durch die Straßen von New York streift.
Unter dem Druck seiner unnachahmlichen Großmutter versucht er, seinen Lebensunterhalt mit den ungewöhnlichsten Jobs zu verdienen: als Fotograf für die Polizei, als Informant und sogar als Angestellter in einem Bestattungsunternehmen …
Bis er schließlich seine wahre Berufung entdeckt:
Reporter – der eines Tages unter dem Namen Weekly bekannt sein wird!


Rezension

Dustin Kalisnowszczyzna wohnt bei seiner streng religiösen Oma in Rat Snare. Nachdem er von der Schule wegen pikanter Fotos geflogen ist, schlägt er sich durchs Leben, unter anderem als Fotograf bei der Polizei. Doch auch diese Stelle behält er nicht lange, da er eine unbedachte Äußerung tätigt, die Kommissar Lampedusa gegen ihn aufbringt. Seine Probleme werden dann nur größer, bis seine Oma einen Job bei einem Beerdigungsinstitut für ihn findet, dessen Besitzerin die Pastorin Lubansky ist und deren Mann sich um das Geschäft kümmert. Als Dustin Trauerkarten bei einer Druckerei abholt, beschließt er Journalist zu werden und beginnt alle Verlage im Umkreis abzuklappern, aber nur Proper Comics ist bereit ihm mit einem Horrorfotoroman eine Chance zu geben. Das steht im krassen Gegensatz zu Oma Chanas Überzeugungen, die gemeinsam mit Pastorin Lubansky alle Comics aus den Wohnungen verbannen will, da diese Schundliteratur und gotteslästerlich in ihren Augen sind. Aber das ist alle gar nichts zu den folgenden Ereignissen. Mr. Lubansky versteckt Geld in einer der Urnen, kurz darauf taucht ein seltsamer Mann auf, nimmt einen der Geldscheine und verschwindet mit den Worten, dass Dustin ihn nicht erwähnen soll. Am nächsten Tag entdeckt Dustin, dass eine der Leichen ausgetauscht wurde und der neue Tote, der verbrannt werden soll, ist niemand anderes als der Mann der letzten Nacht. Ohne Beweise und ohne Freunde beschließt Dustin, der Sache alleine auf den Grund zu gehen und deckt ungeheuerliche Dinge auf.

Mittlerweile gehört es für Comicserien fast schon zum guten Ton, ein oder zwei Spin-Off-Reihen zu haben. Das gelingt dann immer mit mehr oder weniger Erfolg. Nun also bekommt der herausragende Crime-Noir-Comic Blacksad mit Blacksad Stories sein Spin-Off. In dieser Reihe sollen die bekannten Nebenfiguren näher betrachtet werden. Den Anfang macht mit Weekly ein Fanliebling. Der immer neugierige und forsche Reporter ist auch, ehrlich gesagt, die logische Wahl. Mit ihm bieten sich einfach sehr viele Möglichkeiten neue Geschichten zu erzählen, ohne auf Blacksad selbst zurückgreifen zu müssen. Weswegen dieser in diesem Comic auch mit Abwesenheit glänzt. Ein Umstand, der kein Nach- sondern ein Vorteil ist. Denn so liegt der Fokus ganz auf Weekly und seinen Werdegang. Und der bietet reichlich Stoff zum Erzählen. Und vor allem einen Fall, der der Reihe Blacksad würdig ist.
Denn wie bereits in der Hauptreihe schnappt sich Canales wieder ein Thema und reichert die Geschichte mit gesellschaftlichen Fragen an, bei denen er klar Stellung bezieht, ohne belehrend zu wirken. Es entsteht erneut ein Kaleidoskop der Welt von Blacksad, in der sich unsere spiegelt, und dies nicht nur im Rückspiegel betrachtet. Die Themen des Comics, sind leider auch derzeit wichtig, vor allem mit dem erstarken fanatischer religiöser Bewegungen, die sich den Anstrich von Besorgnis um die Jugend geben.
Die Situation für Comics in den 50er Jahren in den USA und die Entstehung des Comiccodes ist klar der Ursprung für einen Großteil der Handlung, ehe dann recht spät die Krimihandlung einsetzt, die ebenso gut umgesetzt ist, wie der Rest des Bandes. Sie steht jedoch zurecht nicht im Zentrum. Denn in diesem Band geht es um Weekly und seine Entwicklung zum Reporter, wo er herkommt und was ihn antreibt. Und dies stellt Juan Diaz Canales sehr klar dar. Jede Nebenfigur, jedes Ereignis trägt dazu bei, das Bild von Weekly weiter auszuarbeiten und ihn greifbar zu machen. Am Ende des Comics weiß der Leser genau, wer Weekly ist, zumindest so weit dies möglich ist. Denn Weekly wird immer schwer einzuschätzen sein, dafür ist er immer in Bewegung und für eine Überraschung gut. Nur eins steht fest. Er zieht den Leser auf seine Seite und ist ein sympathischer Lebenskünstler.

Juanjo Guarnido ist der Stammzeichner bei Blacksad und sein Stil und seine Art zu zeichnen, sind so bestimmend und so wichtig für die Wirkung von Blacksad, wie Zeichnungen es nur sein können. Bei Weekly hat nun Giovanni Rigano die Aufgabe übernommen, die Welt Blacksads zum Leben zu erwecken und in die mehr als großen Fußstapfen von Juanjo Guarnido zu treten. Er zeichnet zwar nicht so überragend und atemberaubend wie Guarnido, aber er macht seine Sache verdammt gut. Wenn nicht die Hauptreihe wäre, wäre das hier die perfekte Umsetzung von der Idee von Blacksad und zwar in allem. In Bezug auf Atmosphäre, Charakteren, Rhythmus, Gestaltung der Seiten und Dynamik. Einfach alles stimmt hier. Giovanni Rigano ist für Weekly ein Glücksgriff und darf hoffentlich noch häufiger bei Blacksad Stories ran, während sich Juanjo Guarnido mit Blacksad auseinandersetzt. Erwähnt werden muss noch das großartige Cover, das nicht nur Blacksad und Weekly zeigt, sondern auch alle wichtigen Figuren des Comics. Zudem gibt es eine augenzwinkernde Hommage an Blacksad in einer der Szenen.


Fazit

Weekly ist der perfekte Einstieg in die Blacksad Stories, von denen noch welche folgen sollen. Juan Diaz Canales hat sich für Weeklys Werdegang eine gut durchdachte Handlung einfallen lassen, deren Krimianteil erst recht spät, aber sinnvoll dazukommt. Giovanni Rigano ersetzt Juanjo Guarnido dieses Mal am Zeichenbrett und er erweist sich als Glücksgriff.


Pro & Contra

+ großartiges Cover
+ genauer Blick auf Weekly
+ spannender Fall und interessante Themen
+ Atmosphäre

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Blacksad:

Rezension zu Blacksad – Die gesammelten Fälle