Die Blake- und Mortimer-Bibliothek Bd.8 – Die drei Formeln des Professor Sato (Edgar P. Jacobs, Bob De Moor)

blake und mortimer bibliothek 8

Verlag: Carlsen; (Dezember 2025)
Gebundene Ausgabe: 128 Seiten; 30 €
ISBN-13: 978-3-551-01600-3

Genre: Abenteuer/ Thriller/ Science Fiction


Klappentext

„Die drei Formeln des Professor Sato“ ist der achte Band einer kommentierten Gesamtausgabe, welche die klassischen Blake und Mortimer-Geschichten aus der Feder des bis heute unerreichten Edgar P. Jacobs vereint.

„Die drei Formeln des Professor Sato“ ist das letzte Abenteuer aus der Feder von Edgar P. Jacobs. Den ersten Teil hat er selbst noch fertig gezeichnet, den zweiten hat Bob de Moor auf Basis der Vorarbeiten von Jacobs fertiggestellt. Jacobs hat darin die Entwicklungen der Robotik vorweggenommen und deren Gefahren benannt. Dazu hat er die Handlung nach Japan verlegt, einem Land, von dessen Tradition und Kultur er stets sehr angetan war.

Vom 5. Oktober 1971 bis zum 30. Mai 1972 veröffentlichte die Wochenzeitschrift TINTIN den ersten Teil des Abenteuers. Erst im August 1977 erschien die Geschichte auch als Album. Dann mussten die Leserinnen und Leser bis zum April 1990 warten, bis der zweite Teil endlich als Album erschien und sie das Ende der „drei Formeln“ lesen konnten.


Rezension

Professor Mortimer hält sich in Japan bei einer Tagung auf, als ihn eine Nachricht von seinem Freund Professor Sato erreicht. Der bittet ihn schnellstmöglich nach Tokio zu kommen. Mortimer bricht sofort auf und damit beginnen die Schwierigkeiten. Mehrfach versuchen finstere Gestalten, ihn aufzuhalten. Dennoch schafft er es an sein Ziel und ist bald darauf beim Haus seines Freundes angekommen. Da erfährt er ungeheuerliches. Sato, Experte für Kybernetik, hat es geschafft, funktionierende Roboter zu schaffen, die nicht nur jede Form annehmen können, sondern die auch fliegen können. Einen seiner ersten, den er als Drachen geschaffen hat, hat für einen Zwischenfall gesorgt, als er mitten in der Nacht von selbst das Labor verlassen hat und in den Nachthimmel geflogen ist. Bis jetzt hat Sato sich nicht den Behörden offenbart, da er zum einen einen Rat von Mortimer einholen wollte, und auch weil etwas ganz und gar nicht stimmen kann. Die Spuren sagen Sato nämlich, dass jemand versucht hat, den Drachen zu stehlen. Früher als ihnen lieb ist, erfahren Mortimer und Sato, wer hinter allem steckt: Mortimers alter Erzfeind Olrik. Und der schreckt vor nichts zurück. Nur gut, dass Francis Blake bereits auf dem Weg ist.

Acht Abenteuer mit Blake und Mortimer hat Edgar P. Jacobs geschrieben und gezeichnet. Acht Abenteuer auf deren Seiten er bewies, wie detailversessen er war und dabei die Grenzen des graphischen Erzählens neu definierte, indem er seinen Geschichten eine hohe atmosphärische Dichte verlieh und darüber hinaus auch eine bis dahin ungewohnte Glaubwürdigkeit, egal wie sehr er sich auch der Science Fiction in ihnen bediente.
Das achte Abenteuer, Die drei Formeln des Professor Sato, ist dabei eine Besonderheit. Denn während er den ersten Teil des Abenteuers, Mortimer in Tokio, 1971 selbst zu Papier brachte, vollendete sein Freund Bob de Moor die Geschichte erst drei Jahre nach Edgar P. Jacobs Tod 1990 mit Mortimer gegen Mortimer. Dies war keineswegs Ideenlosigkeit oder Faulheit seitens Edgar P. Jacobs geschuldet, sondern Schicksalsschlägen und später dann auch noch, dass er körperlich nicht mehr in der Lage war, zu zeichnen. Wer die Hintergründe dazu wissen möchte, findet sie übrigens gut aufbereitet, in dem, den Band einleitenden Artikel. Tatsächlich lag das Szenario plus einer vollständigen Seitenaufteilung, Dialogen und Texten seit 1972 in Edgar P. Jacobs Schublade. Darauf griff dann auch Bob de Moor zurück und vollendete Die drei Formeln des Professor Sato. Wobei gleich gesagt sei, dass in diesem Fall vollendet meint, dass er sich vertraglich in dem strengen Korsett von Edgar P. Jacobs Vorarbeit bewegen musste, das ihn kaum wirkliche Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung bot. Nur bei Francis Blake hatte er mehr künstlerische Freiheiten, da dieser im ersten Band der Geschichte nicht auftauchte und er ihn selbst stilistisch an Edgar P. Jacobs letzte Arbeit anpassen musste.

Das Abenteuer selbst ist pure Science Fiction und gleichzeitig heute so aktuell wie nie. Es ist schon interessant zu sehen, wieviel Edgar P. Jacobs vorausahnte, denn die Kybernetik steht in diesem Band im Mittelpunkt. Und wenn die heutige rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Robotik betrachtet wird, so wird aus Die Drei Formeln des Professor Sato durchaus eine Art Warnung. Es war zudem sehr geschickt von Edgar P. Jacobs, die Handlung nach Japan zu verlagern. Damals schon ein Land in dem technologisch alles möglich schien, und das trotzdem seinen Traditionen verhaftet ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert, und dadurch ist die Geschichte an genau dem richtigen Platz verortet, um bodenständig zu wirken, auch wenn die Grundprämisse pure Science Fiction ist. Veraltet wirkt hier nichts, bis auf vielleicht die Gestaltung des Samurai-Roboters, aber das fällt nicht ins Gewicht. Abgesehen vom Thema, kann Die drei Formeln des Professor Sato als Hochgeschwindigkeitsthriller punkten. Die Handlung schreitet schnell voran, überschlägt sich manchmal und einmal in Gang gebracht, gibt es kaum einen ruhigen Moment. Für einen Edgar P. Jacobs Comic gibt es sogar verhältnismäßig wenig Text.
Einziger „Schwachpunkt“ des Abenteuers ist die Tatsache, dass Bob de Moor vertraglich dazu verpflichtet war, nicht vom Szenario Jacobs abzuweichen und alles schnellstmöglich fertig zu stellen. Dies ist an ein paar wenigen Stellen leider zu sehen, wenn die Figuren nicht so wirklich rund wirken und wenn die Handlung nicht ganz so elegant wie gewohnt voranschreitet und vermutlich im Normalfall in Details noch angepasst worden wäre. Das lässt Die drei Formeln des Professor Sato nicht schlechter werden, es ist nur etwas ärgerlich, da die Handlung sich nicht zur Gänze perfekt entfaltet. Bob de Moor ist das jedoch nicht anzulasten, hat er doch in dem engen vorgegebenen Rahmen hervorragende Arbeit geleistet.


Fazit

Die drei Formeln des Professor Sato ist spannend, phantastisch und bietet eine exotische Kulisse vor der sich Blake und Mortimer ein letztes Mal unter der Federführung von Edgar P. Jacobs mit Olrik anlegen. Ohne es zu wissen, hat Edgar P. Jacobs sein letztes Blake und Mortimer-Abenteuer grandios in Szene gesetzt, welches Bob de Moor ganz in seinem Geiste vollendete.


Pro & Contra

+ unglaubliche Detailversessenheit von Edgar P. Jacobs
+ spannender Thriller
+ Schauplatz

Bewertung: sterne4.5

Charaktere: 4/5
Handlung: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5


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