
Verlag: Splitter; (Januar 2026)
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten; 19,80 €
ISBN-13: 978-3-68950-139-6
Genre: Science Fiction/ Satire
Klappentext
Eines Tages entdeckt Mister Fotheringay, ein gewöhnlicher Büroangestellter ohne besonderen Ehrgeiz, dass er Wunder vollbringen kann. Einfach so, er muss nur den Wunsch dazu äußern! Von seiner außergewöhnlichen Fantasielosigkeit geleitet, verändert er mit dieser Gabe jedoch nicht die Welt, sondern begnügt sich zunächst mit kleinen, unbedeutenden Wundern und ungläubigen Staunen.
Bis er mit einem sturen Schutzmann aneinandergerät, den Fotheringay kurzerhand zur Hölle schickt – und zwar wortwörtlich. In Panik sucht er Hilfe bei einem Priester, der die unbegrenzten Möglichkeiten dieser Macht auf Anhieb erkennt und Fotheringay nicht eben uneigennützig helfen will, diese Gabe zum Wohle seiner Mitmenschen zu gebrauchen. Dass die beiden Heilsbringer dabei nicht sonderlich überlegt vorgehen, gleichen sie durch Übereifer aus. Und so führen ihre Taten letztlich zu einer Katastrophe von wahrhaft biblischem Ausmaß …
Rezension
Eines Abends gerät George McWirther Fotheringay in eine Diskussion über Wunder. Als dabei tatsächlich einer seiner Wünsche in Erfüllung geht, sind er und die anderen Gäste erstmal erstaunt. Allerdings wird er auch recht schnell des Long Dragons verwiesen, da sein Wunsch war, dass sich eine Lampe von selbst umdrehen mögen und dies für ein kleines Feuer sorgte. Fotheringay hat aber dadurch festgestellt, dass er Wunder vollbringen kann. Und er nutzt das natürlich aus. Jedoch nicht, um sich groß zu bereichern oder der Welt Frieden zu bringen oder andere Dinge zu tun, die vielleicht jemanden mit Ambitionen in den Sinn kämen. Nein, Fotheringays Wünsche sind eher bescheiden, da seine Gedanken doch recht bieder und phantasielos sind und so lässt er z.B. seine Arbeit sich von selbst erledigen. Doch dann wünscht er einen Polizisten, der ihn nervt, in die Hölle. Er belässt zwar Constable Winch nicht dort, aber da er Angst vor den Konsequenzen hat, wünscht er Winch in regelmäßigen Abständen nach San Francisco. Das ist aber keine Lösung und so wendet er sich an verschiedene „Experten“. Unter anderem an einen Priester, der sofort die Möglichkeiten von Fotheringays Fähigkeit erkennt und damit die Welt beinahe untergehen lässt.
H.G. Wells dürfte so ziemlich jedem, der sich für Science-Fiction interessiert, bekannt sein. Der Unsichtbare, Die Insel des Dr. Moreau, Die Zeitmaschine und Krieg der Welten stammen alle von ihm und zählen zu den einflussreichsten Werken des Genres, in denen H.G. Wells häufig vor den Gefahren ungezügelter Forschung warnt.
Neben diesen vier großen und allseits bekannten Werken hat H.G. Wells aber noch viele andere Romane und Kurzgeschichten geschrieben. Eine davon hat sich nun José-Luis Munuera für die Umsetzung als Comic herausgesucht. Und wie bei Peter Pan in Kensington Gardens erweitert Munuera die Geschichte sinnvoll und ohne ihr oder ihrer Aussage zu schaden. Stattdessen arbeitet er die satirischen Aspekte nur noch etwas mehr heraus, indem er zeigt, wie die verschiedenen „Experten“ auf Fotheringays Fähigkeit reagieren. Hier sind vor allem der Psychiater und das Medium Chapney als besondere Höhepunkte zu nennen und die gut in die Zeit der Erzählung passen, da sowohl Okkultismus als auch die Psychoanalyse, und mit ihr Sigmund Freud, beliebte Themen waren, die große Begeisterung auslösten.
Von Wells selbst ist natürlich der wichtigste Aspekt der Erzählung, der sich mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn ein Mensch gottgleiche Macht bekommt. Hier in Person des Priesters vertreten und das Ende spitzt diese Frage nur weiter zu. Dies alles wird mit einer wunderbaren Leichtigkeit ohne erhobenen Zeigefinger und leicht verträumt erzählt, so dass Der Mann, der Wunder vollbringen konnte eine entspannende Lektüre ist und mit Sicherheit als gelungene Umsetzung der Kurzgeschichte gelten kann.
José-Luis Munueras bekannter Zeichenstil, der zwar mit einer gewissen Portion Realismus daherkommt, aber seine Figuren immer überzeichnet, ist auch hier wieder ein riesiger Pluspunkt. Wie gewohnt erschafft er traumhafte Bilder, die dieses moderne Märchen über Macht und wie sie korrumpieren kann, perfekt illustrieren. Fotheringay ist auf seine Art ein Träumer und dies kommt hier klar durch. Und auch der feine Humor, der in so mancher Situation steckt, ist in den Zeichnungen Munueras zu finden. Dazu kommen die Farben, die die Stimmung der einzelnen Szenen einfangen. Ebenso gibt es mehrere Splashpages, die teilweise über zwei Seiten gehen und einfach phantastisch sind. Und gerade der Beginn mit dem langsamen Hereinzoomen auf den Ort der Geschichte ist visuell perfekt inszeniert und beeindruckend. Mit Der Mann, der Wunder vollbringen konnte liefert José-Luis Munuera eine wahre Augenweide ab, bei der der Inhalt fast egal wäre.
Fazit
José-Luis Munuera setzt mit Der Mann, der Wunder vollbringen konnte, eine weitere, eher unbekannte Erzählung eines bekannten Autoren um und dies auf wunderbare und gelungene Art und Weise. Hier gibt es weder von der Erzählung noch von den Zeichnungen her etwas zu meckern. So darf José-Luis Munuera gerne noch weitere vergessene Geschichten neu aufleben lassen.
Pro & Contra
+ sinnvoll ergänzt
+ satirischer Unterton
+ fantastische Zeichnungen
Bewertung: ![]()
Handlung: 5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
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