Usagi Yojimbo Bd.28 – Der Rote Skorpion (Stan Sakai)

usagi28

Verlag: Dantes; (Juni 2026)
Softcover: 192 Seiten; 22 €
ISBN-13: 978-3-68902-033-0

Genre: Samurai/ Abenteuer


Klappentext

Die Bande des Roten Skorpions tyrannisiert schon seit Monaten das ganze Land. Wohin auch immer sich der Rammler-Ronin Miyamoto Usagi wendet, stößt er auf Spuren der verbrecherischen Taten der Bande. Zuerst kreuzt er den Weg der Skorpione, als er einem Trommelmacher beisteht, dann versuchen sie, Schutzgeld von armen Bauern zu erpressen. Als Usagi selbst in Verdacht gerät, zur Bande zu gehören, nimmt er den Kampf gegen den Roten Skorpion auf. Außerdem in diesem Band: Eine weitere Begegnung mit Kitsune, der gerissenen Trickbetrügerin, und „Die Rückkehr des Herrn der Eulen“!

Mit einem Vorwort von George Takei!

Im Jahr 2020 wurde Sakai für seine Arbeit an Usagi Yojimbo in die Will Eisner Award Hall of Fame aufgenommen.


Rezension

Wenn noch irgendein Zweifel bestehen sollte, dass Stan Sakai mit Usagi Yojimbo ein erzählerisches Meisterwerk geschaffen hat, das selbst Nicht-Comic-Leser begeistern kann, dann sollten diese mit dem Vorwort des vorliegenden Bandes verflogen sein. Denn dieses stammt von niemand anderem als Mr Sulu, George Takei, persönlich und der erklärt darin ganz genau und kurz und knapp, was Usagi Yojimbo so außergewöhnlich sein lässt.
Abgesehen vom Vorwort ist Der Rote Skorpion selbstverständlich ebenso lesenswert, denn Stan Sakai bietet wieder die ganze Bandbreite an Geschichten, die für Usagi Yojimbo typisch sind und verbindet sie zugleich mit einem übergeordneten Handlungsbogen über die Bande der Roten Skorpione.

Taiko

In einem Waldgebiet begegnet Miyamoto Usagi Minakata, einen Taiko-Trommelbauer, der Kawarake in den Abgrund wirft, um durch dieses Opfer die Götter darum zu bitten, es endlich regnen zu lassen. Denn die Gegend ist von einer Dürre geschlagen und die Bauern können fast nichts anbauen. Neue Hoffnung schöpft Minakata als ihm Usagi sagt, er habe einen von einem Blitz getroffenen Baum gesehen. Minakata sieht dies als Zeichen von den Göttern und beschließt aus diesem Baum, die größte Trommel zu bauen, die er je geschaffen hat, um sich bei den Göttern Gehör zu verschaffen. Doch der fehlende Regen ist nicht das einzige Problem des Dorfes. Als Usagi ein halbes Jahr später zurückkehrt, erpressen Mitglieder der Bande des Roten Skorpions die Dorfbewohner. Wenn Minakata ihnen kein Tribut zahlt, werden sie Minakatas Meisterwerk zerstören.
Auch wenn Stan Sakai in Taiko Usagis erste Begegnung mit dem Roten Skorpion schildert und diesen fast unmerklich als beständige, zukünftige Bedrohung aufbaut, so stehen doch Minakata und sein Handwerk im Zentrum der Geschichte. Stan Sakai hat immer wieder einen Blick auf das althergebrachte Handwerk Japans geworfen und in Taiko macht er dies erneut, auf seine spezielle Art und Weise. Unmerklich lernt man so einiges über die Trommeln und die Überzeugungen und den Glauben seiner Figuren. Beides zusammen ergibt eine wunderbare, leicht tragische Geschichte in der Miyamoto Usagi einen seiner schwersten Kämpfe austrägt.

Krötenöl

Miyamoto Usagi begegnet Kitsune wieder. Dieses Mal verkauft sie Krötenöl vom Berg Tsukuba, welches ein wahres Wundermittel sein soll und alles heilen kann. Und noch etwas ist neu. Nämlich die drei Männer an ihrer Seite, die ein kleines „Theaterstück“ aufführen, damit sich das Krötenöl auch gut verkauft. Doch wie kann es bei Kitsune anders sein, es gibt Schwierigkeiten mit ihren Helfern und Usagi muss ihr helfen und ein ernstes Gespräch mit ihr führen.
Wenn Miyamoto Usagi auf Kitsune trifft, wird es meist etwas leichter und verschmitzter, passend zu Kitsunes Charakter als Trickbetrügerin und Straßenkünstlerin. In Krötenöl ist das nicht anders und mit dem Ende setzt Stan Sakai einen sehr lustigen Schlusspunkt.

Die Rückkehr des Herrn der Eulen

Vor Jahren, nach der Schlacht auf den brennenden Feldern, feiert eine Gruppe von fünf Samurai den Sieg. Als ihnen das Geld ausgeht, versuchen sie einem Fremden auf der Straße zu überreden, mit ihnen zu trinken. Doch sie haben schlecht gewählt. Der Fremde ist der Herr der Eulen und er tötet alle bis auf einen.
In der Gegenwart reist Miyamoto Usagi mit einem alten Mann und lässt sich von ihm den Weg zeigen. Dieser ist nicht ungefährlich, da in der Gegen der Rote Skorpion sein Unwesen treibt und dann trifft Usagi zum zweiten Mal auf den Herrn der Eulen, der inmitten von Leichen von Bonzen steht.
Der Herr der Eulen ist neben Jei einer der unheimlichsten und mysteriösesten Charaktere, die in den Geschichten um den Samuraihasen auftauchen. Noch mehr als Jei schickt er einen Schauer über den Rücken Usagis und den des Lesers. In die Rückkehr des Herrn der Eulen mehr als zuvor.

Die Männer, die auf des Skorpions Schwanz traten

Auf seiner Wanderung wird Miyamoto Usagi plötzlich von Schülern der Schwertkampfschule Zur Gekappten Kiefer angegriffen, da diese denken, er wäre Mitglied des Roten Skorpions und an einem Raub beteiligt. Als Suzuki-Sensei dazu kommt, klärt sich bald alles auf und Usagi wird von Suzuki eingeladen, mit in sein Dojo zu kommen. Nach einem Trainingskampf zwischen Schülern und Usagi, stellt sich ihm auch Suzuki - und der Ronin lässt diesen gewinnen, um Suzuki nicht bloßzustellen. In der Nacht erreicht die Schwertkampfschule eine schlimme Nachricht. Der Sohn des Magistrat wurde entführt. Usagi und der Großteil von Suzukis Schülern bricht praktisch sofort auf, um bei der Suche nach dem Entführten zu helfen. Und damit wird eine Reihe von Ereignissen losgetreten, die nur tragisch enden können.
Die Männer, die auf des Skorpions Schwanz traten ist das Herzstück des Bandes und stellt mal wieder unter Beweis, welch brillanter Erzähler Stan Sakai ist. Nicht nur führt er den Leser immer wieder aufs Glatteis, so dass zunächst der Verdacht aufkommt, die Geschichte würden einen offensichtlichen Weg einschlagen, der sich am Ende als falsch erweist, Stan Sakai bindet zugleich scheinbar mühelos viele Details zur Kultur Japans und speziell der Samurai ein. Ein ganz wichtiges wird dabei in den Anmerkungen am Ende des Bandes erklärt. Darüber hinaus hat er mit Suzuki einen der stärksten und interessantesten Charaktere in der Geschichte Usagis erschaffen. Der Schluss der Geschichte lässt einen betroffen zurück.


Fazit

Der Rote Skorpion startet mit einer Geschichte über eine Trommel und mit einer von Usagis schwersten Aufgaben und endet dann mit einer unglaublich starken Geschichte, in deren Mittelpunkt scheinbar die Jagd auf eine Räuberbande steht, die sich aber vielmehr um einen alten Schwertmeister dreht, der sich noch einmal beweisen muss. Wie nicht anders bei Stan Sakai zu erwarten, ist dies packend und meisterhaft erzählt.


Pro & Contra

+ der Herr der Eulen
+ die letzten Seiten von Taiko sind genial inszeniert
+ Suzuki und seine Geschichte

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


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