Leave them Alone (Roger Seiter, Chris Regnault)

Leave Them Alone

Verlag: Splitter; (Mai 2026)
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten; 27 €
ISBN-13: 978-3-96792-139-7

Genre: Western


Klappentext

„Lasst sie in Ruhe!“

1874. Der amerikanische Westen ist ein gesetzloses Land. Banditen und Plünderer terrorisieren Reisende und Einwanderer, und das Leben ist hart und oft grausam. Das gilt vor allem für die Frauen, die im Wilden Westen ihr Auskommen suchen. Die kleine Poststation Dead Indian Peak ist einer der wenigen Orte, an denen das Leben friedlich zu sein scheint. Die alte Marian Potter führt die Station mit Umsicht, unterstützt von ihrer Enkelin Elfie und dem Navajo Mad Wolf. Und sie wollen nichts mehr, als dass es so friedlich bleibt. Aber die Ankunft einer Frau auf der Flucht, eines rätselhaften Reiters und einer Bande Halsabschneider wird diesen Frieden schon bald zerreißen. Eines ist klar: Die Frauen werden zusammenhalten, koste es, was es wolle. Wenn jedoch eine Kiste Gold im Spiel ist, kann es mit jedem Bündnis schnell vorbei sein …


Rezension

1874. Der Sheriff Charlie Evans und der Direktor John Byers der Westbank haben ein Problem. Immer wieder wird die Postkutsche überfallen und so langsam hat dies Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. Ein neuer Geldtransport nach Sedona soll nun besonders gesichert werden. Mit einer unzerstörbaren Geldtruhe, die explodiert, sollte versucht werden, sie ohne Schlüssel zu öffnen.
Gleichzeitig mit diesem Beschluss kommt ein Fremder in die Stadt, der zwar zwielichtig wirkt, aber einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu folgen scheint. Unter anderem rettet er die Prostituierte Mattie Silks vor einer Vergewaltigung. Der Tag des Transports steht schließlich an und nicht nur Burt Bell und seine Bande verlassen die Stadt, sondern auch Mattie Silks, der Fremde und noch jede Menge andere Leute. Ihrer aller Weg führt früher oder später zur Poststation Dead Indian Peaks. Dort wohnen Marian, ihre Enkelin Elfie und der Navajo Mad Wolf. Und genau dort treffen alle nach und nach ein und es kommt zu einer finalen Konfrontation, in der die Frauen sich zur Wehr setzen müssen. Dabei muss Elfie zu ihrem brandneuen Gewehr greifen, das sie erst seit wenigen Tagen besitzt und von dem sie ihrer Großmutter versprechen musste, es nie auf Menschen zu richten.

Wäre das Coverbild nicht, könnte zunächst der Eindruck entstehen, man habe einen typischen Western in der Hand, in der ein einsamer, zwielichtiger aber dennoch aufrichtiger Fremder es mit einer großen Gruppe Verbrechern aufnimmt, die an nichts anderes denken, als an Sex, Gewalt und Gold. Zum Glück ist da aber das Cover und dies gibt einen mehr als deutlichen Hinweis darauf, worum es hier eigentlich wirklich geht. Nämlich die Emanzipation von drei Frauen im Wilden Westen. Bis dahin ist es aber ein langer und sehr blutiger Weg.
Gleich der Beginn führt den Schrecken der Gewalt und die Lebenswirklichkeit der Figuren mehr als deutlich vor Augen. Hier ist eine Welt der Gewalt und eigentlich ohne Hoffnung für Frauen. Elfie und ihre Großmutter leben auf ihrer Poststation im Vergleich zu Mattie Silk in einem abgelegenen Paradies, in das dann aber nach zwei Dritteln der Handlung die Gewalt hereinbricht. Zunächst in Form des Fremden Lew, indem er zwei Männer von Burt Bell tötet, um Mattie zu retten und deren Leichen zur Station bringt, später dann durch all die anderen Männer, die hier auftauchen, um das Geld der Bank zu rauben.
Das wird alles zunächst recht konventionell erzählt und ohne großen Überraschungen. Doch dann drehen Roger Seiter und Chris Regnault am Gewaltregler noch einmal kräftig nach oben und dazu an der Erzählgeschwindigkeit, und es entwickelt sich ein kleines aber rasantes Verwirrspiel um die Frage, wer eigentlich den Schlüssel zur Geldtruhe hat. Atmosphärisch und handlungstechnisch erinnert dies an Filmklassiker wie Spiel mir das Lied vom Tod, High Noon oder auch Assault on Precinct 13.
Aber der wesentliche Unterschied ist, dass es am Ende die Frauen selbst sind, die über ihr Schicksal bestimmen. Sie nehmen die Waffen in die Hand und stehen für sich selbst ein und während zuvor der Eindruck entsteht, dass Elfie in einem gewissen Sinne die Hauptperson ist, um deren Emanzipation es geht, ist es dann Mattie Silk, die sich von allem Fesseln befreit und den wesentlichen Satz ausspricht: Lasst sie in Ruhe!
Und dieser Satz steht nicht nur für den Moment, in dem er im Comic fällt, sondern dient zugleich als Statement für unsere heutige Zeit, in der Frauen immer noch unter Gewalt von Männern leiden müssen.
Das wird mit ausreichend ausgearbeiteten Charakteren erzählt und einer schonungslosen Darstellung von Gewalt. Dieser Comic ist stellenweise drastisch und unangenehm, aber er ist auch zugleich spannend und gut.

Die Zeichnungen von Chris Regnault könnten in der Gewaltdarstellung manchem zu viel sein. Er schont nicht und gerade bei dem Thema Vergewaltigung wird es unangenehm, auch wenn er sich da glücklicherweise ausreichend zurückhält, um es nicht zu graphisch zu machen. Aber allein der Blick in die Gesichter der Frauen sagt in diesen Momenten alles. Auch wenn die Szenen wichtig sind, wären ein oder zwei weniger ganz gut gewesen. Ansonsten fängt er den Staub des Westens und die Hitze sehr gut ein und man fühlt sich direkt in einen Italo-Western versetzt. Dass die Charaktere alle etwas überzeichnet sind hilft, da dadurch die Gewalt nicht ganz so drastisch ist und für manchen Leser ertragbarer wird.


Fazit

Leave them alone ist ein harter, dreckiger Western mit einem hohen Gewaltgrad, der sie zudem schonungslos zeigt. Für manch einen mag das etwas zu viel sein. Dafür ist der Comic von Roger Seiter und Chris Regnault eine spannende Geschichte über drei starke Frauen, die ihr Schicksal in ihre eigenen Hände nehmen und sich so emanzipieren.


Pro & Contra

+ Entwicklung von Mattie Silks
+ hart und dreckig
+ passende Zeichnungen
+ Handlung hat ein paar Überraschungen zu bieten

0 Gewaltgrad ist sehr hoch

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5