
Verlag: Dantes; (September 2026)
Softcover: 168 Seiten; 22 €
ISBN-13: 978-3-68902-030-9
Genre: Fantasy
Klappentext
„Irgendwie bilde ich mir ein, dass ich kein einziges dieser ganzen Probleme hätte, wenn ich stinkreich wäre…“
Schließe Bekanntschaft mit Babs, der barbarischen Diebin, und mit Barry dem nutzlosesten magischen Schwert, das je geschwungen worden ist. In eine Fantasy-Welt voller Zauberer, Drachen, Burgen und Elben ist Babs auf der Suche nach dem Glück oder – solange sie das Glück nicht finden kann – einem Vollrausch und irgendwelchen Typen, die sie zusammenschlagen oder auf andere Art fertig machen kann. So weit, so überschaubar. Doch dann tauchen sehr weiße Ritter auf und stören auf magische Weise das Räderwerk von Babs´gewohnten Lebenslauf, so dass unsere Heldin plötzlich bis zum Hals in Gewalt, Zaubersprüchen und Intrigen steckt. Das ruft natürlich das Heer der Toten auf den Plan, eine Schiffsladung sexverrückter Elben, einen superdurchgeknallten Ork und seine lebensuntüchtige Bande sowie den schlechtesten Ritter, den das Land je gesehen hat. Aber Babs hatte noch nie Hemmungen, sich mit den Fäusten voran in jede sich bietende Problemlage zu werfen, die sich durch ihr Zutun nicht noch verschlimmern ließe …
Babs ist eine vergnügliche, das Sword & Sorcery-Genre blutig aufspießende Satire aus den Federn und Pinseln von Garth Ennis und Jacen Burrows, den Machern von Crossed, The Ribbon Queen, Get Fury und 303.
Rezension
Babs ist eigentlich eine recht einfach gestrickte Barbarin. Man gäbe ihr etwas zu trinken und jemanden zu verprügeln und sie ist glücklich. Gut, Reichtum wäre auch nicht schlecht. Und weniger nervige Typen auf der Welt sowieso, aber ansonsten verlangt sie im Prinzip nicht viel, solange sie in Ruhe ihrem Barbarentum nachgehen kann. Allerdings hat die Welt auch noch ein Wörtchen mitzureden und die scheint es auf Babs abgesehen zu haben. Zunächst muss sie sich eines dummen Orks und seiner Freunde erwehren und dann sind ausgerechnet diese dann auch noch Schuld daran, dass ihr „ruhiges“ Leben gestört wird. Denn Mork der Ork und seine Freunde die, Dudes, haben Informationen über sämtliche Anderswelter gesammelt, die sie nun dem Anführer der Elfenbeinritter der unbefleckten Tugend, Tiberius Toledo, zur Verfügung stellen. Und damit beginnt eine Hexenjagd, die dann eben auch Babs und ihre Freunde betrifft. Aber zum Glück hat sie die Hilfe von einem Heer der Toten, deren Anführer Emma und Gerry alte Bekannte von ihr sind, dem Ritter Culpepper und ihrer Freundin Izzy.
Babs aus der Feder von Garth Ennis ist ein wahre Tour de Force. Die Barbarin und ihre Freunde und Feinde wirbeln geradezu über die Seiten des Comics und geben kaum Gelegenheit mal wirklich durchzuatmen, denn immer gibt es jemanden zu zerhacken oder einen Witz zu machen. Es gibt praktisch nichts in der Fantasy und außerhalb, was Garth Ennis nicht mit Genuss durch den Kakao zieht. Alleine schon die Namen von Freunden und Feinden sprechen bereits Bände. Garth Ennis dreht in Babs alles auf links und kombiniert dies mit seiner Art des Humors, die man durchaus mögen muss, da sie doch recht eindeutig zweideutig ist, wobei eigentlich schon eindeutig abzielend auf die etwas härtere Gangart des Humors. Und so ist Babs auf den ersten Blick eine große Parodie, die sich hauptsächlich dadurch von anderen abhebt, das sie auch eine kohärente und auch spannende Geschichte erzählt, was sonst nicht immer gelingt.
Ein solcher oberflächlicher Blick auf Babs wäre aber ein Fehler, denn Babs ist mehr, viel mehr und hat sogar eine Botschaft. Denn unter dem Deckmantel der Fantasyparodie, während der sich Garth Ennis auch auf andere Bereiche der Popkultur bezieht, Mork der Ork ist hier ein gutes Beispiel, ist Babs auch eine bitterböse Satire auf die Gegenwart.
Und damit ist Babs wohl nichts für Menschen, die in Deutschland Blau oder in den USA Rot wählen, auch wenn es zu wünschen wäre, dass sie Babs lesen würden. Denn wie die Mechanismen von Populisten funktionieren, wie sie vorgehen und wie sie Menschen für ihre Zwecke ausnutzen, wird in Babs aufs Klarste dargestellt, auch wenn dies mit einer großen Portion recht deutlich sexuell konnotieren Humors passiert. Babs wird dadurch aber nicht dröge oder langweilig oder belehrend. Der derbe und zotige Humor tut eben seinen Teil dazu bei, Babs zu etwas sehr lustigen zu machen, bei dem man aber immer wieder mal den Kopf auf den Tisch hauen möchte, wenn z.B. Mork der Ork erneut eine Entschuldigung für sein großes Idol Tiberius Toledo findet, wie es hierzulande Anhänger der AFD oder in den USA Anhänger Trumps gerne tun. Das Lachen bleibt dann fast im Halse stecken. Aber eben nur fast, denn praktisch sofort kommt Garth Ennis mit der nächsten derben Szene um die Ecke. Es ist am Ende ein Genuss zu sehen, wie sich die Taten Tiberius Toledos rächen und sein Tod stellt ein klares Statement über Männer wie ihn dar.
Jacen Burrows hat praktisch einen Selbstläufer von Garth Ennis vorgelegt bekommen. Er kann sich auf den Seiten ebenso austoben und zeigt durchaus detailliert, wenn Babs mal wieder zu ihrem geschwätzigen Schwert greift und ihre Gegner fertig macht. Sicher gibt es bessere Zeichnungen im Genre, aber Jacen Burrows passen stilistisch einfach perfekt zum Inhalt. Auch er hat sichtlich Spaß bei der Arbeit an Babs.
Als Bonus sind Charakterstudien für Babs von Jacen Burrows, Cover und Variantcover enthalten. Gerade bei den Covern sind dann auch wieder Parodien zu bekannten Bildern und Zeichnern der Fantasy dabei, unter anderem Frank Frazetta und Masters of the Universe.
Ebenso gibt es wieder umfangreiche Anmerkungen von Jens R. Nielsen, die auf so manche, für den deutschen Lesern in der Übersetzung verlorengegangene oder unbekannte, Anspielungen aufmerksam machen und Babs dadurch noch witziger werden lassen. Dies muss eine Höllenarbeit gewesen sein, vor der man nur den Hut ziehen kann.
Fazit
Derbe und zotig schnetzelt sich Babs ihren Weg durch ein wahnwitziges Abenteuer in einer geradezu absurden Welt, die leider viel zu nahe an der Realität ist. Wer mit Garth Ennis´ Humor etwas anfangen kann, muss zugreifen. Und wer jemanden kennt, der Populisten auf den Leim geht, sollte ihnen vielleicht mal Babs in die Hand drücken.
Pro & Contra
+ Babs
+ unter dem derben Humor verbirgt sich eine intelligente Satire, die deutlich ausspricht, was Ennis von Populisten hält
+ unglaublich viele Anspielungen
Bewertung: ![]()
Charaktere: 4/5
Handlung: 4,5/5
Humor: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5