
Verlag: Panini; (Juli 2026)
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten; 39 €
ISBN-13: 9783741649707
Genre: Superhelden
Klappentext
Fantastische Spidey-Abenteuer
Dieser Band versammelt vier außergewöhnliche Graphic Novels mit Spider-Man! Marvel-Legende Stan Lee, Netzschwinger-Hofschreiber Gerry Conway und Spidey-Meisterzeichner Ross Andru schicken den Wandkrabbler mit Silver Sable auf geheime Mission nach Deutschland. Conway und Netzkopf-Zeichner Alex Saviuk beleuchten indes die Geschichte der Liebe von Peter Parker und Mary Jane Watson. Romanautorin Susan K. Putney und Horrorlegende Bernie Wrightson konfrontieren den Helden mit einer Welt voller Magie und Monster. Und Fantasy-Star Charles Vess schickt Pete und MJ in verspätete Flitterwochen nach Schottland.
Rezension
Zwischen 1982 und 1993 veröffentlichte Marvel die Reihe Marvel Graphic Novel, die sich am klassischen Albumformat Europas orientierten und damit die Comics im Überformat präsentierten und abgeschlossene Einzelgeschichten lieferten. Für diese hatten Autoren und Zeichner deutlich größere kreative Freiheiten als in den regulären Reihen und so konnten sie die Helden auf besondere Abenteuer schicken. Selbstverständlich war bei dieser Reihe auch Spider-Man dabei und vier dieser Geschichten mit ihm sind nun in der Spider-Man Graphic Novel Collection enthalten.
Spider-Man macht blau
Marandi Sjörokker ist die Tochter des bösen Zauberers Kuruddred aus der Dimension Wolkenmeer, deren Oberste Zauberin sie ist. Mittlerweile über 200 Jahre alt, ist sie immer noch ein Teenager, denn als ihr Vater von anderen aufgehalten wurde, sorgte er dafür, dass ihr nichts geschieht. Und der einzige Weg dazu war, sie nie erwachsen werden zu lassen. Doch nun braucht sie Spider-Mans Hilfe. Eine Tordenkakerlakk ist aufgetaucht, die sie nicht aufhalten kann. Also geht Spider-Man mit ihr nach Wolkenmeer und stellt sich dem Kampf mit dem seltsamen Wesen, dass nie zweimal auf dieselbe Weise bekämpft werden kann und in immer neuer Form aufersteht. Erst sehr spät fällt Spider-Man auf, was zu tun ist.
Susan K. Putneys mitunter lustiges und auch spannendes Szenario hat der legendäre Bernie Wrightson aufs Papier gebracht. Und auch wenn Susan K. Putneys Geschichte durchaus kreativ ist und eine gewisse, gelungene Botschaft enthält, so sind doch seine Zeichnungen das Wesentliche für die Geschichte. Generell ein sehr guter Horror- und Fantasyzeichner zeigt er immer wieder sein ganzes Können auf wunderbaren Doppelseiten, mit dem Höhepunkt eines Kampfes zwischen Spider-Man und einem Drachen. Hier war wirklich ein Meister seines Faches am Werk.
Parallelitäten
Peter Parker wächst bei seiner Tante und seinem Onkel auf, nachdem seine Eltern auf eine Mission für den Staat gegangen sind und nie zurückkehrten. Später wird er gebissen und zu Spider-Man werden. Mary Jane Watson wächst zum Teil in seiner Nachbarschaft auf und ihr Leben ist nicht gerade einfach. Der Vater trennt sich von ihrer Mutter, ihre Schwester hat auch viele Probleme und MJ trägt praktisch die ganze Zeit eine Maske der Fröhlichkeit.
Unweigerlich führt der Weg von Peter und MJ zueinander. Nur ist da noch Doc Ock, der Spider-Man tot sehen will.
Gerry Conway und Alex Saviuk erzählen im Grunde die Geschichte einer großen Liebe und wie sich Spider-Man selbst vergibt, nicht eingegriffen zu haben, als er es konnte und deswegen Onkel Ben starb. Zur Zeit seiner Entstehung war Parallelitäten mit Sicherheit ein frischer neuer Ansatz mit seiner Erzählstruktur, heute wirkt es fast ein bisschen bieder. Aber MJ und Peter Parker werden auf den vergleichsweise wenigen Seiten sehr gut charakterisiert und bekommen eine Vielzahl von Facetten. Mit Doc Ock ist auch der Gegner für Spidey geschickt gewählt. Die Zeichnungen sind in ihrer Zeit verhaftet und wirken hin und wieder etwas ungelenk, da Alex Saviuk hin und wieder Probleme mit der richtigen Perspektive und den Proportionen hat, das stört jedoch nicht großartig, da die Handlung und vor allem die Darstellung vieles aufwiegt.
Geister der Erde
Mary Jane erbt von einer Tante in Schottland ein kleines Landhaus in den Higlands. Also reisen MJ und Peter dorthin, um es sich anzusehen und zu entscheiden, was sie damit tun wollen. Angekommen in dem kleinen Örtchen, in dem ihre Tante lebte, müssen sie schnell feststellen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Lord Munro hat seinen Stammsitz Schloss Duncraig nach einem Feuer verlassen und der Enkel des Lords wurde scheinbar von Feen entführt. Zu allem Überfluss versucht eine Firma sämtliches Land in der Umgebung aufzukaufen und der zwielichtige Neffe des Lords ist nicht abgeneigt, alles zu verkaufen. Aber dann ist da auch die alte Mairi, die mehr über das Land und seine Bewohner zu wissen scheint als alle anderen. Und bittet Spider-Man um Hilfe und steht ihm in seinem Kampf bei.
Charles Vess hat Geister der Erde sowohl geschrieben als auch gezeichnet und wer ihn kennt, weiß bereits beim Lesen seines Namens, dass ihn besonders schöne und atmosphärische Bilder erwarten. Und Geister der Erde erfüllt die Erwartungen voll und ganz. Der vor allem für seine Werke im Bereich der Fantasy bekannte Künstler, beweist hier ohne Schwierigkeiten, warum er einen solch guten Ruf hat. Beeinflusst von klassischen Buchillustratoren oder einem Hal Foster, ist er sehr detailverliebt und klar in seiner Linienführung und versteht sich darauf Farben und Licht in genau dem richtigen Maße einzusetzen, so dass eine phantastische Atmosphäre entsteht, die einen direkt hineinzieht in die Welt der Mythen und Legenden. Genau dies braucht Geister der Erde dann auch. Denn in seiner Geschichte geht es viel um Magie, Geistwesen, Feen und die Verbundenheit mit der Natur und dem Land, vor allem repräsentiert durch Mairi. Spider-Man könnte in weniger fähigen Händen leicht in einer solchen Geschichte fehl am Platze wirken, Charles Vess macht ihn zu einem Teil der Mythen und das überaus gelungen. Vom Lesespaß, dem Inhalt und vor allem den Zeichnungen her, ist Geister der Erde die beste Geschichte des Bandes.
Im Griff der Angst
Kurz vor seinem Tod versprach Hitler Baron Zemo, dass er unsterblich werden würde. In der Gegenwart stiehlt White Ninja im Auftrag der geheimnisvollen Baroness aus einem Labor, das zum Firmengeflecht von Harry Osborne gehört, die sogenannten Cassidy-Kristalle. Silver Sable konnte ihn daran leider nicht hindern, verfolgt ihn aber jetzt mit ihrem Wild Pack. Die Spur führt zu einer Burg im Schwarzwald. Spider-Man begleitet sie bei ihrem Versuch in die Burg einzudringen und die Baroness aufzuhalten.
Stan Lees und Ross Andrus Geschichte wäre für sich genommen eigentlich ganz gut. Sie hat nur das Pech, dass sie in einem Band mit Geister der Erde enthalten ist und noch dazu direkt im Anschluss. Dadurch fällt dann sehr stark auf, wie übertrieben und absurd, und leider auch albern, die ganze Handlung wirklich ist. Solch eine Geschichte wäre zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges bis in die 70er vielleicht noch gegangen, aber da sie 1992 veröffentlicht wurde, wirkt sie aus der Zeit gefallen. Zudem ist es schon eine gewisse kreative Bankrotterklärung, dass Stan Lee hier im Prinzip Batmans Scarecrow relativ offensichtlich kopiert. Ross Andrus Zeichnungen überzeugen auch nicht so richtig. Teilweise sind sie sogar richtig hässlich. Der Eindruck entsteht vor allem durch die letzten Seiten, die wirken als wäre ihm die Zeit bis zur Veröffentlichung davongelaufen. Auch dieser Umstand wird durch den Vergleich mit Geister der Erde nur verstärkt.
Fazit
Abgesehen von Im Griff der Angst, welche ausgerechnet von Stan Lee geschrieben wurde, sind alle Geschichten in dieser Graphic Novel Collection interessant, spannend und bieten einen neuen Blickwinkel auf Spider-Man oder setzen ihn in eine ungewohnte Umgebung. Und mit Charles Vess und Bernie Wrightson zeigen zwei Meister ihres Faches, was sie können.
Pro & Contra
+ Geister der Erde ist inhaltlich und graphisch die beste Geschichte
+ Charles Vess und Bernie Wrightson zeigen ihr ganzes Können
+ Parallelitäten verfolgt einen interessanten Ansatz
- Im Griff der Angst wirkt im Vergleich zu den anderen Geschichten geradezu bieder
Bewertung: ![]()
Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5