Trail to Heka - Seth auf der Suche (Melanie Vogltanz)

trail to heka

Second Chances Verlag (2026)
Reihe: Kemet, Band 4
Taschenbuch, 396 Seiten, 16,00 EUR
ISBN: 978-3-98906-088-3

Genre: Urban Fantasy


Klappentext

»Ich bin Seth, Herr von Ombos, Sohn von Nut. Herrscher über Deshret, Erschaffer von Feuer und Chaos – und Barkeeper in Nevada. Zumindest war ich das, bevor ich am Arsch der Welt einem Wichser nachstellen musste, der mein Zeug geklaut hat.«

»Sie haben etwas, das dir gehört :( Hole es zurück, oder sie werden es benutzen!«

Die Nachricht einer alten Feindin führt den gefallenen Chaosgott Seth nach Kanada. Fernab seiner Wahlheimat begibt Seth sich auf die Suche nach einem zerstörerischen Teil seiner Kräfte, von dem er sich vor Langem losgesagt hat. Der Schaden, den sein Heka in falschen Händen anrichten könnte, gefährdet diese neue faszinierende Welt, die er gerade erst für sich entdeckt hat. Doch sind seine eigenen Hände tatsächlich die richtigen? Auf seiner Reise muss Seth sich nicht nur mächtigen Feinden stellen, sondern seiner eigenen Vergangenheit – und der alten Versuchung einer weltenverbrennenden Kraft.


Rezension

Der ägyptische Chaosgott Seth ist auf die Erde des 21. Jahrhunderts gestürzt und hat sich in Nevada mit seiner Bar Heliopolis ein kleines Refugium geschaffen, in dem er bis vor Kurzem noch seine Ruhe hatte und trinken und rauchen konnte, so viel er wollte. Doch eine alte Verwandte machte beinahe alles zu Nichte. Mit Hilfe des Totengotts Mafed hat Seth das Chaos in den Griff bekommen, doch es blieben jede Menge Scherben. Und nun hat ihn auch noch eine mysteriöse Nachricht erreicht, dass etwas, das ihm gehört, in die falschen Hände gelangt sei. Also macht er sich auf den Weg nach Kanada. Es kommt zu einem unerfreulichen Wiedersehen mit der ägyptischen Göttin Wadjet, die ihm offenbart, dass ein fremder Gott seinen Stab gefunden und an sich genommen hätte. Seth soll diesen mit Hilfe von erzwungenen Visionen aufspüren, wobei eine ganze Menge Mist aus seiner Vergangenheit hochkommt. Und dann soll ihm auch noch ausgerechnet eine kanaanäische Kriegsgöttin helfen, die kaum spricht und ihn mit ihrer Unterwürfigkeit in den Wahnsinn treibt. Seth würde am liebsten seine Sachen auf sein Motorrad packen und abhauen, doch er muss den anderen Gott aufhalten, ehe es zu einer Katastrophe kommt ...

"Trail to Heka" ist offiziell der vierte Band der "Kemet"-Reihe, könnte aber auch als dritter Band gelesen werden, da sich nach "Path into Duat" Seths und Mafeds Wege erst einmal trennen und die Handlung parallel zu der aus "Totennacht" verläuft. Seth hat sporadisch Kontakt zu Mafed, obwohl sie nach dem Chaos in Nevada eigentlich Funkstille einhalten wollten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Seth versteht das, doch er vermisst den Totengott und hat das Gefühl, vergessen worden zu sein, auch wenn er weiß, dass Mafed gerade einige Probleme hat, um die er sich kümmern muss. Wenn man "Totennacht" zuerst gelesen hat, erfährt man nun, warum Seths Nachrichten an Mafed so kryptisch sind und was er ihm eigentlich mit den übersendeten Fotos und Gegenständen sagen wollte. Seth tut sich schwer, die richtigen Worte zu finden, er ist ein Mann der Tat, der es schafft, immer wieder Chaos anzurichten. In Nevada kam er mit seiner groben Art gut zurecht, doch in Kanada eckt er mit seiner Vorliebe für Zigaretten und Alkohol an, wobei die Menschen über vieles hinwegsehen, wenn sie erkennen, dass er aus den USA kommt. 

Als Seth in Kanada ankommt, strandet er dort fast ohne Geld in einer Bar, wo er auf einen jungen Mann namens Ned trifft, der sein Motorrad umfährt und ihn als Entschädigung zum Essen (und Trinken) einlädt. Ned ist selbst irgendwie auf der Flucht und schließt sich Seth an, was der erst einmal ablehnt, doch Ned ist hartnäckig und fühlt sich verantwortlich für Seth, der die gesellschaftlichen Regeln in Kanada nicht kennt, zu viel trinkt und seltsame Verwandte zu haben scheint, die ihm nicht gut tun. Dabei ahnt Ned lange nicht, mit wem bzw. was er es zu tun hat, was zu diversen komischen Situationen führt. Ned ist so ziemlich das Gegenteil des rauen, wortkargen Seth: sehr redselig, kontaktfreudig und überaus freundlich. Er nimmt Menschen so, wie sie sind, und sieht in Seth anfangs einfach jemanden, der ganz anders ist als er und dadurch eine willkommene Ablenkung.

Im Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass Ned nicht ganz so unbeschwert und locker ist, wie er anfangs wirkt, denn auch er hat Konflikte mit der Familie. Ned versucht immer wieder, Seth aus der Reserve zu locken, respektiert aber auch die eher rüden Grenzsetzungen. Die Dialoge zwischen den beiden sind teils herrlich amüsant und in Kombination mit der kanaanäischen Göttin Astarte ergibt sich ein sehr ungleiches Trio, das für viel Unterhaltung sorgt. Astarte erscheint anfangs wie eine wandelnde Statue, sie schwört Seth die Treue, arbeitet aber zugleich für Wadjet, weshalb Seth ihr lange misstraut. Auch die Leser*innen wissen lange nicht, auf wessen Seite Astarte wirklich steht. Sie schweigt sich lange aus und auch, als sie mehr spricht, weiß man nicht, ob man ihren Worten trauen kann. Astarte hat ihre Rolle in der Geschichte, Ned hingegen tritt im letzten Drittel nicht mehr auf und scheint in Vergessenheit zu geraten zu sein. 

"Trail to Heka" hat mehr Tempo als "Path into Duat", die Handlung schreitet zügig voran und Seth zieht das Chaos wieder einmal magisch an. Er hat keine Lust auf die anderen Götter seines Pantheons, doch sein Stab ist so mächtig, dass er wirklich nicht in den Händen eines fremden Gottes bleiben kann. Seth mag die Menschenwelt der Gegenwart und will verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen, insbesondere seine Found Family in Nevada nicht und auch nicht Ned, der ihn anfangs furchtbar nervt und den Seth später als Freund betrachtet. Melanie Vogltanz bringt einige Geschichten aus der Mythologie um den Gott Seth in die Story ein und interpretiert sie neu als göttlichen Familienstreit, wobei Seth das schwarze Schaf ist. Er war schon immer ein Außenseiter und hat seine Emotionen nicht im Griff. Wutausbrüche kommen häufig vor, dabei will er sich eigentlich ändern und Abstand von seiner Vergangenheit gewinnen. Wadjet macht sich währenddessen einen Spaß daraus, ihn zu provozieren und man kann verstehen, wenn Seth der Geduldsfaden reißt. 

Zum Showdown kommt es früher als erwartet und es passiert noch einiges, was die Story auf den Kopf stellt. Zudem kommt es zum Wiedersehen mit Mafed, wie man es bereits in "Totennacht" erlebt hat - dieses Mal jedoch aus Seths Perspektive. Entsprechend gibt es in "Trail to Heka" auch ein paar cozy Kapitel zum Schluss, in denen sich die beiden Götter nach ihren getrennten Abenteuern wieder annähern, wobei am Ende noch ein Geheimnis offenbart wird. 


Fazit

"Trail to Heka" ist eine wilde und teils finstere Reise durch Kanada, während der es Seth mit alten Feinden und hässlichen Erinnerungen zu tun bekommt. Dabei erhält er unerwartete Unterstützung und findet sich ein Stück weit selbst wieder - nachdem er einen Tiefpunkt erreicht hat. Der Roman hat ein gutes Erzähltempo und überzeugt mit der richtigen Mischung aus dramatischer Action, Mythologie, auflockerndem Humor und tiefergehenden Gesprächen. 


Pro & Contra

+ neues Setting in Kanada, dessen freundliche Menschen Seth irritieren
+ der überaus hilfsbereite und redefreudige Ned, der Seth unterstützt
+ neue Götter aus anderen Mythologien
+ alte Feindschaften und tiefere Einblicke in Seths Vergangenheit
+ gutes Erzähltempo und spannende Entwicklungen
+ Wiedersehen mit Mafed (aus Seths Perspektive)
+ es wird deutlich, woher die vielen Missverständnisse der vorherigen Bände kamen
+ gelungene optische Gestaltung der Reihe, die beim neuen Verlag beibehalten wurde

- Ned mischt im letzten Drittel nicht mehr mit
- Wadjets Provokationen gehören zur Story, nerven zwischendurch aber richtig

Wertungsterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


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