Das Lied der letzten Reise (James A. Sullivan)

Piper (Juli 2026)
Klappenbroschur, 416 Seiten, 17,00 EUR
ISBN: 978-3-492-70674-2

Genre: High Fantasy / Cozy Fantasy


Klappentext

Nach Jahren des Abenteurerlebens hat Garelun genug vom Kampf. An seinem Sehnsuchtsort, einer Stadt am Meer, möchte er zur Ruhe kommen. Mit seinem Fuchsgefährten bricht er zu einer letzten Reise auf, um seine versteckten Schätze einzusammeln. Doch sein Wagen voller wertvoller Artefakte weckt Begehrlichkeiten: So sind ihm bald einige auf den Fersen, die ihm Böses wollen. Und dann ist da noch Melriku, eine ehemalige Kampfgefährtin, für die er heimliche Gefühle hegt. Wird es Garelun gelingen, die losen Enden seines Lebens aufzunehmen, um daraus etwas ganz Neues zu spinnen?.


Rezension

Als Garelun einen alten Drachen besiegt, spürt er, dass die Zeit für seine letzte Reise gekommen ist. Er will nicht enden wie dieser Drache und sein Leben als Abenteurer und Kämpfer hinter sich lassen, um in seine Wahlheimat zurückzukehren. Auf dem Weg will er seine erbeuteten Schätze holen – Gold, Edelsteine, Bücher und magische Artefakte – und ernten, was er all die Jahre gesät hat. Und so verabschiedet sich Garelun von seinen Gefährt*innen, die ihn über Jahre begleitet und nach einer schmerzvollen Zeit wieder aufgebaut haben, holt seinen bestellten Kastenwagen ab und tritt seine Reise an, die ihm offenbaren soll, worin seine Zukunft liegt. Seine Reichtümer wecken Begehrlichkeiten, Diebe und Räuber verfolgen ihn und magische Gemeinschaften haben es auf seine Bücher und sein Wissen abgesehen. So mancher hat auch eine Rechnung mit ihm offen und ein junger Mann will ihn in einem Duell besiegen und so zu Ruhm gelangen. Garelun geht jedoch geschickt jedem Kampf aus dem Weg und erlebt auf seiner Reise so manche Überraschung …

„Das Lied der letzten Reise“ widmet sich dem Leben nach den großen Abenteuern und Kämpfen, das nicht selbstverständlich ist. Nicht alle von Gareluns früheren Vertrauten leben noch und der Schmerz über den Verlust hat ihn geprägt wie sonst nur der gewaltvolle Verlust seiner Flügel. Garelun ist ein Belraune und sieht ohne Flügel aus wie ein großer, breiter Mensch mit marmorierter Haut. Sein Name ist in Tarlevûn nahezu überall bekannt, da er viele große Taten vollbracht hat, aber auch, weil er viele Freundschaften pflegt und seine Reichtümer nutzt, um anderen zu helfen. Gerade deshalb hat er jedoch auch einige Feinde, die seiner Freundlichkeit misstrauen und die seine Art zu leben ablehnen. Garelun ist ein geschickter Kämpfer, beherrscht Magie und hat mit fast sechsundfünfzig Jahren viele Erfahrungen gesammelt, die ihn milde gestimmt haben. Er lässt sich nicht leicht provozieren und sucht nach gewaltfreien Lösungen, was jedoch nicht heißt, dass er sich nicht zu wehren weiß. Auch ist er längst nicht am Ende seines Lebens angekommen, sondern hat schlicht ein (sehr) großes Kapitel hinter sich geschlossen und ist nun auf der Suche nach einem neuen.

Auf seinem Weg begleitet ihn anfangs nur Beregaun, ein magischer Feirefuchs, der seine Gestalt wandeln kann und der so manches Geheimnis verbirgt. Im Verlauf der Reise schließen sich ihm ein junger Schwertkämpfer und eine junge Magierin ein, zudem kommt es zu einem unerwarteten Wiedersehen mit einer alten Gefährtin, die ebenfalls ihre Geheimnisse hat. Garelun verfügt über die Fähigkeiten, sich nahezu an jede Person, die er in seinem Leben getroffen hat, zu erinnern, und so ist seine Reise von zahlreichen Wiedersehen geprägt – und was er einst gegeben hat, wird ihm nun vergolten. Garelun hat in Tarlevûn viel Gutes bewirkt, doch manches hat sich auch negativ entwickelt. Er ist sich bewusst, dass alle Lebewesen Einfluss aufeinander nehmen und bemüht sich stets, etwas Gutes zu hinterlassen. So schickt er einer Familie beispielsweise Samen aus der ganzen Welt, die deren Lebensunterhalt sichern.

Wer „Das Erbe der Elfenmagierin“ gelesen hat, wird viel Vertrautes in „Das Lied der letzten Reise“ entdecken, denn wir befinden uns in der gleichen Fantasywelt – allerdings in einem gänzlich anderen Teil davon. Während Gareluns Reise erfährt man einiges über die Geschichte Tarlevûns, wo es keinen Adel gibt, aber die Gefahr besteht, dass ein neuer entsteht – und so erinnern manche Probleme dieser Welt an unsere Gegenwart. Städte und Dörfer unterscheiden sich teils stark und man ist erstaunt, wo Garelun überall gelebt hat und wie viele Menschen er beeinflusst hat. Unterwegs trifft man auch auf Ruinen und würde ihre Geheimnisse zu gerne ergründen, doch da geht es auch schon weiter. Der Fokus liegt auf Gareluns Reise, was für einen Einzelroman passend ist, doch die Fantasywelt bietet unglaublich viel Raum für weitere Geschichten. Ein wenig erinnert „Das Lied der letzten Reise“ an „The Legend of Zelda“, wo der Protagonist ebenfalls auf viele Menschen trifft und ihnen hilft und zugleich die Geheimnisse der Welt ergründet.

Spannung zieht „Das Lied der letzten Reise“ aus den viele Begegnungen, während der oftmals auch Teile von Gareluns Vergangenheit enthüllt werden. Er hat als alter Abenteurer verdammt viel erlebt und entsprechend viel zu erzählen, doch es ist auch sehr interessant, was andere ihm zu erzählen haben. Es gibt keine Kampfszenen und kein großes Drama, doch Bedrohungen und Hindernisse, die überwunden werden müssen. Garelun und seine Begleiter*innen finden kreative Wege, Kämpfen aus dem Weg zu gehen, wobei es zumindest eine Szene gibt, bei der man doch sehr irritiert über den Ausgang ist und dass Garelun nicht zum Schwert greift. Doch letztlich macht auch diese Szene Sinn. James A. Sullivan betont den Wert von Gemeinschaften und den Einfluss, den man auf andere hat, ganz gleich, ob man will oder nicht. Garelun hat dies erkannt und will Positives bewirken, er erkennt aber ebenso, dass er nicht alles beeinflussen kann und hat in seinem Alter die Ruhe, der steten Ungewissheit der Zukunft mit Freude entgegenzusehen.

„Das Lied der letzten Reise“ wird als Cozy Fantasy beworben, was durchaus passend ist, ist es doch ein herzwärmender Roman, der einem den Glauben an das Gute wiedergibt. Zugleich ist das Buch klassische High Fantasy mit einer Welt, die man zu gerne auf Leinwand gebannt sehen würde und die unweigerlich an Tolkien erinnert. Tarlevûn ist ein ruhigerer Teil dieser Welt als die Länder, in denen „Das Erbe der Elfenmagierin“ spielt, zumindest wirkt es so, da Garelun den Abenteuern abgeschworen hat. Doch man bemerkt auch, dass es in dieser Welt viele Probleme gibt, doch es ist nicht Gareluns Verantwortung, diese zu lösen. So manch hilfreichen Rat hat er dennoch, ob dieser jedoch angenommen wird, erfährt man oft nicht. Positiv fallen die vielen kleinen Details auf, seien es regionale Spezialitäten, landschaftliche Besonderheiten oder die vielen kleinen Geschichten, die sich in die Erzählung zum Gareluns letzte Reise einflechten. Dazu gibt es ein Ende, das kein Ende, sondern der Anfang von etwas Neuem ist.


Fazit

In „Das Lied der letzten Reise“ erntet Abenteurer Garelun, was er gesät hat. Dabei gibt es viele Wiedersehen und viele Überraschungen, lang bewahrte Geheimnisse werden aufgedeckt und Kämpfe kreativ vermieden. Ein wunderschöner, nachdenklicher Fantasyroman über den Wert von Gemeinschaften und den Einfluss, den jeder einzelne auf andere und seine Welt hat.


Pro und Contra

+ widmet sich der Frage, wie es nach großen Abenteuern weitergeht
+ betont den Wert von Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft
+ zeigt auch die Grenzen des eigenen Einflusses
+ wunderschöne Fantasywelt voller Geheimnisse
+ Garelun als ruhiger, gefestigter Charakter, der nach neuen Wegen sucht
+ ruhige Erzählweise mit vielen Details
+ das Cover fängt die Stimmung des Romans sehr gut ein

Wertungsterne4.5

Handlung: 4/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


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