
TOR (2026)
Übersetzt von Ruggero Leo
Reihe: Dungeon Crawler Carl, Band 1
Paperback, 512 Seiten, 18,00 EUR
ISBN: 978-3-596-71248-9
Genre: Science Fantasy
Klappentext
Willkommen im Dungeon. Entertainment ist Pflicht. Überleben nicht.
Das Leben ist nicht fair. Erst wird Carl von seiner Freundin sitzengelassen, und dann muss er mitten in der Nacht in Boxer Shorts und Lederjacke raus, um ihre Katze Prinzessin Donut zu retten. Noch unfairer wird es, als er von außerirdischen Invasoren gezwungen wird, an einer sadistischen, intergalaktischen Spielshow teilzunehmen.
In einem Dungeon voller Fallen, explodierender Goblins, Drogen dealenden Lamas besteht sein Leben von nun an vor allem darin, am Leben zu bleiben. Und dafür muss er neue Fähigkeiten entwickeln, mächtige Waffen finden und Sponsoren, die ihn in einer perversen und intriganten Medienwelt unterstützen, gegen die Panem ein Kindergarten ist. Zum Glück hat er Donut dabei, eine Katze mit viel Erfahrung im Showbusiness. Und dem unbedingten Willen zum Erfolg.
Rezension
"Dungeon Crawler Carl" ist das Buch, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche. Der internationale Bestseller des amerikanischen Autors Matt Dinniman fasst inzwischen auch hierzulande langsam Fuß und brilliert mit einer Handlung, die so absurd ist, dass sie eigentlich gar nicht funktionieren dürfte. Tut sie aber, und wie!
Aber worum geht es eigentlich?
Wir begleiten Carl. Carl führt ein ziemlich unspektakuläres Leben und wir lernen ihn genau in dem Moment kennen, als er erfährt, dass seine langjährige Partnerin ihn betrogen hat. Während sie gerade auf Reisen ist, sitzt er in der gemeinsamen Wohnung fest und versucht irgendwie, mit der Trennung klarzukommen. Ganz allein ist er allerdings nicht. Da wäre noch Prinzessin Donut, die preisgekrönte Perserkatze seiner Ex-Freundin.
Prinzessin Donut trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Umso überraschender ist es, dass sie sich ausgerechnet an einem eisigen Winterabend zu einem ausgesprochen unprinzessinnenhaften Manöver entschließt und kurzerhand aus dem Fenster springt.
Carl, der mitten in der Nacht nichts weiter trägt als eine rote Herzchen-Boxershorts, schnappt sich eine Lederjacke und seine pinken Crocs, um die Katze einzufangen. Doch bevor er sie erreicht, passiert etwas, womit wirklich niemand rechnen konnte: Sämtliche Häuser, Straßen, Laternen und alles andere, was jemals von Menschen gebaut wurde, verschwindet innerhalb eines Augenblicks vom Erdboden.
Ganz im Stil von "Per Anhalter durch die Galaxis" stellt sich heraus, dass außerirdische Invasoren die Erde übernommen haben. In einer weltweiten Durchsage verkünden sie den Überlebenden zwei Möglichkeiten: sterben oder durch eines der Dungeon-Tore steigen, die sich überall auf dem Planeten geöffnet haben.
Diese Dungeons sind gespickt mit tödlichen Fallen, drogendealenden Lamas, Goblins, die mit Dynamit um sich werfen, und jeder Menge weiterer Absurditäten. Und bevor du dich jetzt fragst, liebe Leserin oder lieber Leser, was zum Teufel hier eigentlich los ist, höre ich lieber auf, den Inhalt zusammenzufassen.
Denn genau an diesem Punkt beginnt eine intergalaktische Gameshow. Carl und Donut werden zu Teilnehmern und von da an jagt eine skurrile, urkomische, brutale – oder meistens gleich alles zusammen – Situation die nächste.
Spannend ist dabei auch die Erzählweise, denn "Dungeon Crawler Carl" ist ein sogenanntes Lit-RPG. Carl erhält eine Klasse, steigt im Level auf, verwaltet ein Inventar, schaltet Fähigkeiten frei und bewegt sich nach Spielmechaniken, die man sonst eher aus Videospielen kennt. Klingt auf dem Papier vielleicht ungewöhnlich, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich gut.
"Dungeon Crawler Carl" ist der Auftakt einer inzwischen zehn Bände umfassenden Reihe und fühlt sich an wie ein frischer Wind. So etwas habe ich in dieser Form tatsächlich noch nie gelesen. "Per Anhalter durch die Galaxis" trifft auf "Squid Game" und erstaunlicherweise passt das perfekt zusammen. Trotz des oft herrlich schrägen Humors sollte man den Gewaltgrad allerdings nicht unterschätzen. Wer zart besaitet ist, wird hier vermutlich nicht glücklich. Wer dagegen Lust auf etwas völlig Verrücktes hat, dass sich konsequent jeder Schublade entzieht, sollte unbedingt einen Blick riskieren.
Für mich entwickelte sich der Roman nach einem eher unspektakulären Einstieg auf den ersten 20 bis 30 Seiten plötzlich zur wohl größten Überraschung meines Lesejahres, und zu einem absoluten Page-Turner.
Fazit
Wer bei den folgenden Begriffen hellhörig wird, sollte diesem Roman unbedingt eine Chance geben:
- Meth dealende Lamas
- Fischnazis
- Eine System-KI mit Fußfetisch
- Eine preisgekrönte Katze namens »Prinzessin Donut die Queen Anne Chonk«
Wer beim Lesen dieser Rezension dagegen hauptsächlich verstört war, sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen.
Pro & Contra
+ spannendes Worldbuilding
+ hoher Mystery-Faktor
+ sehr charismatische Katze
+ Lit-RPG
- Bis es in den Dungeon geht zieht es sich etwas
Wertung: ![]()
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5