Die letzte Tochter der Drachen (Neon Yang)

Piper (Juli 2026)
Originaltitel: Brighter Than Scale, Swifter than Flame
Übersetzung von Wolfgang Thon
Hardcover mit Schutzumschlag
192 Seiten, 18,00 EUR
ISBN 978-3-492-70729-9

Genre: High Fantasy


Klappentext

Yeva ist eine begnadete Drachentöterin. Obwohl die Ritterin im gesamten Sonnenreich für ihre Heldentaten gefeiert wird, bleibt Yeva dort immer eine Fremde. Denn ihre Mutter stammt aus Quanbao, einem unabhängigen Königreich in den Bergen, in dem Drachen verehrt werden. Als an der Grenze ein letzter Drache entdeckt wird, soll Yeva ihn erlegen. In Quanbao wird sie von der mysteriösen Königin Sookhee willkommen geheißen. Langsam öffnet sich Yeva der Heimat ihrer Mutter, dem Land, der Kultur und ihrer eigenen Vergangenheit - und Lady Sookhee. Doch diese hütet ein gefährliches Geheimnis, und bald muss sich Yeva zwischen ihrem Herz und ihrer Pflicht entscheiden.


Rezension

Als die 13-jährige Yeva ihre kleine Schwester vor einem Drachling rettet, erkennt ihr Vater in ihr eine besondere Gabe und schickt sie nach Mithrandon, in die Stadt des Imperators, wo sie zu einer Ritterin des Sonnenreichs ausgebildet wird. Yeva hat eine deformierte Hand, sie arbeitet härter als viele andere, erkämpft sich Respekt und wird zu einer bewunderten und gefürchteten Drachentöterin. So wird sie nahezu unangreifbar und bleibt doch eine Außenseiterin. Als sie allein nach Quanbao geschickt wird, einem kleinen Königreich, in dem Drachen nicht verfolgt, sondern verehrt werden, hat Yeva ein mulmiges Gefühl. Ihre Mutter hatte eine besondere Verbindung zu Quanbao und in Yeva kommen verdrängte Erinnerungen hoch. Dazu verbirgt die junge Königin Quanbaos, Lady Sookhee, etwas vor Yeva - und doch ist sie fasziniert von dieser mysteriösen Frau und ihrem wunderschönen Königreich, in dem Yeva ihre Rüstung Stück für Stück ablegt und einen ihren Blick für eine andere Art zu leben öffnet ...

"Die letzte Tochter der Drachen" ist mit unter 200 Seiten ein auffallend kurzer Fantasyroman, der in den ersten Kapiteln in rasender Geschwindigkeit von Yevas Kindheit und Ausbildung erzählt. Es bleibt kaum Zeit, die wenigen Menschen in Yevas Leben kennenzulernen, da ist sie auch schon eine junge Erwachsene und muss nach Quanbao aufbreche. Dort trifft sie auf eine Kultur, die ganz anders ist als die des Sonnenreichs, in dem der Imperator alle und alles unterwirft. Die Menschen in Quanbao begegnen Yeva zunächst vorsichtig, viele zeigen auch Ablehnung, immerhin ist sie eine Drachentöterin in einem Königreich, das Drachen verehrt. In Quanbao soll noch ein letzter Drache leben, alle anderen hat das Sonnenreich bereits getötet, und verständlicherweise verbergen die Menschen dessen Existenz. Auch Lady Sookhee hüllt sich in Schweigen, doch sie begegnet Yeva freundlich und zeigt ihr ihr kleines Reich in den Bergen, sodass Yeva selbst erkennen kann, dass ihr Weg als Ritterin nicht der Richtige ist. 

Yeva ist eine starke junge Frau, die viel zu früh aus ihrer Familie herausgerissen wurde und als Ritterin immer gekämpft hat. Sie hat nur eine Hand, die andere ist seit dem Drachenangriff in ihrer Kindheit deformiert, und war ihr Leben lang bemüht, diese Behinderung auszugleichen. Ihre Rüstung trägt sie fast immer, sie ist für sie Schutz und Ausdurck ihrer Autorität. Entsprechend fällt es Yeva schwer, diese abzulegen, denn damit muss sie auch ihre Fassade ablegen und wird verwundbar. Für Lady Sookhee geht sie diesen Schritt und je länger sie in Quanbao weilt, desto freier und unbeschwertes fühlt sich Yeva und vergisst dabei fast das dunkle Geheimnis, das sie immer wieder spürt und dessen Enthüllung sie zu einem schwerwiegenden Fehler verleitet.

Lady Sookhees Kindheit endete ebenfalls früh, sie wurde nach dem Tod ihrer Mutter sehr jung Königin und ist dazu noch gesundheitlich angeschlagen. Sie leidet unter eine mysteriösen Krankheit, die sie immer wieder für viele Tage ans Bett fesselt. Dazwischen ist sie nahezu symptomfrei. Trotz dieser Schwäche strahlt die junge Königin Stärke aus, sie bietet dem Imperium die Stirn und hat es bisher geschafft, die Unabhängigkeit ihres kleinen Reiches zu bewahren. So wie Yeva von ihr fasziniert ist, ist Lady Sookhee von der kühlen und steifen Drachentöterin fasziniert. Die beiden nähern sich an und teilen wundervolle romantische Momente, doch ihr Glück ist von kurzer Dauer und Yeva muss sich bald zwischen den Imperium und ihren Gefühlen entscheiden. 

"Die letzte Tochter der Drachen" liest sich fast märchenhaft und das fernöstlich inspirierte Setting ist schlicht traumhaft, doch in der Kürze bleibt für die Nebenfiguren und auch für die Historik der Fantasywelt zu wenig Zeit. Die Erzählung findet ein durchaus zufriedenstellendes Ende und doch ist man nicht satt, hätte man gerne mehr über bestimmte Figuren und Orte gewusst. Auch bleiben die Antagonisten zu schablonenhaft, sie erfüllen nur ihre Rollen und so ist die Geschichte in Teilen vorhersehbar. Dafür ist die Romanze berührend und einfach wunderschön erzählt, ebenso überzeugt Yevas Sinneswandel und ihre Öffnung für eine andere Kultur, die ihre Vergangenheit wiederbelebt. 


Fazit

"Die letzte Tochter der Drachen" erzählt von einer jungen Ritterin, die hart für dieses Leben gekämpft hat und die ihren Weg in Frage stellt, als sie mit der Kultur eines kleinen Königreichs und dessen bezaubernder Königin in Kontakt kommt. Neon Yang hat einen fast märchenhaften Fantasyroman geschrieben, der die Wahrheit einer Legende enthüllt und von zwei faszinierenden Frauen handelt, die gemeinsam Vorurteile und Gewalt überwinden. 


Pro & Contra

+ enthüllt die Wahrheit über die Legende um die Drachentöterin
+ Yevas Wandlung - sie legt Stück für Stück ihre Rüstung ab und öffnet sich für eine andere Kultur
+ Lady Sookhees Geheimnis
+ fernöstlich inspirierte Fantasywelt
+ Quanbao als friedlicher Gegenentwurf zum expansiven Imperium
+ wunderschönes Hardcover mit Originalmotiv

- teils vorhersehbar
- zu wenig Raum für Nebenfiguren

Wertungsterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Preis/Leistung: 4/5