Die flüsternden Höhlen (Christian Günther)

die fluesternden hoehlen

Selfpublishing (Mai 2026)
Reihe: FAAR - Das versinkende Königreich 
Taschenbuch, 168 Seiten, 10,00 EUR
ISBN: 979-8197993236

Genre: Dark Fantasy / eisenzeitliche Fantasy


Klappentext

Tief im Gebirge klafft ein Riss im Stein: die Höhlen von Gaweth. Zahllose Abenteurer haben versucht, ihre Finsternis zu durchqueren. Keiner hat je ihr Ende erreicht. Manche kehrten verändert zurück, mit leerem Blick und zitternden Händen. Sie berichteten von Geistern und dem Flüstern in der Dunkelheit. Die meisten blieben für immer im Fels.

Sanaa und ihre Gefährten folgen dem Ruf von Ruhm und unermesslichen Reichtümern. Sie sind fest entschlossen, alle Warnungen in den Wind zu schlagen und die Ersten zu sein, die das Ende der Höhlen finden. Noch ahnen sie nicht, welchen Preis sie dafür zahlen. Noch wissen sie nicht, welche Schrecken in der Tiefe lauern..


Rezension

Noch nie ist es jemandem gelungen, die Höhlen von Gaweth vollständig zu erforschen. Viele sind zurückgekehrt, ehe sie tief in das finstere Labyrinth vordringen konnten, die meisten von ihnen verstört und traumatisiert. Die anderen hat man nie wieder gesehen, sie sind in den Tiefen verschollen und niemand weiß, welchem Grauen sie zum Opfer gefallen sind. Es heißt, in der Dunkelheit trifft man auf die Grenze zur Geisterwelt – und Schlimmeres. Für Kartograf Kait sind die Höhlen äußerst reizvoll, ihre Dunkelheit fordert ihn heraus. Sanaa begleitet ihn, sie will Kait beschützen, aber auch sie ist von den Höhlen fasziniert. Gemeinsam mit zwei weiteren Mitstreitern machen sie sich auf den Weg zum Tempel, der den Eingang der Höhlen bewacht und stellen sich der Prüfung der Priester. Die Gruppe ist bestens vorbereitet, verfügt über eine sehr gute Ausstattung und viele Vorräte – doch nichts konnte sie auf die Schrecken vorbereiten, die sie in der Tiefe erwarten …

“Die flüsternden Höhlen“ ist eine Novelle aus der Welt von FAAR und sowohl eine unheimliche Ergänzung zu den drei bisher erschienenen Romanen und der Novelle „Herr der Wälder“ als auch ein guter Einstiegspunkt in die eisenzeitliche, düstere Fantasywelt. Die Ereignisse aus „Die flüsternden Höhlen“ liegen zeitlich vor allen anderen, entsprechend sind Vorkenntnisse nicht nötig, dürften das Wesen des Grauens jedoch früher erahnen lassen. Sanaa, Kait und ihre beiden Mitstreiter lockt die Aussicht, die ersten an einem geheimnisvollen Ort zu sein. Kait will weiße Flecken auf der Landkarte von FAAR tilgen, Sanaa will ihn dabei unterstützen, während ihr Geldgeber Helion auf Schätze in den Höhlen hofft. Krieger Ren ist quasi der Leibwächter der Gruppe, ein wortkarger Hüne mit einer magischen Waffe. Und dann wäre da noch Gaard, ein Junge ohne Augen, der in der Finsternis der Höhlen auf geisterhafte Weise sehen kann und sie in die Tiefe führt.

Die Geschichte wird aus Sanaas Perspektive erzählt, entsprechend erfährt man über sie am meisten, gefolgt von Kait, der ihr bester Freund und mehr ist. Sie haben schon so manches Abenteuer zusammen erlebt und Sanaa vertraut ihm, dass sie die Höhlen bezwingen können, auch wenn ihre Reise von Anfang an mit dunklen Vorahnungen behaftet ist. Nahezu jeder, den sie auf dem Weg treffen, rät ihnen, umzukehren. Ein Schäfer hat einst seine Freunde in den Höhlen verloren und die Priester, die den Eingang bewachen, führen ein Buch mit Namen der Reisenden – und Verschollenen. Doch nichts kann Kait von seinem Vorhaben abbringen und auch wenn Sanaa beginnt zu zweifeln, glaubt sie noch lange, dass sie das Unmögliche schaffen können.

Letztlich werden die Höhlen ihnen allen zum Verhängnis, auf unterschiedliche Weise. In den Tiefen lauern Geister und schrecklichere Kreaturen und die Schwärze wird lediglich von den mystischen Mondblumen und leuchtenden Moosen erhellt. Ansonsten bleibt ihnen nur eine Laterne, in deren trübem Schein sich Ruinen und unterirdische Seen erkennen lassen. Sanaa und ihre Mitstreiter kriechen durch enge Gänge, steigen Treppen, die für Riesen gemacht zu sein scheinen, hinab, waten durch schwarzes Wasser und verlieren das Gefühl für Tag und Nacht und die Realität. Stimmen flüstern in der Finsternis. Wuchernde Pflanzen und merkwürdige Tiere warten auf sie in der Tiefe und die Novelle liest sich wie eine morbide, finstere Version der Reise zum Mittelpunkt der Erde. Und wie auch in den anderen Geschichten aus FAAR erinnert das Grauen an Lovecraft und die Mythen um die Großen Alten.

“Die flüsternden Höhlen“ liest sich unheimlich atmosphärisch und das Grauen steigert sich mit jedem Schritt, der weiter in die Höhlen hinein führt. Anfangs ist da ein Unbehagen, ausgelöst durch die Geschichten über all jene, die niemals zurückgekehrt sind. Die ersten Schritte in die Höhlen sind noch von phantastischen Wundern geprägt, doch die Faszination weicht zunehmend einem Schrecken, der zunächst noch auf die alles durchdringende Dunkelheit zurückzuführen ist, bald jedoch auf ein Grauen, das sich aus der Tiefe erhebt. Man ahnt nun, dass Sanaa, Kait und die anderen etwas wecken werden, das besser für immer geschlafen hätte. Schließlich erkennt man den Ursprung eines der unheimlichen Phänomene aus FAAR – und möchte direkt die nächste Novelle oder den nächsten Roman lesen.

Das Cover von “Die flüsternden Höhlen“ hat Christian Günther, wie immer, selbst gestaltet. Optisch ist es an das neue Design der Reihe angepasst, die ursprünglich beim Amrûn Verlag erschien und inzwischen vom Autor selbst neu veröffentlicht wurde. Das Cover fühlt sich samtig an und zieht so Staub regelrecht an, doch zum Motiv passt die matte Oberfläche. Im Inneren ist eine Karte von FAAR abgedruckt, auf der man leider nicht alles erkennt, da ein Teil in der Faltung verschwindet. Doch man erkennt, dass es noch viele finstere Orte gibt, über die Geschichten geschrieben werden könnten.


Fazit

”Die flüsternden Höhlen“ ist eine wahnsinnig atmosphärische Novelle aus der düsteren Fantasywelt FAAR und quasi eine Origin Story für eines der unheimlichsten Phänomene der Reihe. Das Grauen steigert sich von dunklen Vorahnungen bis hin zu blanker Panik im Angesicht der grotesken Kreaturen in den Tiefen des unerforschten Höhlensystems. Fantasy und Horror ergänzen sich hier perfekt!


Pro und Contra

+ unheimlich atmosphärisch geschrieben
+ eisenzeitliche Fantasy trifft auf Horror
+ faszinierendes Höhlenlabyrinth
+ das Grauen steigert sich kontinuierlich
+ ergründet eines der dunklen Geheimnisse von FAAR
+ stimmungsvolles Cover, gestaltet vom Autor

o ohne Vorkenntnisse lesbar und daher gut geeignet, um FAAR kennenzulernen

- Helion und Ren bleiben zu blass

Wertungsterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 4/5


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