Maigret im Haus des Richters (Georges Simenon)

maigret richter

Atlantik Verlag (2019)
Taschenbuch, 208 Seiten, 12,00 EUR
ISBN: 978-3455007190

Genre: Krimi


Klappentext

Der noch junge Kommissar Maigret ist in ein verschlafenes Dorf im Westen Frankreichs strafversetzt worden. Die Monate ziehen dahin, bis ihm eines Tages die tratschsüchtige Adine Hulot von seltsamen Dingen erzählt, die im Haus eines pensionierten Richters vor sich gehen. Aus reiner Langeweile macht Maigret sich auf den Weg und begegnet dem Richter, der gerade eine Leiche entsorgt.


Rezension

Als Maigret bei seinen Vorgesetzten in Paris in Ungnade fällt, wird er in ein Kaff in der Nähe von Bodeaux versetzt. An der franzöischen Atlantikküteste schmeckt der Wein zwar wunderbar - die Arbeit ist allerdings eher langweilig. Ausgerechnet eine alte Klatschbase erlöst ihn aus dieser Tristesse. Die aufmerksame Dame hat mysteriöse Geschehnisse im Hause ihres Nachbarn beobachtet. Es riecht nach Mord. Da ihr Ehemann irgendwann einmal mit Maigret zu tun gehabt hat, macht sie sich zu ihm auf den Weg.

Gelesen wurde die Ausgabe von Diogenes von 2008, die nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Sie ist Band 21 aus der Buchreihe "Sämtliche Maigret-Romane in 75 Bänden in chronologischer Reihenfolge und inrevidierten Übersetzungen". Inzwischen gibt es diverse Neuauflagen wie dieses Taschenbuch vom Atlantik Verlag. 

Das französischsprachige Original ist im Jahre 1940 erschienen. Simenon lebte damals schon in Frankreich und hatte zuvor einige Non-Maigrets geschrieben und veröffentlicht, bevor er sich wieder der ungeliebten Figur des Polizeikommissars zuwandte.

Der frankophone belgische Autor beschreibt hier das Leben in der französischen Provinz, ihre Landschaft sowie deren Menschen und ihr Lebensgefühl. Sitte, Anstand, Moral sowie das gesellschaftliche Ansehen spielen bei der Lösung des Falles eine entscheidende Rolle.

Kriminalistik? Forensik? Sie spielen hier keine Rolle, sind sogar völlig unbekannt.  Mit seiner behäbigen, beobachtenden Vorgehensweise ist Kommissar Jules Maigret der klassische Anti-Sherlock-Holmes.

Das Buch ist auch eine Reise in eine alte Welt, die wir heute so nicht mehr kennen. Telefonate müssen noch angemeldet und vermittelt werden. Autos sind noch nicht verbreitet - man fährt stattdessen mit dem Bus und mit dem Fahrrad. Und an Recherchen am Klapprechner ist noch nicht einmal zu denken - das Zeitalter der elektronsichen  Informations- und Telekommunikationsgeräte fängt ein halbes Jahrhundert später an.

Man muss in diesen Fall schon ein wenig Geduld mit Maigret und seinem Besuch im Haus des Richters mitbringen. Die Zahl der handelnden Personen ist sehr, sehr überschaubar. Es gibt nur wenige Schauplätze der Handlung. Die Geschichte fängt langsam an, wird dann aber rasant und kommt ohne Frau Maigret aus.

Auch wenn Maigret Kollegen hat, die ihn bei der täglichen  Arbeiter unterstützen, ist er doch der einsame Wolf, der seine Arbeit alleine macht. Er ist so ganz anders als die modernen Ermittler, keine gescheiterte Existenz, die sich ihre sprichwörtlichen Brötchen hart und brutal verdienen muss, sondern eher gutbürgerlich, bieder und erfolgreich. Bis zum Ende seiner beruflichen Karriere hat er sich bis fast an die Spitze der Kriminalpolizei hochgearbeitet.

Die einzelnen Maigret`schen Kriminalromane mögen sich ähneln; konzentriert man sich als Leser, um nicht hinsichtlich der Namen durcheinanderzukommen, hält man hiermit durchaus gut lesbare Lektüre in den Händen.


Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!

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