
KBV (2025)
Taschenbuch, 320 Seiten, 15,00 EUR
ISBN: 978-3954416837
Genre: Krimi / Satire
Klappentext
Mumien, Mord und mörderische Mücken Als Rentner Alfons Friedrichsberg von einem alten Freund an den Nil gerufen wird, lässt er sich nicht zweimal bitten und besteigt zusammen mit Jupp Straaten und Willi Dahl den legendären Wüstenexpress, der von Oer-Erkenschwick nach Ägypten fährt. Aber die Fahrt im Luxuszug verläuft nicht so gemütlich wie erhofft. Ein Mord an zwölf Fahrgästen, ein blassblauer Bademantel, der durch die Waggons geistert, sieben abgetrennte dicke Zehen und eine Schallplatte mit dem Hit »Schatz, ich grüß Dich aus der Ferne« spielen eine wesentliche Rolle. Zudem heizen eine mordende Mumie und diverse antike Sagengestalten den drei Freunden ordentlich ein. Und dann wäre da ja auch noch der hochgiftige Stechrüssel der libyschen Dressurmücke … Die drei Hobbydetektive erleben ihr bisher größtes Abenteuer. Atemberaubend, spannend, skurril, kurios und überaus witzig.
Rezension
Alfons Friedrichsberg, Jupp Straaten und Willi Dahl sind eigentlich Rentner, die am Niederrhein leben. Doch dann erreicht Friedrichsberg der Ruf eines alten Freundes: Er soll an den Nil, der bekanntlich in Ägypten liegt, kommen und bei Ausgrabungen helfen. Das Trio läßt sich nicht dreimal bitten und besteigt den legendären Wüstenexpress, der direkt von Oer-Erkenschwick in das Land am südlichen Rande des Mittelmeeres liegt.
Eigentlich hätte die Reise eine gemütliche Einstimmung auf die Expedition zu den ägyptischen Pyramiden sein sollen. Ein Mord an zwölf mitgereisten Fahrgästen, ein blassblauer Bademantel, sieben abgetrennte dicke Zehen und eine Schallplatte mit dem Schlager „Schatz, ich grüß´ Dich aus der Ferne“ machen Friedrichsberg und seinen Freunden genauso zu schaffen wie eine mordende Mumie und antike Sagengestalten.
Sting wurde 1978 in Duisburg geboren. Ob er nach seinem Abitur eine Berufsausbildung oder ein Studium absolvierte, sei einmal dahingestellt; als gesichert kann aber gelten, dass er seit 1999 als Kabarettist, Schriftsteller, Rundfunkmoderator und Schauspieler tätig ist.
Über den KBV-Verlag ist in der Sekundärliteratur nicht viel zu erfahren. Ursprünglich unter dem Namen KBV Klein & Blechinger Verlag in Elsdorf im Rheinland gegründet, übernahm Krimiautor Ralf Kramp 2002 den Betrieb und verlegte den Sitz nach Hillesheim. Der Verlag hat sich auf regionale Krimis spezialisiert.
Doch nun zurück zu dem vorliegenden und hier besprochenen Buch. Es handelt sich dabei um eine Krimi-Satire, die um Elemente der Schauerliteratur, Action, Liebesgeschichte, Mythologie und Spannungsliteratur angereichert wurde.
Schaut man sich die Namen der Personen, die in der Handlung auftauchen, an, sowie wird das satirische Element besonders deutlich: „Schmierlappen“. „Eugen Eigen“. „Gräfin Sophie von Scharmützel“. Dies sind keine Namen, die üblicherweise in Kriminallektüren auftauchen. Der unverwüstliche Sir Lancelot Smith ist ein Running Gag.
Sting arbeitet sich streckenweise an Agatha Christie ab. Deren Werke „16 Uhr 50 ab Paddington“, „Tod auf dem Nil“ und „Mord im Orientexpress“ (auch unter dem Namen „Der rote Kimono“ erschienen) sind hier überdeutlich erkennbar. Von Christie stammt der Ansatz: Der Leser soll die Möglichkeit haben, die Lösung selbst zu erkennen. Ihre Vorgehensweise: der kriminalliterarische Dreisprung Aufgabenstellung – Ermittlungsarbeit des Detektivs – Präsentation der Lösung.
Sting hält sich überhaupt nicht nicht daran. Es beginnt schon damit, dass die Geschichte mit einer rasanten Verfolgungsjagd beginnt. Deren Sinn und Zweck wird erst am Ende offenbart. Der weitere Handlungsverlauf ist eher episodenhaft und wird nur durch die Klammer „Reise nach Jerusalem“, äh, nein, ´tschuldigung „Reise nach Ägypten“ zusammengehalten. Friedrichsberg bekommt Morde präsentiert und kann sie ratsfatz im Nullkommanix aufklären. Hercule Poirot hätte für jeden einzelnen Fall ein ganzes Buch gebraucht.
Das Ende entschädigt ein kleines bisschen: Friedrichsberg präsentiert in melodramatischer Form die Lösung. Nichts ist so, wie es scheint. Friedrichsberg kommt ohne große Ermittlungsarbeit oder gar Nachdenken auf die Lösung – auch dies ein satirischer Seitenhieb auf Sherlock Holmes und Hercule Poirot.
Die Erzählung weist Längen auf. Der Ausflug in die griechische Mythologie hätte komplett weggelassen werden können – er bringt keinen Erkenntnisgewinn und hat keinerlei Unterhaltungswert. Zahlreiche Wortklaubereien von Straaten und Dahl stören und nerven – sie sind überflüssig. Ein Fazit ist schnell gezogen: Man kann dieses Buch kennen, muss es aber nicht.
Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!