Mord mit verteilten Rollen: Ein Fall für Poirot (Agatha Christie)

 mord mit verteilten rollen

Atlantik (2020)
Originaltitel: ‎ Dead Man's Folly
Übersetzt von Michael Mundhenk
Taschenbuch, 272 Seiten, 14,00 EUR
ISBN: ‎ 978-3455008098

Genre: Kriminalroman


Klappentext

Eigentlich liegt ein Gesellschaftsspiel dieser Art unter Hercule Poirots Würde. Nur von seiner besten Freundin Ariadne Oliver lässt er sich auf den prächtigen Landsitz bitten. Die chaotische Schriftstellerin soll dort bei einem Gartenfest einen Mord inszenieren. Und Mrs Olivers Intuition erweist sich schnell als richtig: Das erste Opfer stirbt einen ganz realen Tod. Aus dem Spiel wird blutiger Ernst. Während sich alle Gäste immer merkwürdiger benehmen, beginnt Hercule Poirot, der eigentlich nur die Preise übergeben sollte, zu ermitteln.


Rezension

Meisterdetektiv Hercule Poirot hasst Gesellschaftsspiele auf Gartenfesten. Er lässt sich nur von seiner besten Freundin Mrs. Oliver auf den prächtigen Landsitz bitten, wo die chaotische Schriftstellerin eine "Mörderjagd" inszenieren soll. Doch es kommt, wie es kommen muss: Aus dem Spiel wird blutiger Ernst.

Agatha Christie und ihr Lebenslaufll dürften bekannt sein. Sowohl in gedruckter wie in elektronischer Form gibt es zahlreiche Veröffentlichungen dazu. Die englischsprachige Originalausgabe dieses Kriminalromans erschien 1956, die deutsche Übersetzung erschien schon 1959. Der vorliegende Roman ist eine Neuübersetzung aus dem Jahre 2020.

Werfen wir einen Blick in die Literaturgeschichte. Dort gibt es interessantes Hintergrundwissen: 1954 schrieb Agatha Christie die Kurzgeschichte "Hercule Poirot and the Greenshore Folly". Ursprünglich bestand ihre Absicht darin, mit dem Erlös die Anschaffung neuer Fenster für die Kirche von Churston Ferrers zu ermöglichen. In der Kurzgeschichte  gibt es zahlreiche lokale Bezüge. Christie entschied sich dann aber, die Geschichte nicht zu veröffentlichen - zwei Jahre später entschloss sie sich, die Geschichte zu einem Roman zu erweitern.

Die ursprüngliche Geschichte wurde der Sekundärliteratur erst 2013 wiederentdeckt und veröffentlicht - wo sie so lange geblieben ist, ist dem Autoren dieser Zielen unbekannt. Dieses Buch wurde dann unter dem Titel „Das Geheimnis von Greenshore Garden: Ein Fall für Hercule Poirot“ 2015 auf Deutsch veröffentlicht.

Dieses Hintergrundwissen gibt FIngerzeige, warum der Roman bei uns im deutschsprachigen Raum völlig unbekannt ist. Fangen wir damit an, dass der Roman bei uns eigentlich unter dem "Wiedersehen mit Mrs. Oliver" bekannt ist. Der Verlag erweckt den falschen Eindruck, es gäbe einen komplett neuen Titel der 1975 verstorbenen Erfolgsautorin.

Stattdessen wird auf einen Text zurückgegriffen, den es seit den 1950er Jahren bei uns gibt. Hier wird das gesellschaftliches Landleben Englands der damaligen Zeit vorgestellt - es kann davon ausgegangen werden, dass der Roman für eine englische Leserschaft geschrieben wurde.

Die Figuren sind teilweise platt gezeichnet, die Handlung ist dermaßen unrealistisch konstruiert, dass sie unglaubwürdig (selbst für Romane) erscheint.

Was ist von diesem Roman zu halten? Die Neuübersetzung mag zeitgemäß/zeitgenössisch erscheinen. Kennen muss man sie aber nicht.


Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!

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