
Fischer Verlage (2017)
Übersetzt von Henning Ahrens
Taschenbuch, 220 Seiten, 13,00 EUR
ISBN: 978-3-596-03565-6
Genre: Krimi
Klappentext
Man wird des Moores nie müde. Die herrlichen Geheimnisse, die es birgt, übersteigen unsere Vorstellungskraft. Es ist so groß und so karg und so rätselhaft.
Welche düsteren Geheimnisse birgt das Moor? Der wohl bekannteste Fall führt Holmes und Dr. Watson nach Dartmoor, in dem der Legende der Familie Baskerville zufolge ein grauenerregender, riesiger Hund haust, der Tod und Schrecken verbreitet. Doch gibt es dieses Geschöpf wirklich? Die Legende scheint sich zu bewahrheiten, als Sir Charles Baskerville tot am Rande des Moors aufgefunden wird. Sherlock Holmes muss all seine Fähigkeiten einsetzen, um dessen Tod aufzuklären und einen weiteren Mord zu verhindern.
Rezension
Sherlock Holmes und Dr. Watson verschlägt es ins Dartmoor im Südwesten Englands. Dort treibt einer Legende der Familie Baskerville zufolge ein riesiger, grauenhafter Hund sein Unwesen und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Gibt es dieses Geschöpf wirklich? „Ja,“ behaupten die Moorbauern vor Ort. Dass sie nicht abergläubisch sind, bewahrheitet sich, als Sir Charles Baskerville tot am Rande des Moores aufgefunden wird: Er wurde offensichtlich zu Tode gehetzt.
Doyle wurde 1859 im schottischen Edinburgh geboren. Nach seinem Medizinstudium betrieb er kurzlebige Arztpraxen in Plymouth und Southsea, begann aber aus Patientenmangel und Langeweile zu schreiben. Seine erfolgreichen Sherlock-Holmes-Romane, für die er 1902 geadelt wurde, begann er im Jahre 1887. 1930 starb er dann in Crowborough / Sussex.
Ob Dr. Watson sein literarisches Ebenbild ist, werden Literaturwissenschaftler besser beurteilen können.
Das englischsprachige Original dieses Werkes erschient 1902 erstmals als Buch, nachdem die Geschichte 1901/1902 bereits als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift erschienen war. Die erste deutsche Übersetzung erschien bereits im Jahre 1903
Henning Ahrens lieferte im Jahre 2017 die vorliegende Neuübersetzung ab. Diese Anpassung an moderne Lesegewohnheiten ist an bestimmten Formulierungen zu erkennen, etwa dass Holmes „vor Freude tanzt“ oder „lacht“. In früheren Übersetzungen wäre dies anders ausgedrückt worden.
Von der Literaturgattung her ist dies ein klassischer Kriminalroman, der um Elemente des barocken Schauerromans ergänzt wird. Es gibt den traditionellen kriminalliterarischen Dreisprung: Aufgabenstellung – Ermittlungsarbeit – Präsentation der Lösung durch den Detektiv. Die Elemente des Schauerromans erkennt der geübte Leser beispielsweise an der leuchtenden Gestalt des Hundes sowie des Moores bei Nacht.
Um die Handlung einzuordnen, sei ein Blick in die Entstehungsgeschichte des „Hundes der Baskervilles“ geworfen: Um 1900 erkrankte Doyle an Typhus. Zu Erholungszwecken machte eine Reise nach Norfolk. Dort traf er auf Bertram Fletcher Robinson (einem Sportler,Journalist, Autor und Politiker), der auf Dartmor aufgewachsen war. Robinson erzählte Doyle alte Legenden über seine Heimat, darunter die Gruselgeschichte um einen Geisterhund. Es geht dabei um die Legende von Richard Capel von Brooke Manor. Capel war ein reicher Landbesitzer in Devon; er war berüchtigt dafür, die Töchter seiner Pächter zu entführen und zu vergewaltigen. Der Überlieferung nach wurde Capel 1677 im Buckfastleigh-Moor von einem Rudel dämonischer Hunde zu Tode gehetzt. Die Gleichsetzung Hugo Baskervilles mit Capel ist dabei auch für den Laien unübersetzbar.
Diese Geschichte inspirierte Doyle, einen Roman zu schreiben, in dem ein Fluch in Form eines Geisterhundes, der eine Familie bedroht, thematisiert wird.
Der Sekundärliteratur zufolge soll Doyle wohl auch nach Dartmoor gereist sein, um sich von der dortigen Atmosphäre inspirieren zu lassen. Wie viel davon tatsächlich in die Handlung eingeflossen ist, kann man als Rezensent heute natürlich nicht mehr nachvollziehen.
Dies ist der dritte von insgesamt vier Sherlock-Holmes-Romanen. Er gilt allgemein als der beste Sherlock-Holmes-Roman. Dies liegt an der atmosphärischen Dichte sowie den spannenden Erzählstil, bei dem der Leser gut miträtseln kann, wie die Lösung aussieht. Zum Ende hin ist es spannend, als die drei Helden (Holmes, Watson, Baskerville) versuchen, den Übeltäter zu überwältigen. Man kann sich nur der allgemeinen Meinung anschließen, dass dieses Buch absolut lesenswert ist.
Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!
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