
Carlsen (April 2026)
ca. 194 Seiten, 12,00 EUR
ISBN: 978-3-551-80885-1
Genre: Drama, Historik
Klappentext
Ein Knall. Bunte Lichter explodieren am Nachthimmel – wie ein Feuerwerk. Lichterlohe Flammen am Firmament. Die Welt bleibt für einen Moment stehen – sie würde nie mehr sein, wie zuvor.
Am 26. April 1986 ereignete sich eines der dramatischsten nuklearen Unglücke der Menschheitsgeschichte. Die gravierenden Folgen der Atomkatastrophe in Tschernobyl zerstörten das Leben von Millionen Menschen. Sie kosteten ihr Zuhause, ihre Gesundheit, ihre Heimat – ihre Zukunft.
Im ersten Band kommen fünf Überlebende zu Wort. Ungeschönt, eindringlich und menschlich erzählen sie von Angst und Ohnmacht, von Liebe und Verlust, vom langen Schweigen. Und vom Mut, weiterzuleben.
Rezension
Am 26. April 1986 gab es eine Explosion und der Himmel war von Lichtern übersät. Viele Menschen wurden davon angelockt und bewunderten dieses Schauspiel, ohne zu wissen, was noch vor ihnen lag. Viele unterschiedliche Geschichten erhielten an diesem Tag auf einen Schlag einen gemeinsamen, schrecklichen Verlauf. So der Mann von Ljudmila Ignatenko, Wassili, der bei der Feuerwehr ist. Er und seine Kollegen gehören zu den ersten, die zum Unglücksort gerufen werden und anfangs noch glauben, sie gehen ihrer üblichen Arbeit nach. Doch dann wird ihnen klar, dass sie hier nicht nur einfach ein Feuer bekämpfen. Als sie in Behandlung kommen, ist es eigentlich schon zu spät. Ihre Familien dürfen nicht mehr zu ihnen und Hoffnung gibt es auch kaum. Trotzdem schafft es Ljudmila, ihren Mann zu besuchen. Sie kann den Gedanken einfach nicht ertragen, nicht bei ihm zu sein. Aber helfen kann sie ihm nicht. Und was bedeutet das für sie und das Kind, das noch in ihrem Bauch heranwächst?
Anfangs erfahren die Menschen nichts von den tatsächlichen Auswirkungen der Reaktorkatastrophe. Es wird nur von einer Explosion und von einem Feuer gesprochen. Bis das Militär auftaucht, Straßen sperrt und die Menschen zur Evakuierung auffordert. Nur langsam wird ihnen bewusst, dass es hier um radioaktive Strahlung geht. Familien müssen von jetzt auf gleich ihr Zuhause verlassen, alles zurücklassen, was sie besitzen. Nur um nirgends willkommen zu sein. Überall sind sie nur die verseuchten, die ansteckenden, die, mit denen niemand etwas zu tun haben will. Ärzte können kranken Familienmitgliedern nicht helfen. Sprechen nicht einmal aus, dass die Erkrankungen durch die Strahlung kommen. Immer wieder wird Betroffenen gegenüber geäußert, dass man erst in vielen Jahren sicher sagen könne, ob die Strahlung wirklich die Ursache sei. Diese Hilflosigkeit, die Verzweiflung, der Verlust, all das müssen die Überlebenden ertragen.
„Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“ erzählt das Unglück aus der Sicht verschiedener Betroffener, die am Ende überlebt haben, aber viele Menschen auf ihrem Weg hatten, denen es nicht so erging. Alle haben dasselbe Unglück mit denselben Rahmenbedingungen erlebt, und doch war es für alle anders. Jedes Kapitel erzählt den Schicksalsschlag aus einer neuen Perspektive. Immer wieder werden Andeutungen gemacht, die verdeutlichen, dass die Erzählerperspektive von der Vergangenheit erzählt. So wird eine Behauptung aufgestellt und im selben Atemzug erklärt, wie falsch diese Annahme war. Durch diese unterschiedlichen Blickwinkel ist man als Leser in der Katastrophe gefangen,und erlebt diese hautnah mit, immer und immer wieder. Das liebende Ehepaar, das ihren ersten Nachwuchs erwartet. Die Familie, die mit der Ablehnung nach der Flucht klarkommen muss. Der Soldat, der heiraten und eine Familie gründen wollte und nun als der „Kranke“ keine Chance mehr hat. Oder Familien, die um das Überleben ihrer Kinder kämpfen, deren kleine Körper nie eine Chance hatten. So viele verschiedene Blickwinkel auf das gleiche Ereignis.
Die dramatischen Erzählungen werden perfekt von detailliert gezeichneten Bildern unterstützt. Die Kombination aus beidem zieht den Leser komplett in die Szenerie. Es wurde sehr viel Detaillliebe aufgewendet, für alles, somit aber auch für die Auswirkungen des Unglücks. Missbildungen, Krankheiten, Verätzungen – schonungslos wird gezeigt, was den Menschen zugestoßen ist.
Fazit
„Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“ ist ein Bericht von Überlebenden und lässt den Leser hautnah miterleben, was sie damals durchmachen mussten.
Pro & Contra
+ gute und fesselnde Erzählungen
+ unterschiedliche Blickwinkel auf dasselbe Geschehen
+ saubere Zeichnungen
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5 /5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5