World’s End Blue Bird (Anji Seina)

worlds end blue bird

Hayabusa (Juni 2026)
ca. 220 Seiten, 8,50 EUR
ISBN: 978-3-551-62623-3

Genre: Yaoi


Klappentext

In einer nahen Zukunft mit einem immerwährenden Sommer wird die Megacity Tokyo von Magiern regiert. Während die Elite ein luxuriöses Leben in „Eden“ führt, müssen die Armen im Dämmerungsdistrikt täglich ums Überleben kämpfen. In diesem Slum lebt Ray, der für Geld jede Arbeit annimmt.
Eines Tages begegnet er Guang, einem Mann von außergewöhnlicher Schönheit und mit geheimnisvollen Tätowierungen. Trotz seiner arroganten Art kann sich Ray Guangs Anziehungskraft nicht entziehen und sie verbringen eine Nacht zusammen. Aus dieser unerwarteten Liaison entsteht eine Liebe, die selbst die Gesetze dieser Welt herausfordert…


Rezension

Vor ungefähr einem Jahrhundert gab es abnormale Wetterphänomene und Erdbeben aufgrund eines Meteoriteneinschlags. Ein Großteil der Welt wurde dadurch unbewohnbar. In Tokyo war das Leben noch möglich, doch darüber bildete sich ein Tiefdruckgebiet mit Wolken, die Strudel formten und nicht mehr verschwanden. Sie bedeckten den gesamten Himmel und drohten, das Leben auf der Erde komplett auszurotten. Doch plötzlich erschien ein Magier, der ein Loch im Himmel erzeugte, wodurch sich die Wolken auflösten. Dadurch wurde das Klima subtropisch und ein endloser Sommer war da. Der Magier wurde zum Herrscher, dem man mit Angst und Verehrung begegnete. Und es entstanden zwei Gesellschaften. Die Reichen, die immer reicher wurden, die oben in den Hochhäusern über der Stadt lebten, zusammen mit dem Magier und seiner Familie. Und unten in den Slums lebten die Armen, die immer ärmer wurden.

Ray gehört zu den Armen. Er versucht sich durchzuschlagen, indem er jeden Job annimmt, solange er gut bezahlt ist. Er redet sich ein, ihm wäre niemand anderes wichtig, doch wegschauen kann er nicht, wenn andere in Not sind. Durch seinen Adoptivvater hat er im Gegensatz zu den meisten in den Slums eine gute Bildung und kennt viele alte Geschichten. Vielleicht ist das der Grund, wieso er es wagt zu träumen. Er möchte viel Geld sammeln und Tokyo verlassen. Er weiß nicht, ob da draußen noch irgendwas ist, aber er möchte es selbst sehen.

Doch all seine Pläne werden über den Haufen geworfen, auch wenn er das zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, als er auf Guang trifft. Ein scheinbar weltfremder, wunderschöner Mann, der in den Slums auftaucht, obwohl er ganz offensichtlich nicht hierhingehört. Ray möchte sich eigentlich gar nicht mit ihm befassen, doch als er ihn versehentlich mit dem Motorrad anfährt, bleibt ihm nichts anderes übrig. Um nicht verhaftet zu werden, dafür einen Adligen verletzt zu haben, nimmt er ihn spontan mit zu sich nach Hause, um ihn zu pflegen. Guang scheint aber kein Interesse zu haben, ihm Vorwürfe zu machen, sondern schlägt kurzerhand vor, er solle mit ihm schlafen, dann sei alles vergessen. Ray hat kein Problem damit, er hat bereits sowohl mit Männern als auch mit Frauen geschlafen und wenn er damit seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann, ist er dabei. Und so erfüllt er Guangs Bedingung.

Doch das sollte nicht ihr letztes Treffen gewesen sein. Denn Guang schafft es einfach nicht, sich in den Slums einzufügen, er kann sich nicht mal etwas zu Essen kaufen, weil er kein Kleingeld besitzt und läuft naiv den erstbesten Dieben in die Arme. So kommt Ray ihm zu Hilfe, natürlich nur für eine angebotene Bezahlung. Er verspricht Guangs Bodyguard zu werden und ihm die Slums zu zeigen, für eine entsprechend hohe Summe. Was aber keiner von ihnen weiß: damit gerät Ray in das Visier der falschen Leute. Denn man trachtet Guang nach dem Leben und kennt dabei keine Skrupel. Ob das mit Guangs Geheimnis zusammenhängt? Je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, um so weniger können sie voneinander lassen – was sind das nur für Gefühle?

„World’s End Blue Bird“ zeigt eine Welt, die nicht unbekannt scheint – eine große Schere zwischen Arm und Reich und wenig Verständnis füreinander, um diese Situation zu ändern. Es gibt die, die einfach überleben wollen und die, die zu Revolten aufrufen, um das Leben zu verbessern. Und dazwischen die wenigen, die sich eine bessere Welt wünschen, dabei aber auf viele Widerstände stoßen. Unbekannt ist dabei das Konzept mit dem Magier, doch dies wird nur bedingt im ersten Band behandelt. Es wird von Magiern gesprochen, es wird auch zum Ende etwas aufgeklärt, wie das zustande kommt – aber welche Macht der Magier letztendlich besitzt, wird noch nicht weiter aufgedeckt. Viel mehr geht es erst einmal um das Zusammenspiel zwischen Ray und Guang und die Machtspiele, die um sie herum toben. Während sich Ray immer wieder einredet, er handle nur in seinem Interesse, beweist gerade Guangs Anwesenheit ihm immer wieder aufs Neue, dass dies nicht stimmt. Guang ist überheblich und gleichzeitig sehr naiv. Einerseits ist ihm sehr wohl bewusst, was um ihn herum geschieht, andererseits scheint er nicht sehr vorsichtig vorzugehen. Eventuell werden diese Verknüpfungen in den folgenden Bänden noch genauer dargestellt.

Grafisch hat der Manga einige Schwächen. Zwar sind die Charaktere abwechslungsreich gestaltet und können gut auseinandergehalten werden, aber gerade Bewegungen sind nicht gut umgesetzt. Es wirkt alles etwas steif und unnatürlich. Besonders Unterkörper scheinen nicht die Stärke des Mangaka zu sein. Sie wirken teilweise deformiert, oder einfach falsch platziert.


Fazit

„World’s End Blue Bird“ zeigt ein Rankespiel zwischen Arm und Reich und den Versuch, eine verkorkste Welt zu retten, eingehüllt in einer Liebesgeschichte mit vielen Hindernissen.


Pro & Contra

+ gute Weltaufbauung
+ nachvollziehbare Charakterentscheidungen
+ interessante Verknüpfungen

- ausbaufähige Zeichnungen

Bewertung: sterne3.5

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 2/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5