
Carlsen (Juni 2026)
ca. 212 Seiten, 12,00 EUR
ISBN: 978-3-551-80899-8
Genre: Drama, Fantasy
Klappentext
Willkommen in einer Welt, in der mächtige Drachen die wahren Herrscher sind!
Aufgezogen von Drachen, wird Nato in einer Höhle vom Drachenjäger Rudora entdeckt und in die Stadt verschleppt. Wie ein wildes Tier sperrt sich das Mädchen gegen ein Leben unter Menschen – bis sie Vertrauen zum gleichaltrigen Ranak fasst und beginnt, menschliches Verhalten zu erlernen. Doch bald steht Nato vor einer schweren Entscheidung: Die Drachenjagd ist existenziell für die Stadtbewohner … und auch Nato soll ihre Aufgabe erfüllen.
Der Auftakt eines epischen Dark-Fantasy-Werks voller Action, Geheimnissen und unerwarteter Wendungen vom Schöpfer von „Leviathan“.
Rezension
Neben den Menschen leben in der Welt auch Drachen – mächtige Wesen, gegen die Menschen nur schwer gewappnet sind. Doch es gibt Drachenjäger, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Drachen zu erlegen und die wertvollen Körper zu den Menschen zu bringen. Rudora ist einer dieser Drachenjäger. Als er eines Tages in einer Drahenhöhle ist, wo er es auf die Eier abgesehen hat, entdeckt er ein Mädchen. Doch es wirkt nicht, als wäre sie von den Drachen als Nahrung verschleppt worden – viel mehr scheint sie von den Drachen aufgezogen worden zu sein. Da aktuell keine Drachen-Eltern, sondern nur das Mädchen und drei Drachen-Jungen da sind, tötet Rudora kurzerhand zwei der Drachen und packt das Mädchen und den dritten Drachen ein, um sie gegen ihren Willen mit in seine Stadt zu nehmen.
Da Nato um sich beißt und nicht freiwillig bleiben möchte, wird sie erst einmal eingesperrt. Das Drachenjunge kommt ebenfalls in einen Käfig, für Experimente. Die Menschen versuchen Kontakt zu Nato aufzubauen, doch sie öffnet sich ihnen gegenüber nicht und verweigert das Essen. Als letzten Ausweg bitten sie den Waisen Ranak, der im selben Alter wie Nato ist, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Ranaks Heimatstadt wurde von Drachen zerstört, seine Eltern getötet und seine Schwester verschleppt. Er schafft es, zu Nato durchzudringen, mit seiner Hilfe beginnt sie zu essen und lernt langsam zu sprechen und sich wie ein Mensch zu benehmen. Endlich kann man sie aus dem Käfig lassen und möchte sie vollständig in die Stadt integrieren – allerdings bedeutet das, Drachenjäger zu werden …
„Dragon Hunt Tribe“ greift ein bekanntes Thema auf: Ein Mensch, der nicht unter Menschen aufwächst und plötzlich in die Menschenwelt kommt und lernen muss, was das bedeutet. Allerdings geht der Manga hierbei recht grob vor. Nato muss mitansehen, wie ihre Geschwister vor ihren Augen getötet werden, wird entführt, ausgeschimpft, weil sie sich wehrt und dann verlangt man schonungslos als einzige Alternative, dass sie ihresgleichen, also Drachen, töten solle. Es wird behauptet, um in der Stadt bleiben zu dürfen, gäbe es keine Alternative. Allerdings sieht man nicht, dass jeder Stadtbewohner regelmäßig auf Drachenjagd geht. Außerdem war es ja nie Natos Wunsch, in der Stadt zu bleiben, also wieso sollte man ihr dann gerade mit diesem Aufenthalt drohen?
Die Menschen gehen absolut nicht behutsam mit ihr um, zeigen ihr ganz selbstverständlich die Drachenleichen, um zu erklären, was sie daraus alles Nützliches gewinnen. Noch dazu wird das gefangene Drachenjunge für Experimente gefoltert. Wozu diese Experimente dienen, wird nie aufgeklärt. Da die Menschen ja schon sehr vieles Nützliches mit den Drachenteilen anzufangen wissen stellt sich schon die Frage, was man noch mehr herauszufinden erhofft. Und obwohl doch gerade das alles so wertvoll ist, hatte Rudora die beiden getöteten Jungen einfach achtlos in der Höhle liegen lassen, auch nachträglich versuchte niemand, die wertvollen Leichen zu holen.
Das wirkt alles etwas holprig und somit ist Natos Entwicklung nur schwer nachzuvollziehen. Wieso ihr die Menschen plötzlich so wichtig werden, dass sie sich ohne Fragen zu stellen deren Lebensweise anpassen möchte, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Beim Lesen wirken eigentlich die Menschen wie die Monster, während man mit den Drachen fast schon Mitleid bekommen könnte.
Die Zeichnungen sind aufwendig und detailreich gestaltet. An manchen Stellen wirken die Charaktere aber auch etwas unsauber. Sehr viel Liebe wurde in die Gestaltung der Drachen gelebt. Dabei scheinen die Menschen aber etwas untergegangen zu sein, die einfach gehalten sind und deren Emotionen nur grob dargestellt werden.
Fazit
„Dragon Hunt Tribe“ entführt in eine Welt voller Drachen, in der aber die Menschen im Mittelpunkt stehen, die zumindest in Band 1 keine ihrer Handlungen hinterfragen.
Pro & Contra
+ Aufbau einer eigenen Welt
+ detailreiche Gestaltung der Drachen
- unverständliche Handlungen
- unklare Einordnung, auf wessen Seite der Leser stehen soll
- unsaubere und einfache Zeichnungen bei den Menschen
Bewertung: ![]()
Handlung: 2/5
Charaktere: 2/5
Zeichnungen: 3,5/5
Lesespaß: 2/5
Preis/Leistung: 2/5