Liebe Leser*innen,
eigentlich hätte ich den Titel vom letztjährigen Bericht zum Buchmesse Convent in Dreieich wiederverwenden können, aber ich habe mir für Euch was Neues aus den Fingern gesaugt. „Menschen wie ich“ trifft es aber auch in diesem Jahr perfekt, es ist einfach schön unter Phantast*innen zu sein. Alle wissen, wovon man redet, man muss nichts groß erklären, denn wir leben an diesem einen Tag im gleichen Paralleluniversum und wenn wir dort sind, spürt man gar nicht dieses ganze Jahr, das bereits wieder vergangen ist. Der BuCon war natürlich auch 2026 „in jeder Hinsicht phantastisch“, denn hier gab es wieder alles, was das Herz begehrt: Fantasy, Science Fiction und Horror im Überfluss, dazwischen alle denkbaren und undenkbaren Genre-Crossover. Und auch die Menschen dort sind phantastisch, auch in jeder Hinsicht. Ihr merkt: ich habe mich sehr wohl gefühlt. Und irgendwie gar nicht so viel vom umfangreichen BuCon-Programm mitbekommen …
Die Frankfurter Buchmesse habe ich wieder einmal ausfallen lassen, denn seit Freitag auch ein Besuchertag ist schrecken mich die Menschenmassen ab. Irgendwann will ich mal wieder dort vorbeischauen, an einem Mittwoch oder Donnerstag, aber dieses Mal konnte ich mich nicht aufraffen – und fast hätte ich mich nicht zum BuCon aufgerafft. Da ich aber eine wahnsinnig sympathische, zuverlässige und kommunikative Mitfahrgelegenheit habe, den Chefredakteur von „Perry Rhodan“ höchstpersönlich, habe ich mich dann doch noch aufgerafft. Schon die Hinfahrt war phantastisch, denn mit Klaus N. Frick kann man wunderbar über Science Fiction, Phantastik und die Welt quatschen. Um 12 rum waren wir dort und ich habe zuerst am „Perry Rhodan“-Stand vorbeigschaut (Foto rechts), um Adnan Turan (der einen tollen Artikel für den letzten PHANTAST geschrieben hat) Hallo zu sagen, und dann ging es weiter zum Amrûn Verlag, um meine Queer*Welten-Sammlung zu vervollständigen und den zweiten Band von Jol Rosenbergs „Das Geflecht“ zu ergattern. Und natürlich, um Jürgen Eglseer zu sehen, der wie ein Fels in der Brandung trotz aller Untergangsszenarien weiter coole Bücher macht. Danach bin ich erst einmal fast zwei Stunden draußen gestanden und habe mit verschiedenen Leuten gequatscht und wenn Heike Knopp-Sullivan nicht zum Phantastischen Poetry Slam aufgebrochen wäre, wäre ich dort wohl stehengeblieben. Aber da der Poetry Slam bereits legendär ist, wollte ich mir den auch mal anschauen und habe neben Theresa Hannig den Vortragenden gelauscht (und auf die Applausauswertung gespickelt, bei der Theresa geholfen hat). Gewonnen hat Luc François, der eigentlich wie in den beiden vorherigen Jahren den dritten Platz erstreiten wollte, doch mit dem ersten wird er mehr als zufrieden sein!
Danach bin ich wieder eine Weile draußen gestrandet, es gibt einfach zu viele Leute, mit denen man gerne redet und es gab auch viel zu bereden. Natürlich ging es auch um das allgegenwärtige Thema KI, aber auch um Spice bzw. Chillis, Romantasy, Horror und den jährlichen Untergang der Buchbranche, wobei es aktuell wirklich sehr schwierig für viele ist. Der BuCon ist in den letzten Jahren erfreulicherweise gewachsen, das Programm ist umfangreich und die Besucher*innen zahlreich, doch es ist auch schwer für Autor*innen und Verlage, in der Masse aufzufallen. Und am Ende sind es oft doch zu wenige Leser*innen bzw. Buchkäufer*innen, auch wenn das auf dem BuCon anders aussah.
Zwischendurch habe ich mir die Anthologie „Smartokratie“, herausgegeben von Christoph Grimm, Sarah Lutter und Kai Focke, und das neue „Weltenportal“ (mit megacoolem Cover!) geschnappt und bin dann zur Lesung von Alessandra Reß (Foto oben links), die hinter der Bühne ihre urbane Feengeschichte „In Bernstein gebannt“ vorgestellt hat, die frisch im neuen Brosch Verlag erschienen ist. Die Lesung habe ich zwischen zwei Ralf (fantasyguide und sf-lit) und zwei Bier verbracht und mich im Spiegel betrachtet, während Alessandra gelesen hat. Der Raum hinter der Bühne dient normalerweise wohl zum Umziehen, Frisieren und Schminken. Danach bin ich mit Heike zum Stand des Brosch Verlags geflitzt, um „In Bernstein gebannt“ zu erwerben, wo sich schnell eine kleine Schlange gebildet hat. Klaus kam auch dazu und musste sich anstellen, so begehrt war Alessandras Buch.
Direkt danach ging es in die Saletta zu Oliver Plaschka (Foto rechts), der Rock’n’Roll versprach und geliefert hat. Er las aus „Die Geister von La Spezia“ (was für mich zu den besten Büchern dieses Jahres gehört!) eine sehr coole, düstere Szene aus dem letzten Drittel des Buches und ich finde es großartig, wenn jemand mal nicht die ersten Kapitel liest, sondern ohne Angst vor Spoilern eine tolle Szene mitten aus dem Buch nimmt. Denn es ist so, wie Oliver auch sagte: wer das Buch noch nicht kennt, wird nicht wissen, worum genau es da geht. Und solche Szenen aus der Mitte sind perfekt, um Neugier zu wecken, schließlich will man wissen, wie es dazu kam – und eine spektakuläre Szene, wie Oliver sie gelesen hat, bleibt im Kopf!
Nach einer kleinen Pause ging es zur für mich letzten Lesung des Tages von James A. Sullivan aus „Das Lied der letzten Reise“ (Foto unten links). Der Roman ist im Sommer erschienen und wird als Cozy Fantasy vermarktet, was durchaus passt, aber das Buch ist so viel mehr. Vor allem eine perfekte Herbstlektüre. Spannend bei den Lesungen von James finde ich immer seine Gedanken zur Handlung des aktuellen Buches sowie zur Phantastik allgemein und es ergeben sich meist interessante Fragen und Gespräche.
Zum Abschluss quatschte ich noch ein bisschen mit Christoph und Jana beim Eridanus Verlag und ärgerte mich, dass ich Sven Haupt verpasst hatte. Ich habe wahrscheinlich viele Leute verpasst, an vielen bin ich nur winkend vorbeigelaufen und manche habe ich nur von Weitem gesehen. Es ist zwar toll, so viele Leute zu kennen, aber ein Tag ist echt zu kurz und ich finde es immer schade, wenn ich an vielen nur vorbeigelaufen bin. Irgendwann war mein Kopf aber auch voll und ich sicher keine allzu gute Gesprächspartnerin mehr.
Zum Abschluss half ich dem „Perry Rhodan“-Team beim Abbau und war erstaunt, wie schnell das ging und wie schnell auch alle anderen Stände abgebaut waren. Der BuCon löste sich sozusagen in Luft auf. Klaus wollte noch mit seinen Leuten essen, also hatte ich die Gelegenheit, jede Menge supergeheime Interna aufzuschnappen – allerdings war es so laut im Restaurant, dass ich kaum etwas verstanden habe. Spaß beiseite, viel Geheimes gab es nicht, wir haben uns nur ein wenig über den Tisch hinweg angebrüllt und alle waren sichtbar müde, aber es war trotzdem ein schönes Beisammensein zum Abschluss eines wunderbaren BuCons – wobei, mein persönlicher Abschluss war wieder die Heimfahrt mit Klaus, wo es doch noch einiges zu Bequatschen gab, unterbrochen von meinem Gähnen. Ich war wirklich groggy, aber es war ein rundum guter Tag.
Und jetzt stöbere ich noch ein bisschen in anderen BuCon-Eindrücken auf Social Media …
Bis nächstes Jahr!
- Judith