Im Mai 2026 erschien "Eddos goldenes Lächeln" von Stella Gaitano:
"Ein unvergesslicher Roman über das Leben und Überleben zweier Frauen im Sudan
In einem kleinen Dorf im südlichen Sudan wächst Lucy unter dem abfälligen Namen »Irinu« auf, den ihre Mutter Eddo ihr gab, um den Tod abzuschrecken. Als Eddo stirbt, heiratet Lucy Marco und flieht mit ihm vor dem Krieg in den Norden des Sudans, nach Khartum. Dort wohnen sie bei Freunden, doch die politischen Unruhen des Landes holen sie auch in der Stadt ein und bedrohen ihre neue Heimat.
Ein poetischer, intensiver Roman, der die enormen Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen den Geschlechtern und den Religionen in einem von Gewalt geprägten Land am Beispiel unvergesslicher Figuren erzählt."
Zur Autorin: Stella Gaitano, geboren 1979 in Khartum, ist eine südsudanesische Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin. Sie begann früh mit dem Schreiben und publizierte Kurzgeschichten auf Arabisch. Ihr Debütroman Eddos goldenes Lächeln (2018) war der erste südsudanesische Roman, der mit einem PEN Translates Award ausgezeichnet wurde. Gaitanos Literatur kreist um Krieg, Vertreibung und Identität. Seit 2022 lebt sie im Exil in Deutschland.
seit den letzten Kleinverlagsperlen ist wieder zu viel Zeit vergangen, wobei Euch vielleicht aufgefallen ist, dass ich inzwischen mehr Kleinverlagsbücher und Bücher von Selfpublisher*innen rezensiere als Bücher von großen Verlagen, die sich oft auf wenige Trendthemen zurückgezogen haben. Die Phantastik-Programme werden immer magerer, während Kleinverlage weiterhin eine beachtliche Vielfalt bieten. Man spürt zudem, wie viel Herzblut in den Büchern steckt. Bei Kleinverlagen finde ich immer wieder spannende Geschichten, die nicht irgendwelchen Trends folgen, sondern eigensinnig und wirklich kreativ sind, anspruchsvoll und progressiv. Sie haben definitv mehr Aufmerksamkeit verdient:
Sven Haupt gehört inzwischen zu meinen Lieblingsautor*innen und jedes neue Buch wird sehnsüchtig erwartet. Eigentlich könnte ich hier alle Bücher vorstellen, doch ich habe mich für "Anahita" entschieden, das mich als Mix aus Space Opera, Steampunk und Military SF und mit seinem mystischen Wasserplaneten besonders begeistert hat. Britannien ist hier ein galaktisches Steampunk-Imperium, das in seinem unersättlichen Rohstoffhunger einen Planeten nach dem anderen unterwirft. Der Wasserplanet ist besonders attraktiv für Britannien, da hier transdimensionale Kreaturen leben, aus denen große Mengen Energie gewonnen werden kann. Doch dieser Planet ist eine paradiesische Hölle, in der Menschen neben einer faszinierenden Megafauna existieren und im Einklang mit einer Göttin leben, die alles Leben durchdringt und dabei namenlos bleibt. Britannien beißt sich die Zähne an dem Matriarchat aus, das sich auf höchst kreative Weise gegen den aggressiven Kolonisator wehrt. Im Zentrum der Handlung stehen zwei ungewöhnliche Protagonist*innen, die sich auf verschiedenen Seiten des Krieges wiederfinden und dennoch für die gleiche Sache kämpfen. Ein großartiger Roman, der ein wenig an "Avatar" erinnert, aber viel besser ist!
Cozy Hard-SF - so könnte man "Und hoffentlich zu lernen ..." von Becky Chambers beschreiben und wird dem Werk doch nicht gerecht. Der Roman steckt voller Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten und widmet sich insbesondere der Biologie inklusive außerirdischen Lebewesen, von Einzellern über Pflanzen und Tiere, die auf unterschiedlichen Planeten eines fremden Sonnensystems existieren. Die Erde hat ein Jahrhundert der Kriege und Katastrophen hinter sich, dennoch ist es der Öffentlichkeit gelungen, eine Raumfahrtmission zu finanzieren und umzusetzen. Vier sympathische Protagonist*innen brechen auf, um ferne Planeten zu erforschen. Auf sie warten ganz unterschiedliche Herausforderungen, die sich aus den sehr unterschiedlichen physikalischen Bedingungen der Planeten und dem Leben auf engem Raum ergeben - und Unsicherheit, als der Kontakt zur Erde abbricht. Sie machen dennoch weiter, angetrieben von ihrer Neugier und ihren Entdeckungen.
"Arborealität" ist einer der besten Romane über den Klimawandel, die ich bisher gelesen habe. Ein Mosaikroman mit sechs Geschichten, die lose miteinander verbunden sind und die Eskalation der Klimakrise anhand individueller Schicksale von Menschen aus einer Region in Kanada beschreiben. Rebecca Campbell zeigt eine Welt, die unserer noch sehr ähnelt, in der sich aber vieles bereits verschoben hat und die für die Figuren immer kleiner wird. Katastrophen reihen sich aneinander, eine Universitätsbibliothek zerfällt langsam und Menschen retten so viele Bücher, wie sie können. Ein Mann renaturiert die Gärten seiner Nachbarn, als diese flüchten. Ein anderer baut eine Geige für ein begabtes Kind, über Jahre hinweg, trotz des allgegenwärtigen Zerfalls. Und es entsteht es etwas Neues, die Menschen passen sich an, es ist niemals leicht, doch sie finden Wege - vor allem durch ihren Zusammenhalt. Ein hoffnungsvolles und zugleich realistisches Buch über eine Zukunft, in der sich alles verändert. "Arborealität" ist beim Carcosa Verlag auf Deutsch erschienen (als wirklich hübsches kleines Hardcover!). Ich habe den Roman fürs SF-Jahr 2025 rezensiert - hier verlinkt ist die Rezension von Swantje zur Originalausgabe.
Eine der besten Anthologien, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, vor allem aufgrund der Vielfalt der Beiträge, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit psychischen Erkrankungen und Neurodiversität beschäftigen und dabei unterschiedlichste SF-Genres wie Cyberpunk, Solarpunk, Space Opera und Dystopien bedienen. Allein wegen „Ein Schritt ins Leere“ von Aiki Mira, „Seelenruh“ von Marie Meier und „Hesitation Marks“ von Thorsten Küper würde sich der Kauf lohnen, doch die Anthologie hat noch mehr zu bieten und erzählt von neurotischen KIs, Robotern, die glücklich machen sollen und an Depressionen scheitern, Belastungen in zukünftigen Gesundheitssystemen, Zwangsstörungen, Psychosen, ADHS, PTBS oder auch Hypersensibilität. Die Umsetzung ist überwiegend sensibel und differenziert. Besonders spannend ist, zu lesen, wie sich all dies in futuristischen Umgebungen auswirkt und was technologische Hilfsmittel verbessern oder auch verschlechtern können.
Die "Etomi"-Dilogie ist eines der ungewöhnlichsten SF-Werke, die ich bisher gelesen habe, obwohl es sich eigentlich um eine klassische Dystopie handelt: In ferner Zukunft leben die Menschen in einer Kuppelstadt, sind genetisch optimiert und werden von einer Künstlichen Intelligenz versorgt, die sie als "Große Mutter" wie eine Gottheit betrachten. Die Kuppelstadt ist ein Paradies mit Ablaufdatum: Erreichen Menschen ein Alter von Mitte Vierzig, sollen sie für die Gemeinschaft sterben. Protagonistin Lea tritt die Flucht an und landet in einer Außenwelt, die dreckig und düster ist und alles, was sie bisher glaubte, auf den Kopf stellt. Und sie ist überhaupt nicht auf diese andere Welt vorbereitet und findet dennoch Wege, die mit viel Schmerz und Enttäuschung, aber auch mit Erkenntnissen und Selbstbestimmung verbunden sind. Im zweiten Band sieht man schließlich noch mehr von der Zukunft, nicht so leer ist, wie es zunächst aussah. Jol Rosenberg verbindet typische Dystopie-Elemente mit einem komplexen, sehr spannenden Worldbuilding und Figuren, die scheitern und wachsen.
Eigentlich mag ich Elfen nicht besonders, doch in den letzten Jahren konnte mich so mancher Roman doch für die Fantasywesen begeistern. Einer davon ist "7 Sorten Schnee" von Juri Pavlovic, ein recht dickes Buch, das ich innerhalb von drei Tagen verschlungen habe. Ein herzerwärmender Roman mit einem Protagonisten, der fast schon zu gutherzig ist, aber auch unheimlich sympathisch und liebenswert und verantwortungsvoll. Ergänzt wird er durch einen Magier, dessen Schicksal mit dem der Stadt der Winterelfen und den Drachen, die sie bedrohen, verbunden ist. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte (slow burn) und die Seiten fliegen nur so dahin, während man die Stadt und ihre Bewohner*innen besser kennenlernt, die Ungerechtigkeiten erkennt und Geheimnisse ergründet. Ein toller, winterlicher Fantasyroman, der Tiefgang und Leichtigkeit vereint.
Ich liebe Phantastik, die sich mit Musik beschäftigt, und "Liminal Creatures" bietet darüber hinaus noch alle anderen sinnlichen Freuden, verkörpert durch Psychai: niedere Dämonen, die Pakte mit Menschen schließen, von ihnen Energie als Nahrung zu erhalten und sie dafür mit der Erfüllung erotischer Träume, sinnlicher Begierden und künstlicherischer Ambitionen belohnen. Auch Liebe und Zorn werden bedient von Amoren und Furien. Musiker Evan entdeckt zwischen seinen Noten die Limbus-Symphonie und vermag sie komplett zu spielen, was ihn zu einem Joker macht: er verkörpert alle Energien, die die Psychai brauchen. Sie veranstalten einen Wettbewerb mit ihm als Preis und stellen ihm ihre Fähigkeiten zur Verfügung - im Gegenzug soll er entscheiden, wer gewonnen hat und diesen Psychai dann für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung stehen. Evan stehen jedoch seine ganz persönlichen, inneren Dämonen im Weg und während er versucht, alte Fehler mit Hilfe der Psychai auszubügeln, macht er alles nur schlimmer ...
Enemies to Lovers gehört zu meinen Lieblings-Tropes - wenn die Protagonist*innen wirklich Feinde sind und ihr Hass und ihre Vorurteile nicht innerhalb weniger Seiten überwunden sind. Inquisitor Kjeld und Schwarzmagier Nino brauchen in "Klinge & Blutmagie" einiegs an Zeit, um Vertrauen zu fassen und die Anziehung, die sie beiden spüren, zuzulassen - und auch dann noch bleibt das Misstrauen, das in ihnen über Jahre gewachsen ist und ihnen teils auch anerzogen wurde. Kjeld kämpft in der Inquistion gegen Dämonen und hat gelernt, dass Schwarzmagie das pure Böse ist und alle, die sie anwenden, bestraft werden müssen. Nino hingegen möchte seine verbotene Blutmagie erforschen und nutzen und verabscheut die Inquisition, die Menschen wie ihn vorverurteilt und verfolgt. Um einen mächtigen Dämon zu besiegen, müssen die beiden zusammenarbeiten und ihre Vorurteile überwinden, was alles andere als einfach ist. Ein sehr düsterer Fantasyroman voller Graustufen.
Inzwischen gibt es auch viele Selfpublisher*innen, die großartige Phantastik veröffentlichen und deren Bücher qualitativ längst mit Verlagsbüchern mithalten können und teilweise sogar besser sind (weil so mancher größere Verlag inzwischen am Lektorat/Korrektorat zu sparen scheint). Der nächste Teil von "Unsichtbare Schätze" wird sich daher mit Selfpublishing-Titeln beschäftigen :)
Ich hoffe, es war etwas für Euch dabei, und wünsche viel Freude beim Lesen!
- Judith
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Heart of Mischief (Emma Noyes)
Judith
Im Juli 2026 erscheint "Heart of Mischief" von Emma Noyes:
"Charlie hat nur noch ein Ziel: Elias Everhart zu vernichten. Der Junge, dem sie ihr Herz anvertraute, hat sie hintergangen und ihre Familie in höchste Gefahr gebracht. Ihre Freunde können nun die verborgene, gefährliche Welt Asgards sehen und sind deren Gefahren ausgeliefert.
Als Charlie im Wald über zwei Leichen stolpert, ergibt sich eine Gelegenheit, ihren Plan in die Tat umzusetzen, denn Elias kehrt zurück in die Stadt. Sein Angebot: Er will Charlie helfen, den Mörder zu finden. Charlie willigt ein – und plant heimlich seinen Tod. Doch je mehr Zeit sie mit dem gefährlich charismatischen Elias verbringt, desto schwerer fällt es ihr, ihren Hass aufrechtzuerhalten. Wird es Charlie gelingen, ihren Racheplan umzusetzen? Oder wird sie ihr Herz ein zweites Mal an den Feind verlieren?"
Buchdetails:
Reihe: Soul of Shadow, Band 2 Übersertzung von Diana Bürgel Paperback, 432 Seiten, 18,00 EUR ISBN: 978-3-492-71092-3
Zur Autorin: Emma Noyes schreibt Bücher über Liebe, Mental Health und Magie sowohl für ein junges als auch ein erwachsenes Publikum. Ihre Werke wurden in über ein Dutzend Sprachen übersetzt und umfassen „Guy’s Girl“, „How to Hide in Plain Sight“, die „The Sunken City“-Reihe und die „Soul of Shadow“-Reihe. Sie war 2025 auf der Forbes-Liste „30 Under 30“ vertreten. Emma lebt mit ihrem schwedischen Ehemann und ihrem Zwergspitz in Chicago.
"Maevyth Bronwick weiß, dass der Wald neben ihrem Dorf verflucht ist. Niemand, der die Eating Woods betritt, kehrt jemals zurück. Doch ein tragischer Schicksalsschlag treibt sie dazu, sich in das düstere Labyrinth zu wagen. Dort trifft sie auf Zevander Rydainn, den tödlichsten Assassinen des gesamten Kontinents Aethyria. Seine Beute kennt ihn nur als The Scorpion, denn Zevander tötet ohne jede Gnade. Er würde Maeve lieber den Monstern des Waldes überlassen, als sie zu beschützen — doch er braucht sie. Und je länger sie Seite and Seite versuchen, den Horror der Eating Woods zu überleben, desto klarer wird, dass ihre Anziehung gefährlicher ist als alles, was im Wald lauert ..."
Buchdetails:
Reihe: The Eating Woods, Band 1 Übersetzt von Silvia Gleißner Paperback, 816 Seiten, 18,00 EUR ISBN 978-3-7363-2681-1
Zur Autorin: Keri Lake schreibt düstere Geschichten über Antihelden, die auf der Grenze zwischen Gut und Böse wandeln, und kämpferische Protagonistinnen, die sie in die Knie zwingen. Sie möchte ihren Leser:innen mit ihren Büchern die Möglichkeit geben, in dunkle und intensive Welten abzutauchen. Sie liebt starken Kaffee, Indie-Musik und einen guten Rotwein.
Im Juni 2026 erscheint "I am the Blade" von Marie Graßhoff:
"»Das Haus« entscheidet über Leben und Tod, um die Welt vor der alles verzehrenden Dunkelheit zu retten - und Seren ist die Assassine, die von ihm geschickt wird, um zu richten. Als sie den Rebellen Vale tötet, wird seine Seele zur mächtigsten Waffe in ihrem Besitz. Doch er lässt sich nicht einfach bändigen. Seren will seine Kraft, Vale will ihren Tod. Als ein Verrat das Haus erschüttert, müssen sie sich entscheiden: einander vernichten oder Seite an Seite überleben? Doch in dem Netz aus Lügen, Gewalt und Verrat wächst etwas zwischen ihnen, das ebenso gefährlich sein könnte wie die Dunkelheit selbst."
Paperback 608 Seiten, 18,00 EUR ISBN 978-3-404-19644-9
Zur Autorin: Marie Graßhoff, geboren 1990 in Halberstadt im Harz, studierte in Mainz Buchwissenschaft und Linguistik. Anschließend arbeitete sie als Social-Media-Managerin bei einer großen Agentur. Mittlerweile ist sie als Autorin und Grafikdesignerin tätig und lebt in Leipzig. Ihre Bücher wurden für mehrere Preise nominiert, u.a. stand sie zweimal auf der Shortlist des Phantastik-Preises SERAPH. Bereits zweimal gewann sie den LOVELYBOOKS LESERPREIS.