Interview mit Zoe S. Rosary
Literatopia: Hallo, Zoe! Kürzlich ist mit „Wenn Feuer und Eis tanzen“ der zweite Band Deiner High-Fantasy-Romance „Die Legende der Sonnenelfen“ erschienen. Was erwartet die Leser*innen in der Reihe?
Zoe S. Rosary: In Die Legende der Sonnenelfen geht es um meine Sonnenelfe Cardia, die sowohl einem schwarzen als auch einem weißen Drachen begegnet. Beide Drachen stellen nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Sichtweise auf den Kopf und fordern sie mächtig heraus. Die Legende der Sonnenelfen ist eine Reihe der Gegensätze – hell meets dunkel, heiß trifft auf kalt, Göttliches begegnet Sterblichem.
Literatopia: Kommen wir zum ersten Band „Wenn Sonne und Mond tanzen“: Deine Protagonistin Cardia ist eine Generalin der Sonnenelfen. Wie kam sie zu diesem hohen Posten? Worin liegen ihre Stärken – und Schwächen?
Zoe S. Rosary: Cardia gehört zum Elfenstamm der Animari, d.h. sie kann sich mit Tieren oder anderen Wesen verständigen. Und Cardias Wesen, mit dem sie kommunizieren kann, ist der Drache. Cardia ist damit die letzte Drachenflüsterin der Sonnenelfen. Ihr ganzes Leben glaubt sie, dass Drachen nicht nur gefährlich sind, sondern auch ihre Eltern getötet haben. So wird sie Teil des Heeres der Sonnenelfen und trainiert so hart, bis sie zu den Besten gehört. Den Titel als Generalin bekam sie, nachdem sie zusammen mit Kronprinz Aslodin einen Friedensvertrag mit den Drachen ausgehandelt hat. Damit hat sie die Drachenkriege beendet und den Sonnenelfen eine lange Zeit des Friedens verschafft.
Ihre Stärke ist gleichzeitig ihre Schwäche. Denn als Generalin stehen ihr Emotionen nur im Weg. Sie ist zwar höflich und loyal, aber auch sehr distanziert und unnahbar, wenn es persönlich wird. Mit Gefühlen kann sie also nicht umgehen, weshalb ihr auch beide Prinzen sehr auf die Nerven gehen.
Literatopia: Cardia täuscht ein Gefährtenbündnis mit dem Versagerprinzen Valerian vor – warum wird er „Versagerprinz“ genannt? Was ist er für eine Person? Und wie kann er Cardia helfen?
Zoe S. Rosary: Valerian ist der Zweitgeborene und genießt sein Prinzen-Dasein in vollen Zügen, ohne Verantwortung tragen zu müssen. Somit geht er unbeschwerter durchs Leben als sein Bruder Aslodin. Herausforderungen nimmt er spielerisch und mit Humor. Er hat im Grunde genommen eine sehr positive Lebenshaltung – wenn ich falle, stehe ich eben wieder auf. Und fallen tut er im Leben sehr sehr oft.
Er wird unter vorgehaltener Hand im Heer als Versagerprinz bezeichnet, weil er kein Schwert führen kann. Egal, wie sehr er sich auch anstrengt, seine Füße wollen oft etwas anderes als seine Augen und auch seine Hände haben ein Eigenleben. Seine Leidenschaft gilt den Büchern und den Geschichten seines Volkes.
Mit dem vorgetäuschten Gefährtenbündnis hilft er tatsächlich eher seinem Vater als Cardia selbst. Ihr fällt das Bündnis ziemlich auf die Füße. Valerians Vater – der König der Sonnenelfen - hat sämtliche Fürsten zur Hochzeit des Kronprinzen Aslodin mit Prinzessin Erilea eingeladen. Nur ist diese nicht erschienen. Um die Fürsten zu besänftigen und ihnen dennoch ein Gefährtenbündnis zu bieten, schlägt Valerian vor, Cardia zu ehelichen.
Literatopia: Kronprinz Aslodin steht als Erstgeborener die ganze Welt offen, doch gänzlich frei scheint er nicht zu sein: sein Gefährtenbündnis mit der Mondprinzessin Erilea ist erzwungen. Wie geht er damit um? Erfüllt er seine Pflicht? Und was hält Erilea davon?
Zoe S. Rosary: Aslodin steht ständig unter Druck und das Bündnis mit Erilea ist das i-Tüpfelchen, weshalb er seine Emotionen nicht mehr unter Kontrolle hat. Natürlich möchte er seine Pflicht erfüllen. Denn ein Zerwürfnis mit den Mondelfen können sich die Sonnenelfen nicht leisten. Doch Erilea erscheint nicht, was den König in äußerste Bedrängnis bringt.
Literatopia: Elfen werden in der High Fantasy oft als ruhige, mächtige Wesen von ätherischer Schönheit dargestellt. Wie sind Deine Elfen? Und was reizt Dich persönlich gerade an diesen Fantasywesen?
Zoe S. Rosary: Meine Elfen haben definitiv ihre Fehler. :-) Natürlich darf die Elfen-Eleganz nicht fehlen. Genauso wenig wie ihre Magie. Doch sind meine Elfen nicht makellos. Sie schmieden ihre höflichen Intrigen zu ihrem eigenen Vorteil und nicht nur das gesprochene Wort hat Gewicht, sondern auch das, was bewusst nicht gesagt wird.
Ich bin tatsächlich ein Elfen- und ein Drachenfan. Ich mag die Eleganz, die man den Elfen nachsagt. Gleichzeitig fasziniert mich ihre Naturverbundenheit und auch ihre Sorglosigkeit. Was mich ebenfalls an Elfen begeistert, ist ihre Alterslosigkeit. Zeit spielt für sie oft keine Rolle. Sie können zwar sterben, aber dennoch ist ihre Lebensspanne bedeutend länger als bei uns Menschen.
Literatopia: Wie hast Du Deine Liebe zur Fantasy entdeckt?
Zoe S. Rosary: Schon sehr früh. Als Kind habe ich Geschichten wie Die kleine Seejungfrau oder Das letzte Einhorn geliebt. Mein erster Fantasyroman war Die unendliche Geschichte und etwas später ein Roman von Wolfgang Hohlbein über die Wölfe im Herzland. Ich mochte Romane über indigene Völker auf anderen Kontinenten, weil sie oft naturverbundener lebten und andere Götter verehrten. Genauso haben mich Engelgeschichten in der christlichen Mystik fasziniert. Im Grunde genommen alles Übernatürliche, weil ich glaube, dass es so viel mehr gibt, als das, was ich mit meinen eigenen Augen sehen kann.
Literatopia: Du schreibst „Fantasy mit Tiefgang und Romantik“. Romance wird allerdings oft vorgeworfen, keinerlei Tiefgang zu besitzen – was entgegnest Du diesem Vorwurf?
Zoe S. Rosary: Romance = Kitschig
Fantasy = Kriege und Schlachten
Tolle Vorwürfe. :`D Wer das gerne glauben mag, darf das gern tun. Ich muss niemanden bekehren und jeder darf gern lesen, was er am liebsten mag. Ich persönlich mag das Romance-Genre mit all seinen Subgenres und Facetten sehr gern. Denn in der Romance geht es um den Dialog zweier Seelen, die sich finden oder eben nicht. In einer Beziehung trägt jeder sein Päckchen, was die Romance oft sehr deutlich zeigt. Eine Beziehung ist niemals schwarz oder weiß, niemals einfach aber auch nie kompliziert. Sie ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle im alltäglichen Leben, wie eine gute Romance eben auch.
Genauso wie die Fantasy. Die Fantasy vermag ganze Welten aus den Angeln zu heben. Sie macht Unmögliches möglich und damit erweitert sie oft meinen eigenen Horizont. Auch ist die Fantasy ein guter politischer und gesellschaftlicher Spiegel. Man kann als Autor sehr deutlich Situationen auf die Spitze treiben, die wir in unserer Welt niemals erleben wollen oder eben Dinge kritisieren, die wir nicht gut finden.
Literatopia: Was macht für Dich eine gute Liebesgeschichte aus, die Dich mitreißt und mitfühlen lässt?
Zoe S. Rosary: Ganz klar die Emotionen, aber auch die Protagonisten. Wenn ich mich in sie hinein versetzen kann, dann fiebere ich mit, weine und lache mit ihnen.
Literatopia: Du hast eine lange Schreibreise hinter Dir: Du warst eine leidenschaftliche Leserin, hast aber lange nicht daran gedacht, selbst zu schreiben. Erst während der Elternzeit bei Deinem jüngsten Sohn hat sich das geändert, doch Deine ersten Geschichten blieben unveröffentlicht. Wann war für Dich klar, dass der Zeitpunkt zum Veröffentlichen gekommen war?
Zoe S. Rosary: Meine ersten Geschichten werden immer meine eigenen Herzstücke bleiben. :-) Und das ist auch gut so. Meine ersten beiden Romane sind sehr persönlich geworden und natürlich enthalten sie viele typischen Anfängerfehler, die sie haben dürfen.
Mit Naturgewalten war das anders. Es war der erste Roman, den ich in der Ich-Perspektive geschrieben haben. Innerlich habe ich beim Schreiben gefühlt, dass ich mit ihnen mutig genug sein könnte, um sie mit der Öffentlichkeit zu teilen. Ich bin da eher meinem Bauchgefühl gefolgt.
Literatopia: Du veröffentlichst Deine Romane im Selfpublishing, womit Du neben dem Schreiben alle anderen Arbeiten, die sonst ein Verlag übernehmen würde, erledigen musst. Was davon machst Du gern? Und was würdest Du manchmal doch lieber abgeben?
Zoe S. Rosary: Grundsätzlich mache ich nicht alles allein. Meine Cover erstellt meine Grafikerin. Und sie macht das echt traumhaft. Meine Website und mein Newsletter pflegt und verschickt mein Mann. Und auch der Buchsatz entsteht in der Zusammenarbeit mit meinem Mann. Ich bin froh, dass wir ein super gutes Team zusammen bilden. Gerade, wenn ich in einem Bereich nicht weiterkomme, hole ich mir gern Hilfe. Denn das Rad muss nicht immer neu erfunden werden.
Literatopia: Das Worldbuilding machst Du parallel zum Schreiben, unter anderem mit Hilfe von handschriftlichen Notizen. Wie gehst Du dabei vor? Welche Elemente Deiner Welten gestaltest Du zuerst? Und wie weit ins Detail gehst Du?
Zoe S. Rosary: Ich bin ein Naturmensch, weshalb oft die landschaftlichen Elemente einer Welt als erstes entstehen. In Die Legende der Sonnenelfen z. B. hatte ich zu Beginn die verschiedenen Elfen- und Drachenstämme. Dabei habe ich mir überlegt, in welchen Landschaften sie glücklich werden könnten. Genauso entsteht zeitgleich das politische System. Denn ohne das funktioniert eine eigene Welt nicht. Ich frage mich also schon vor dem 1. Kapitel, welche Regierungsform möchte ich haben. In Naturgewalten habe ich mich bewusst gegen eine Monarchie entschieden und stattdessen auf Grafschaften zurückgegriffen. In Eyaland stand fest, dass ich ein Matriarchat haben möchte. So ergibt relativ schnell eins das andere.
Literatopia: Auf Deiner Website schreibst Du, dass Du niemals KI-gestützte Software verwendet würdest, um zu schreiben. Warum nicht?
Zoe S. Rosary: Ich brauche keine KI um kreativ zu sein. Ich schreibe, weil ich vom Alltag abschalten möchte. Dazu brauche ich kein KI-Tool. Ich möchte mich in eine andere Welt träumen und mit meinen Protagonisten ein Abenteuer erleben. All das findet in meinem Kopf statt. Nicht in meinem Computer. :-) Ich benötige lediglich mein Schreibprogramm, um das Abenteuer festzuhalten.
Literatopia: Oft inspiriert Dich ein Song zu einer Geschichte. Hast Du ein Beispiel für uns? Welche Art von Musik inspiriert Dich? Und hörst Du auch während dem Schreiben Musik?
Zoe S. Rosary: Ich höre immer zum Schreiben Musik. Meistens ist es Filmmusik, manchmal aber auch andere Songs. In der Regel konzentriere ich mich auf ein oder zwei Songs, die ich in Dauerschleife höre. Je nach Szene ist es was Dynamischeres oder auch etwas Emotionaler.
Literatopia: Würdest Du uns abschließend verraten, was uns in naher Zukunft von Dir erwartet? Wie geht es mit den Sonnenelfen weiter? Und arbeitest Du vielleicht auch schon an etwas Neuem?
Zoe S. Rosary: Die Legende der Sonnenelfen umfasst insgesamt vier Bände. Zwei sind davon schon erschienen, die anderen beiden kommen nächstes Jahr. Im September dieses Jahr wird es ein Herbstbuch geben. Es ist ein Stand-Alone und kombiniert Teile der irischen Mythologie mit der griechischen, ohne in die Götterwelt einzutauchen.
Derzeit arbeite ich an einem Prequel zu den Sonnenelfen, was ich auch für nächstes Jahr geplant habe.
Literatopia: Herzlichen Dank für das Interview!
Zoe S. Rosary: Danke für dein Interview. :-)
Autorinnenfoto + Foto „Wenn Sonne und Mond tanzen“: Copyright by Zoe S. Rosary
Autorinnen-Website: https://www.zoe-rosary.com
Dieses Interview wurde von Judith Madera für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.