
Verlag: Splitter; (Dezember 2025)
Gebundene Ausgabe: 120 Seiten; 25 €
ISBN-13: 978-3-68950-097-9
Genre: Thriller
Klappentext
„Mathildes Kugeln verfehlten nie ihr Ziel, saubere Arbeit, jederzeit. Außer heute Abend.
Wohl aus einer Laune heraus. Sie hätte mehr Abstand halten können, weniger Sauerei verursachen.
Und sicher hätte eine Kugel genügt.“
Mit kraftvollen Dialogen, spannenden Figuren und einer unerbittlichen Handlung interpretiert Romanautor Pierre Lemaitre seinen ersten Thriller als Graphic Novel neu, unterstützt durch die beeindruckende Zeichenkunst von Dominique Monféry.
Rezension
Mathilde ist Auftragsmörderin und sie ist gut. Zumindest war sie das über sehr viele Jahre. Aber ihr letzter Auftrag verlief nicht ganz so sauber, wie gewohnt. Statt eines Schusses, ohne viel Aufhebens, wurde der Mord an einem Industriellen zu einer äußerst blutigen Angelegenheit und ihre Auftraggeber beginnen, an ihr zu zweifeln und schicken deswegen ihren alten Freund Henri zu ihr. Der soll überprüfen, ob sie noch zuverlässig ist und keine Fehler macht. Als Henri geht, glaubt Mathilde, einen neuen Auftrag bekommen zu haben und das brutale Morden geht weiter, bei dem sich schnell herausstellt, dass Mathilde mittlerweile in ihrer eigenen Welt lebt. Das Alter hat bei ihr unbarmherzig zugeschlagen.
Auf den Hund gekommen ist ein schwer zu fassender Comic von Pierre Lemaitre und Dominique Monféry. Denn worauf er hinaus will, wird nicht wirklich klar. Alte Menschen können gefährlich sein? Auch Killer bekommen Demenz? Das Böse in einem stirbt nie? Was es davon nun sein soll, wird zu keinem Zeitpunkt wirklich klar. Vielleicht soll die Geschichte über eine alte Profikillerin bei der die Demenz mit voller Wucht zuschlägt und die beginnt schwere Fehler zu machen, auch auf etwas ganz anderes hinauslaufen. Aber das ist eben nicht ersichtlich.
Es sei denn, Auf den Hund gekommen soll eine Art Milieustudie sein. Aber auch dafür hat dieser düstere Thriller dann doch zu wenig zu bieten. Alles bleibt irgendwie an der Oberfläche, die Figuren werden nie wirklich erforscht, auch wenn sie in verschiedenen Situationen gezeigt werden, die sie durchaus definieren. Inspector Vassiliev muss neben der Aufklärung der Morde sich um seinen Vater kümmern, Henri, Mathildes Auftraggeber, muss versuchen sie im Zaum zu halten und mit seinen alten Gefühlen für sie kämpfen, und Mathilde selbst gerät immer weiter in einen ungerichteten Strudel der Gewalt, ohne es zu merken. Nur wird dies alles nicht vertieft und es gibt keine Figur, mit der der Leser wirklich mitfühlen kann. Vor allem Mathilde ist niemand, dem man Sympathie oder Mitleid entgegenbringen kann, dafür ist sie einfach zu brutal und gewissenlos und das schon seitdem sie jung ist, wie sich in einem Rückblick zeigt. Es gibt also nichts, was sie einem näherbringen könnte. Und damit sieht man in Auf den Hund gekommen nur zu, anstatt wirklich dabei zu sein. Vielleicht ist das im zugrunde liegenden Roman von Pierre Lemaitre etwas anders und er geht mehr auf das Innenleben der Figuren ein, aber hier im Comic fehlt dies und es zeigt sich, dass nicht jeder Roman unbedingt in letzter Konsequenz als Comic umsetzbar ist.
Das alles heißt aber nicht, dass Auf den Hund gekommen eine Katastrophe ist, denn trotz aller berechtigter Kritik und dünner Handlung ist der Comic eben ein düsterer Thriller, der durchaus spannend ist und eine einzigartige, hoffnungslose Atmosphäre besitzt, die sich bis zum Finale immer mehr verstärkt. Die am Ende fast grotesk anmutende Geschichte wird immer brutaler und wilder und Mathilde immer mehr zu einer Gefahr für alle, die ihr begegnen. Auf den Hund gekommen steht damit auch in der Tradition des Film Noir und kann auch unterhalten, aber gerade in Bezug auf die Charaktere kommt am Ende zu wenig. Dennoch liest sich der Comic gut weg und unterhält. Wer solch düstere und ungewöhnliche Thriller mag, ist allerdings bei RIP dennoch besser aufgehoben.
Einen großen Anteil daran, dass Auf den Hund gekommen als Comic dann doch irgendwie funktioniert, obwohl die Charaktere nicht ausreichend herausgearbeitet werden, hat Dominique Monféry, der Auf den Hund gekommen geradezu filmisch anlegt und inszeniert. Teilweise wirken seine Bilder wie gut ausgearbeitete Storyboards und das zieht beim Lesen in die Geschichte hinein. Wie bereits sein Ein unerwarteter Todesfall ist auch Auf den Hund gekommen atmosphärisch dicht. Dazu kommt ein äußerst gutes Gespür für die Inszenierung, für Perspektiven und Rhythmus. Die Geschichte Mathildes wird dadurch zu einem spannenden Thriller, der mehr ist als die Summe seiner Teile und die Zeichnungen gleichen viele kleine Schwächen bei der Handlung und den Charakteren aus.
Fazit
Erzählerisch schwächelt Auf den Hund gekommen, da die Handlung eher dünn ist und die Charaktere von Pierre Lemaitre nicht ausreichend herausgearbeitet werden. Zu einem gewissen Grad können diese Schwächen jedoch von Dominique Monféry und seinen Zeichnungen ausgeglichen werden.
Pro & Contra
+ atmosphärisch dichte
+ visuelle Inszenierung
- dünne Handlung
- Charaktere nicht ausreichend herausgearbeitet
Bewertung: ![]()
Charaktere: 3,5/5
Handlung: 3/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Dominique Monféry:
Rezension zu Tin Lizzie Bd.1
Rezension zu Tin Lizzie Bd.2
Rezension zu Ein unerwarteter Todesfall