
Verlag: Splitter; (Juni 2025)
Gebundene Ausgabe: 88 Seiten; 22 €
ISBN-13:
Genre: Thriller
Klappentext
Ich hätte sonst was machen können, um meine Haut zu retten,
einen Flieger ins Ausland nehmen und versuchen unterzutauchen,
mich bei der Fremdenlegion verpflichten oder eine Schönheitsoperation.
Aber ich habe was Besseres gefunden: die Soutane.
Rezension
Killer und Vollstrecker Lucien hat ein Problem. Eigentlich sollte er nur den Neffen von Jean-Pierre Grumbach, einem Mafiaboss, wieder in die richtige Spur bringen. Dummerweise ist er dabei umgekommen. Nun darf Jean-Pierre nichts davon erfahren und Lucien muss vorsichtshalber fliehen. Dafür übernimmt er die Soutane des Neffen und gibt sich als Pater Philippe aus. In dem kleinen Dorf Saint-Claude wird dieser bereits erwartet und Lucien kann ins Pfarrhaus einziehen. Was er allerdings nicht dabei bedacht hat, ist, dass ein Pfarrer diverse Pflichten hat, wie z.B. Messen halten und darauf ist Lucien so gar nicht vorbereitet. Und dann gibt es noch unzählige andere Dinge, um die er sich kümmern muss. Da ist das Callgirl Meryl, welches er beschützen will und beim Tod des Neffen anwesend war, und auch in dem Städtchen gibt es für ihn viel zu tun. Unter anderem dealt der Sohn seiner Haushälterin und lässt sich dabei erwischen, das Mädchen Eva durchschaut ihn praktisch sofort und die Renovierung des Pfarrhauses und der Kirche ist auch ein Problem. Und dann braut sich in der Ferne noch etwas zusammen, denn Jean-Pierre hat sich mit dem Clan von José angelegt und der will nun Jean-Pierres Neffen töten, nur ist der halt tot und Lucien gibt sich als er aus.
Immer mal wieder müssen sich Kriminelle und Polizisten oder Zeugen in Filmen und Romanen an einem Ort verstecken, der so gar nicht nahe liegt, und eine andere Identität annehmen. Das ist nicht ungewöhnlich. Sei es Whoopi Goldberg in Sister Act oder Harrisson Ford in Der einzige Zeuge, sie versuchen sich anzupassen und zu überleben. Dabei wird es immer etwas komplizierter. In Hinsicht auf Verbrecher werden diese dann meistens auf die ein oder andere Art geläutert.
Die Ausgangslage für Habemus Bastard von Sylvain Vallée und Jacky Schwartzmann ist damit also nicht neu, dennoch macht der Comic unglaublich Spaß zu lesen, ohne dabei eine Komödie zu sein. Denn Lucien ist nicht gerade ein netter Mensch und ist auch eigentlich gar nicht daran interessiert, sich zu ändern oder was mit anderen Menschen passiert. Er schlüpft rein aus Notwendigkeit in die Rolle des Priesters und wenn er am Ende es sogar schafft, seine Kirche vollzukriegen, dann liegt dies nicht daran, dass er geläutert worden wäre. Nein, er tut, was das Beste für ihn ist, zufällig ist dies gleichzeitig häufig auch genau das, was anderen Menschen hilft. Der Sohn seiner Haushälterin ist hierbei das beste Beispiel. Ihm hilft er auf den „richtigen“ falschen Weg und sichert sich so gleichzeitig ein gewisses Einkommen. Wobei auch gesagt werden muss, dass in Lucien tief drinnen ein gewisser Gerechtigkeitssinn stecken muss, auch wenn dieser gut verborgen und leicht verdreht ist. Aber immerhin scheint da etwas zu existieren. Aber wie bereits erwähnt, kann von einer wirklichen Läuterung seines Charakters nicht gesprochen werden, das macht spätestens die letzte Szene klar.
Dennoch ist Lucien nicht gänzlich unsympathisch oder besser, verfolgt man sein Wirken in dem kleinen Dorf Saint-Claude mit einem Grinsen im Gesicht. Sylvain Vallée und Jacky Schwartzmann erzählen dies mit sichtlich Spaß an der Sache und den ganzen Comic durchzieht ein tiefschwarzer Humor, der von Lucien bestens transportiert wird. Er ist zynisch, sarkastisch und ausreichend wortgewandt, um ihn glaubwürdig untertauchen zu lassen. Und wie er sich das benötigte theologische Wissen beschafft und seine Interpretation dessen von sich gibt, ist richtig gut. In diesem ersten Band liegt der Fokus darauf, wie sich Lucien als Pfarrer etabliert und seine Feinde spielen noch eine untergeordnete Rolle, dies dürfte sich im Folgeband jedoch ändern und das dieser vermutlich sehr blutig wird, ist hier bereits angelegt und Sylvain Vallée und Jacky Schwartzmann versprechen viel für das anstehende Finale.
Die Zeichnungen von Sylvain Vallée passen sehr gut zur Geschichte. Sie sind zwar realistisch angelegt, gleichzeitig verpasst er den Gesichtszügen seine Figuren so viel Charakter, dass ihnen direkt angesehen werden kann, welche Eigenschaften sie besitzen. Er bewegt sich damit an der Grenze zwischen Realismus und Semi-Funny und das ist genau das, was die Handlung und Lucien brauchen. Die Charaktere erwachen zum Leben und alles wirkt lebendig. Wie er Lucien gestaltet muss zudem hervorgehoben werden, denn bei ihm gelingt es Sylvain Vallée das Wechselspiel zwischen Killer und Pfarrer perfekt in die Gesichtszüge zu bannen.
Fazit
Tiefschwarzer, oft subtiler Humor und ein interessanter Hauptcharakter machen Habemus Bastard – Das notwendige Übel zu einem spannenden Thriller, der hoffentlich viele Freunde findet.
Pro & Contra
+ Anspielung auf Dogma
+ schwarzer Humor
+ spannende Handlung
+ ein Killer als Pfarrer
Bewertung: ![]()
Charaktere: 4,5/5
Handlung: 4/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5