
Verlag: Panini; (Juni 2026)
Gebundene Ausgabe: 144; Seiten; 35 €
ISBN-13: 9783741649318
Genre: Superhelden
Klappentext
Ordnung und Chaos
Fernab der Zivilisation, auf der Paradiesinsel Themyscira, leben die Amazonen – unsterbliche Kriegerinnen, die aufgrund eines ehernen Gesetzes aber niemals Mütter sein können. Doch ihre uralte Ordnung droht zu zerbrechen, als eine von ihnen schwanger wird und damit die Gemeinschaft um Königin Hippolyta und Prinzessin Diana zutiefst spaltet.
Mitten in diese angespannte Lage platzt ausgerechnet die berühmt-berüchtigte Harley Quinn. Auf der Flucht vor ihrem Ex-Lover, dem Joker, bittet sie kurzerhand um Asyl. Doch den Schutz der Amazonen gibt es nicht umsonst: Um sich als würdig zu erweisen, muss sich Harley mit der Hilfe von Wonder Woman ihrer bislang härtesten Prüfung stellen … Währenddessen zieht eine uralte Feindin der Amazonen ihre Fäden im Hintergrund.
Eine spektakuläre frankobelgische Graphic Novel über die US-Comic-Ikonen, inszeniert von Star-Autor Sylvain Runberg (Orbital, Captain Future) und dem spanischen Zeichner Miki Montlló (The Witcher: Die Ballade von den zwei Wölfen), dem Team hinter u.a. Warship Jolly Roger.
Ein grandioser Comic für Fans wie für Neuleser!
Rezension
Auf Themyscira leben die Amazonen eigentlich friedlich zusammen und Hippolyta ist die unumstrittene Herrscherin. Doch nun scheint sich die Insel zu verändern. Eine der Amazonen ist schwanger. Das ist eigentlich nicht möglich, denn Hippolyta ging einst mit der Göttin Aphrodite einen Pakt ein, der ihnen die Unsterblichkeit gab, aber sie auch unfruchtbar machte. Und dann taucht auch noch Harley Quinn auf, die gerade vom Joker misshandelt wurde. Beide Ereignisse erschüttern die Grundfesten der Insel und bald spalten sich die Amazonen und es wird von einigen in Betracht gezogen, Hippolyta durch eine andere, Nirosia, zu ersetzen. Wonder Woman und den anderen Amazonen läuft die Zeit davon, all diese Konflikte zu lösen, denn das Böse wartet nur darauf, endgültig zuzuschlagen.
Seit ein paar Jahren lässt DC verstärkt zu, dass Comiczeichner und -autoren aus anderen Erzähltraditionen ihre Version der Superhelden des Verlages gestalten und erzählen. Den Anfang machte Enrico Marini mit Der Dunkle Prinz und nun also durften Sylvain Runberg und Miki Montlló ihre Wonder Woman umsetzen, ohne sich großartig anpassen zu müssen.
Und dies ist auf jeder Seite zu spüren. Zeichnungen und Erzählweise sind mehr eine Mischung aus franko-belgischer und amerikanischer Comictradition. Die Geschichte, die sie erzählen, bekommt genug Raum und wäre vermutlich von einem Team, dass mehr bei den Superhelden verhaftet ist, weiter ausgewalzt worden, ohne die Tiefe der Erzählung zu erreichen, die in Wonder Woman & Harley Quinn zu finden ist.
Denn dieser Comic ist kein einfaches Aufeinandertreffen zweier Ikonen, bei dem sie sich möglichst gegenseitig verprügeln, sondern spricht viele unterschiedliche Themen an, wie Machtmissbrauch, toxische Beziehungen, das Zerbrechen und wieder Erstarken eines Menschen und was Wut und Misstrauen anrichten können.
Dass ausgerechnet Harley Quinn in diesem Comic als Opfer des Jokers auftritt und von diesem misshandelt wurde, ist zuerst überraschend und dann mehr als nachvollziehbar und ein geschickter Schachzug. Harley ist eine beliebte Figur und sie leiden zu lassen und mit ihr zu zeigen, dass es einen Weg zurück aus Verzweiflung und Hilflosigkeit gibt, ist aussagekräftig und wirkmächtig. Wonder Woman hilft ihr bei ihrem Weg und ist hier tatsächlich eine nachvollziehbare Ikone des Feminismus. Oft wird in anderen Comics ihrer Soloserie dies nur behauptet oder es wird weit übers Ziel hinausgeschossen, aber hier stimmt alles. Wonder Woman ist hier eine starke Persönlichkeit ohne den Drang zur Rache. Sie will Harley stark machen und ihr ihre blinde Wut nehmen und dies gelingt ihr letztlich auch. Wonder Woman tritt hier gemeinsam mit Harley als Vorbild auf. Gleichzeitig scheuen sich Runberg und Montlló nicht davor, auch zu zeigen, dass gute Absichten zum Bösen führen können, wie bei Hippolyta, die den Pakt mit Aphrodite schloss.
Der Comic ist also sehr vielschichtig und hat gleich mehrere bemerkenswerte Szenen zu bieten. Sei es wie Lyssipee dasitzt und ihren eigenen Kampf wegen ihrer Schwangerschaft mit sich ausficht, sei es der Kampf zwischen Wonder Woman und Harley Quinn, solche Szenen tragen viel zur Aussagekraft bei und beeindrucken. Miki Montlló gelingt es, in diesen Momenten genau die richtigen Perspektiven und Bildausschnitt zu wählen. Er gestaltet seine Zeichnungen dynamisch, wenn es sein muss, aber ebenso ruhig wenn es die Handlung erfordert. Da er so ausdrucksstark zeichnet, kann sich Sylvain Runberg auf ihn verlassen und hat gleich mehrere Sequenzen geschrieben, die vollkommen ohne Worte auskommen und bei diesen enttäuscht Miki Montlló keineswegs. Alles notwendige wird in den Bildern ausgedrückt.
Umfangreiches Bonusmaterial ist in diesem Band enthalten und dabei ist nicht nur von einem Skizzenbuch oder Variantcovern die Rede. Herzstück des Bonusmaterial ist mit Sicherheit das Interview mit den beiden Schöpfern, das auf so manchen interessanten Punkt eingeht. Dazu kommen eben noch Skizzen und ein Making of, das Kommentare von Sylvain Runberg und Miki Montlló beinhaltet.
Fazit
Ein Wonder Woman Comic, wie er sein soll. Sylvain Runberg und Miki Montlló erzählen gemeinsam eine Geschichte mit Tiefgang über diverse Themen, wie Feminismus und Machtmissbrauch. Dazu kommen die Zeichnungen von Miki Montlló, in denen er vieles eingearbeitet hat und die Wirkung der Geschichte verstärkt.
Pro & Contra
+ Zeichnungen
+ viele verschiedene Themen
+ Bonusmaterial
+ Harley Quinn wird vielschichtiger
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5
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