Schloss der Tiere Bd.4 – Das Blut des Königs (Xavier Dorison, Félix Delep)

Schloss der Tiere 04

Verlag: Splitter; (Januar 2026)
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten; 22 €
ISBN-13: 978-3-96219-188-7

Genre: Drama/ Tierfantasy


Klappentext

„Meinen Sie, Silvio wird es gelingen, dass die Tiere für ihn stimmen?
Aber warum sollten sie diesen Unsinn glauben?“
„Weil sie daran glauben wollen …“

Die Menschen sind weg.
Im Schloss sind nur noch die Tiere verblieben:
Hühner, Ziegen, Esel und Schafe rackern sich ab für den
Ruhm des Präsidenten und seine grausame Hundemiliz.
Es herrschen Diktatur und Terror...
Doch dann beschließt eine Handvoll Tiere, in den Widerstand zu gehen.


Rezension

Durch den Widerstand, den Miss Bengalore, der Hase Cäsar und die Ratte Azelar Graugreis organisiert haben, gezwungen, hat Stier Silvio Wahlen zugestimmt. Nur ist die Frage, ob diese auch mit rechten Dingen ablaufen werden. Denn Silvio hat keineswegs vor, seine Macht abzugeben. Zunächst bemüht er sich darum, die Tiere des Schlosses mit Versprechungen für sich zu gewinnen. Doch mit der Zeit beschließt er, auch andere Wege zu beschreiten. Unter anderem scheut er nicht vor Mord und Wahlbetrug zurück. Doch auch das kann letztendlich den Wunsch nach Freiheit nicht unterdrücken und die Tiere organisieren sich, um Silvio zu Fall zu bringen und dieses Mal gehen sie geschickter vor. Aber am Ende bleibt ihnen nur noch eines und dazu ist der charmante Cäsar bereit, es auszuführen, auch wenn es ein großes Opfer kostet.

Xavier Dorison und Félix Deleps Schloss der Tiere war zunächst an Die Farm der Tiere angelehnt, was mit Sicherheit nicht schlecht ist, hat sich im Laufe der Geschichte aber hiervon mehr und mehr emanzipiert und wurde zu seiner eigenen Parabel über Macht und deren Missbrauch und wie leicht es ist, von ihr verführt zu werden und wie schwer der Widerstand gegen Diktaturen wirklich ist. In Das Blut des Königs kulminiert die Handlung in einem großen Finale, welches durchaus konsequent und zugleich hoffnungsvoll ist. Xavier Dorison erzählt hier den idealen Ausgang einer solchen Situation, in der sich die Tiere im Schloss befinden. Das mag utopisch wirken, und ist es vielleicht auch, aber in Zeiten in der Rechte immer mehr wieder ihre Köpfe erheben, ist es gar nicht so schlecht, ein solches Ende zu bekommen. Denn es zeigt, dass charakterliche Stärke und Integrität immer noch mehr zählen als Angst und Unsicherheiten.
Xavier Dorison startet überaus stark in Das Blut des Königs, indem er die Mechanismen der Populisten entlarvt und an den Pranger stellt. Wer verstehen will, wie ein Trump oder ein Putin an die Macht kam, findet hier die Erklärung. Wie bereits zuvor ist Schloss der Tiere hochpolitisch, nur trägt Dorison dies auch vollkommen zur Schau. Er wird deutlich in seiner Aussage und in seiner Warnung vor Populisten und rechten Politikern, die Angst schüren, um ihre Macht zu erhalten. Das ist brillant geschrieben und dies allein würde bereits den Kauf dieses Albums und der ganzen Reihe rechtfertigen. Dann folgt jedoch noch der zweite Teil des Bandes und der stellt mehr oder weniger den Aufruf dar, seine Werte angesichts solcher Umstände, wie sie im ersten Teil beschrieben werden, nicht zu verraten, nicht so zu werden, wie das, das man bekämpft. Ansonsten endet alles in einer Katastrophe und der Sieg wird schal. Es muss und wird andere Wege geben und diese finden die Tiere zum Teil.
Xavier Dorison hat hier eine Geschichte verfasst, die in dieser Zeit nicht wichtiger sein könnte. Verpackt in einer Tierfabel, nimmt er politisch Stellung. Auch wenn vermutlich keiner, der Blau wählt, jemals zu diesem Comic greifen wird, wäre er genau das richtige Gegenmittel gegen das Gift, das deren Politiker verspritzen und könnte vielleicht manchem verdeutlichen, wie er manipuliert wird.
Die Charaktere sind weiterhin sehr gut ausgearbeitet und gerade der Hase Cäsar wird zur großen tragischen Figur. Silvio bekommt dann noch etwas Hintergrund, damit er und seine Handlungsweisen etwas verständlicher werden, aber in diesem Band stehen ansonsten Handlung und Aussage im Vordergrund.

Félix Delep hat diesen Abschlussband der Reihe erneut graphisch grandios umgesetzt und gegen Ende von Das Blut des Königs steigert er sich noch ein weiteres Mal. Seine Bilder sind weiterhin kraftvoll und überaus ausdrucksstark und auch wenn zu Beginn seine Charaktere hin und wieder fast etwas zu niedlich sind, so verstärkt dieser Umstand doch nur die Wirkung der Bilder des Finales. Dort kommt dann die Tragik und das Drama im Kontrast umso stärker zum Tragen. Gerade am Ende befinden sich großartig inszenierte Sequenzen und ganzseitige Zeichnungen. Schloss der Tiere ist Deleps Debüt und es zeigt sich bereits, dass er vermutlich in ein paar Jahren zu den besten Zeichnern gezählt werden wird. Für Schloss der Tiere war er jedenfalls der ideale Zeichner.


Fazit

Schloss der Tiere endet mit einem großen Ausrufezeichen und einem wichtigen Statement. Xavier Dorison positioniert sich klar gegen Populisten und Schürern von Angst. Dies bringt er in seiner Geschichte perfekt auf den Punkt, die von Fèlix Delep ebenso perfekt aufs Papier gebracht wurde.


Pro & Contra

+ wichtige Aussagen
+ perfekt passende Zeichnungen
+ große, tragische Momente
+ differenziert

Bewertung: sterne5

Handlung: 5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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