
Verlag: Carlsen; (Oktober 2021)
Gebundene Ausgabe: 60 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-551-74766-2
Genre: Hardboiled/ Krimi
Klappentext
„Die Stadt ist der höchste Ausdruck kollektiven Triumphs, Millionen organisierter Menschen, Dienstleistungen für jedermann. Eine Maschinerie, präzise wie ein Uhrwerk, die aber, wie jedes Artefakt, auch mal ihren Dienst versagen kann.“
Rezension
Eigentlich will John Blacksad zusammen mit Weekly bei Shakespeare im Park einfach nur entspannen, doch dann tauchen Polizisten auf und wollen den Park räumen, da keine Genehmigung für das Aufführen von Theaterstücken vorliegt. Blacksad kann im Gespräch mit dem Leutnant die Situation entschärfen und das Stück darf zuende gespielt werden. Anschließend bedankt sich Iris Allen, die Chefin der Theatertruppe bei ihm und er gibt ihr seine Karte. Das führt dazu, dass wenig später Kenneth Clarke bei ihm auftaucht. Der ist der Gewerkschaftsführer der U-Bahn-Gewerkschaft und fürchtet um sein Leben. Denn die Wieselmafia hat einen Killer namens Logan auf ihn angesetzt und Blacksad soll diesen Killer zur Strecke bringen. Das ist aber gar nicht so leicht, da niemand weiß, wie Logan aussieht.
Aber das ist nicht das einzige Problem, dem sich Blacksad gegenübersieht. Weekly begleitet den Baumagnaten Solomon, der gerade alles daransetzt die Stadt autofreundlicher zu machen und damit den Nahverkehr unattraktiv. Und Solomon scheint ein dunkles Geheimnis zu haben, dass ihn mit dem Bürgermeister verbindet und ebenso mit weiteren einflussreichen Persönlichkeiten.
Nach acht Jahren Pause kehrte Blacksad von Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido wieder zurück und das gleich mit einem Fall, der erst in zwei Bänden abgeschlossen wird, im Gegensatz zu seinen bisherigen Fällen, die immer ein Album umfassten.
Juan Diáz Canales hat also mehr Platz eine spannende Geschichte zu erzählen und seine Charaktere zu entwickeln und dieses nutzt er ausgiebig. Nicht, dass die bisherigen Fälle von John Blacksad nicht spannend oder komplex gewesen wäre, aber Wenn alles fällt übertrifft sie dann eben doch noch. Denn in seinem neuesten Fall geht es tief in die Welt der Politik und der Wirtschaft, zu einer Zeit, in der die Gewerkschaften in den USA von der Mafia unterwandert wurden und Industriemagnaten eine Gesellschaft formten, die mehr zum Individualismus drängte, unter anderem in dem der öffentliche Nahverkehr absichtlich zur Seite gedrängt und klein gehalten wurde, um die Autoindustrie zum Gewinner zu machen.
Das alles steckt in Wenn alles fällt und dann noch viel mehr. Denn hinter dem an sich interessanten und spannenden politischen und wirtschaftlichen Ränkespielen, die Blacksad bereits Kopfzerbrechen machen, scheint noch mehr zu stecken. Was genau, wird nur angedeutet, aber es dürfte genauso monströs sein, wie der Umgang mit der Gewerkschaft und Kenneth Clarke. Allein dies würde bereits für eine Empfehlung reichen, aber Juan Diáz Canales gibt sich nicht nur einfach mit der oberflächlichen Handlung zufrieden. Er arbeitet auch seine Figuren weiter heraus und dieses Mal steht Weekly stark im Mittelpunkt, denn er muss sich fragen, welche Art von Journalist er sein will und was er bereit ist, dafür zu tun. Ausgelöst wird dies, wie könnte es anders sein, durch eine Begegnung mit einer attraktiven Dame, die ihn herausfordert. Am Ende wird es dann auch entsprechend dramatisch um ihn und der Band endet mit einem, für ihn, fiesen Cliffhanger. Allerdings gibt es auch einen solchen für John Blacksad. Dass seinem Mandaten etwas passiert und er sich verantwortlich dafür fühlt, ist erwartbar, aber die letzte Seite sorgt dann bei ihm für ein Feuerwerk der Gefühle und es wird spannend zu sehen sein, wie sehr es ihn im weiteren beeinflusst.
Juan Diáz Canales liefert hier erneut einen der besten Krimis im Hardboiledgenre ab, der Züge eines Thrillers hat, die Atmosphäre der Jahre, in denen er spielt perfekt einfängt, die Themen der Zeit behandelt und sie auch ein stückweit auf die Gegenwart überträgt. Wenn alles fällt ist im Bezug auf Handlung und Charaktere einfach ganz großes Kino.
Die lange Wartezeit zwischen den Bänden von acht Jahren wird in einem Panel dann noch auf charmante Art kommentiert.
Juan Guarnido ist wie zuvor bei Wenn alles fällt wieder mit an Bord. Die Blacksad Stories mag er abgegeben haben, aber bei der Hauptserie schwingt er nach wie vor den Zeichenstift und das ist gut so. nicht das Giovanni Rigano ein schlechter Zeichner wäre. Ganz im Gegenteil, seine Bilder bei Weekly waren hervorragend. Nur hat er das Problem, dass Juan Guarnido eben noch etwas besser ist. Und das zeigt dieser auch auf jeder Seite. Blacksad sah immer toll aus, aber in Wenn alles fällt legt er nochmal zu, sowohl atmosphärisch als auch vom Detailgrad und der Verspieltheit her. Aber es ist nicht nur der Detailgrad der Zeichnungen, sondern ebenso die Farbwahl und Ausleuchtung der Szenen, die Blacksad zu etwas besonderen machen. Juan Guarnido stimmt alles bis ins Kleinste aufeinander ab und so entwickelt Blacksad eine unglaubliche Atmosphäre und Spannung. Hier atmet jede Seite die 40er/ 50er Jahre und bringt das Hardboiledgenre auf den Punkt.
Fazit
John Blacksad erlebt seinen ersten zweiteiligen Fall und der ist nicht schlechter als alle vorherigen. Juan Díaz Canales hat eine komplexe Handlung entworfen, in der viele einzelne Teile miteinander verwoben werden, und bei der eigentlich nur die Frage im Raum steht, wie schlimm das Ende wird. Das ist perfekte düstere Krimikost mit Anspruch. Juanjop Guarnido gibt dem Ganzen mit seinen Zeichnungen, die Wenn alles fällt noch mehr tiefer im Hardboiled-Genre verorten, den perfekten Rahmen.
Pro & Contra
+ relevante Themen
+ Charaktere entwickeln sich
+ komplex und spannend
+ grandiose Zeichnungen
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Blacksad:
Rezension zu Blacksad – Die gesammelten Fälle
Rezension zu Blacksad Stories - Weekly