Das Phantom der Oper – Illustrierte Schmuckausgabe (Gaston Leroux)

phantom oper

Verlag: Coppenrath; (April 2026)
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten; 30 €
ISBN-13: 978-3-649-65302-8

Genre: Thriller/ Horror/ Grusel


Klappentext

In den Tiefen der Pariser Oper lauert ein düsteres Geheimnis …

Eine mysteriöse Gestalt treibt ihr Unwesen im Schatten der Bühne. Von der Welt verstoßen und von brennender Leidenschaft für die Musik getrieben, lenkt ein maskiertes Phantom die Geschicke des Opernhauses aus dem Verborgenem. Als die junge Sängerin Christine Daaé seine Aufmerksamkeit erregt, formt das Phantom sie zum gefeierten Opernstar. Doch Ruhm und Glanz haben ihren Preis: Zerrissen zwischen der dunklen Anziehungskraft des Phantoms und der vertrauten Nähe zu ihrem Jugendfreund muss sie eine Entscheidung treffen, bei der mehr auf dem Spiel steht als nur ihr Herz. Das Schicksal der gesamten Oper hängt an einem seidenen Faden.


Rezension

Die Opera Garnier bekommt neue Direktoren und zu diesem Zweck wird ein großes Fest veranstaltet. Bei diesem Fest tritt Christine Daaé aus den Schatten hervor und stiehlt der Carlotta, dem Star der Oper, die Schau. Sie überrascht mit ihrem Gesang vollkommen und weiß zu begeistern, dabei waren ihre Gesangskünste vor wenigen Monaten noch durchschnittlich. Dennoch entschließen sich die Direktoren weiterhin auf Carlotta zu setzen. Und damit handeln sie sich große Probleme ein. Denn in der Oper treibt ein Phantom sein Unwesen und es ist besessen von Christine und fordert die Direktoren auf, Carlotta mit ihr zu ersetzen. Doch sie weigern sich und damit beginnt der Terror in der Oper erst richtig. phantom2Denn die Belegschaft weiß um die Existenz des Phantoms und seiner Taten. Joseph Buquet, ein Bühnenarbeiter wurde am Abend, als die neuen Direktoren ihre Gala hatten, tot aufgefunden und auch ansonsten gibt es immer wieder seltsame Ereignisse. Dazu gehört auch, dass die Loge 5 für das Phantom reserviert wird und es ein Gehalt von 20000 Franc verlangt. Die Direktoren schlagen alle Warnungen in den Wind und weigern sich in irgendeinem Punkt nachzugeben. Dies mündet unter anderem darin, dass der Kronleuchter im Saal in die Zuschauer stürzt und eine Frau tötet. Aber so schrecklich all das ist, warten auf Christine und ihrem Verlobten Raoul noch größere Schrecken. Christine wird vom Phantom entführt und Raoul begibt sich bei der Suche nach ihr, tief in die Katakomben unter der Oper. An seiner Seite ist dabei der Perser, der das Phantom, Erik, bereits von früher kennt und ob seiner Grausamkeit weiß. Aber auch er konnte nicht damit rechnen, was Erik für das Finale geplant hat.

Selbst große Fans des Phantom der Oper kennen hauptsächlich das Musical aus der Feder von Andrew Lloyd Webber. Dieses besticht durch seine wohlig-gruselige Atmosphäre und die Liebesgeschichte, die Andrew Lloyd Webber in den Mittelpunkt stellt. Dabei ist seine Umsetzung nicht die einzige in Musicalform, ebenso wurden diverse Filme gedreht, die sich mal mehr, mal phantom7weniger an der Originalgeschichte orientieren und eben auch immer wieder unterschiedliche Akzente setzen. Während Joel Schumacher das Musical Webbers als Vorlage nahm und einen überaus opulenten Film mit großartigen und schwelgerischen Dekors daraus machte, kam bei Dario Argento ein waschechter Horrorfilm heraus. Gleiches gilt für die Stummfilmversion des Phantoms aus dem Jahr 1925 mit Lon Chaney in der Hauptrolle.

Und wer den Roman liest wird wohl eher dem Horroransatz zustimmen. Denn Das Phantom der Oper erinnert vor allem am Ende stark an Horrorfilme wie Saw und treibt die Spannung und das Grauen in seinen letzten Momenten auf die Spitze. Gaston Leroux´ Roman ist zwar längst nicht so blutig wie der erwähnte Film, aber Eriks Folterkammer, in der zwei Protagonisten schließlich landen, erinnert doch stark an eine Falle von Jigsaw. Dennoch ist Das Phantom der Oper kein plumper Horror, sondern Gaston Leroux´ Roman besitzt viele unterschiedliche Facetten, die ihn zu einem faszinierenden Werk der Schauerliteratur machen.
Denn der Horroraspekt tritt erst gegen des Romans so richtig zutage. Zuvor ist Das Phantom der Oper eher ein psychologischer Thriller, bei dem die Bedrohung im Hintergrund lauert und bei dem das Rätsel, wer oder was das Phantom ist und wie es all seine Taten vollbringen kann, im Vordergrund steht. Dazu kommt noch eine Dreiecksbeziehung, die erst den Thriller wirklich ermöglicht. Und genau diese Liebesgeschichte ist vielleicht der schwächste Aspekt des Romans. phantom4Denn wie Raoul und Christine und ihr jeweiliges Verhalten beschrieben sind, ist gerade am Anfang oft etwas zu viel. Spätestens im letzten Drittel und vor allem auf den letzten Seiten spielt das dann aber keine Rolle mehr, da von Gaston Leroux die Spannungsschraube beträchtlich angezogen wird. Das Finale ist dann wirklich grandios und einer Oper wirklich würdig. Und es ist echt bedauerlich, dass die Wenigsten dieses jemals kennen werden, da die Musicalversion Webbers alle anderen Umsetzungen nahezu erdrückt.

Dabei fehlen in ihr die faszinierendsten Charaktere und so manche Erklärungen und Hintergründe. Die Figur des Persers ist nur eine davon, auch wenn sie die Wichtigste dabei ist. Er liefert die Hintergründe für den Leser, die einen am Ende Erik näherbringen und ihn nicht mehr als vollkommenes Monster erscheinen lassen. Erik wird durch seine Erzählungen, wer Erik ist, menschlicher und es zeigt sich, dass unter der Maske, nicht einfach ein Monster steckt, sondern ein gequälter Mensch. Glücklicherweise geht das nicht damit einher, dass Erik vom Gegenspieler zum Sympathieträger wird. Er bleibt immer der Antagonist, dessen Taten nicht zu rechtfertigen sind, jedoch wird sein Charakter so weit erklärt, wie es nötig ist - aber nicht übererklärt, so dass ihm das Geheimnisvolle genommen würde. Und so gibt es noch weitere Nebencharaktere und Ereignisse, die den Roman interessanter machen und bereichern.
Zwei Nebencharakter, die nur ganz kurz auftauchen und den Horroraspekt bei ihrem Auftritt betonen, sind der Rattenfänger und ein weiterer geheimnisvoller, verhüllter Mann, die Beide durch die Katakomben der Oper schleichen und auf ihre Weise für Ordnung sorgen. Sie kommen nur für eine Momentaufnahme vor, aber sie wecken unweigerlich die Neugier auf ihre Geschichte und wer sie genau sind. Ein Wunder, dass sich noch kein Kreativer in irgendeiner Form darum gekümmert, ihre Geschichte zu erzählen.

Der Coppenrath Verlag hat nun auch Das Phantom der Oper als Schmuckausgabe herausgebracht und diese Ausgabe ist in dem Bereich vorbildlich. Bereits das Cover setzt die richtige Atmosphäre. Und so geht es weiter. phantom5Die Seiten sind durchweg gestaltet. Manchmal nur indem die Seitenfarbe passend gewählt wurde, das in diesem Fall häufig die Farbe Schwarz ist, oft jedoch mit Illustrationen verziert, die die von Gaston Leroux´ Text hervorgerufene Stimmung verstärken. Zusätzlich gibt es beigelegte Extras bei denen besonders der Querschnitt des Opernhauses und die Karte von Paris hervorgehoben werden müssen, da sie einen wirklichen Mehrwert beim Lesen darstellen. Nicht, dass die anderen Extras deswegen schlechter wären. Diese sind mindestens genauso interessant und neben den erwartbaren Informationen zum Musical, gibt es so kleine, aber wunderbare Ergänzungen, wie die Einladung zu einem Maskenball. Jedes einzelne Detail dieser Schmuckausgabe ist durchdacht und steigert das Lesevergnügen.


Fazit

Das Phantom der Oper ist Krimi, Thriller, Liebesgeschichte und Horror in einem. Wer bisher nur das Musical kannte, wird so manche Überraschung beim Lesen des Romans aus der Feder von Gaston Leroux erleben. Die Schmuckausgabe setzt dann diesen Klassiker gebührend ins recht Licht. Als Fan von Horror- und Schauerromane kommt man im Prinzip am Phantom der Oper nicht vorbei.


Pro & Contra

+ sinnvolle Extras
+ gerade gegen Ende hochspannend und rasant erzählt
+ viele interessante Charaktere
+ Gestaltung der Schmuckausgabe mit Extras, Lesebändchen und Hochprägung

Bewertung: sterne5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 5/5
Gestaltung/ Design: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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