
Lines (April 2026)
ca. 336 Seiten, 16,00 EUR
ISBN: 978-3-551-63184-8
Genre: Adventure, Horror, Mystery
Klappentext
Der Eigenbrötler und Vollwaise Hyeonsu Cha zieht nach dem Tod seiner Eltern, die ihm obendrein nicht viel hinterlassen haben, in ein kleines Apartment in einem Hochhaus. Nach Mobbingerfahrungen in der Schule hat Hyeonsu nun außer dem Internet, das seine ganze Welt darstellt, nicht viel, wofür es sich zu leben lohnt. Daher beschließt er kurz nach seinem Einzug, sich das Leben zu nehmen, und sucht sich einen dafür passenden Tag aus. Doch Hyeonsu wird beim Pläneschmieden jäh gestört: Auf einmal breitet sich eine furchtbare Pandemie aus, die Menschen in Monster verwandelt, und sein Wohnhaus wird zur tödlichen Falle. Eingesperrt mit anderen Überlebenden kämpft Hyeonsu nicht nur gegen die äußeren Gefahren, sondern auch gegen seine inneren Dämonen – und entdeckt dabei einen unbändigen Überlebenswillen. Doch wie lange kann man seine Menschlichkeit bewahren, wenn jede Entscheidung Leben kostet?
Die Webtoon-Vorlage zur gleichnamigen NETFLIX-Serie vom koreanischen Horrormeister Carnby Kim (PIGPEN)!
Rezension
Hyeonsu Cha lebt eigentlich nur im Internet. Er sperrt sich in seinem Zimmer ein, spricht nicht mit seinen Eltern und verweigert auch die Teilnahme am Familienurlaub. Das führt auch zu Unmut innerhalb der Familie. Der Vater macht der Mutter Vorwürfe, die Tocher dem Vater und keiner ist wirklich glücklich. Die Autofahrt zu ihrem Zielort wird mit einem Streit gefüllt und als sie sich endlich beruhigen und beieinander entschuldigen, passiert es …
Hyeonsu erhält den schrecklichen Anruf und erfährt, dass er nun niemanden mehr auf der Welt hat. Alleine und mit nur einer geringen Summe, die ihm hinterlassen wurde, muss er nun klarkommen. Um Geld zu sparen, zieht er in ein kleines Apartment in einem Hochhaus um. Eigentlich hat er nichts mehr, wofür es sich noch zu leben lohnen würde. Er plant sogar im Kalender den Tag ein, an dem er seinem Leben ein Ende setzen wird. Trotzdem richtet er sich erst einmal in seinem neuen Heim ein. Weiterhin bleibt das Internet sein einziger Zufluchtsort. Außerdem muss er feststellen, wie dünn die Wände in diesem Hochhaus sind. Er hört die Übungen der Musikerin über ihm und seine Nachbarin die erfolglos von einem Casting zum nächsten zieht, während sie sich dünn hungert.
Erst beginnt es harmlos, immer mehr Menschen haben immer wieder plötzlich Nasenbluten. Ganz unscheinbar. Dann bemerkt Hyeonsu, dass sich Spielcharaktere in seinem Online Spiel überhaupt nicht mehr bewegen. Doch wirklich nervös wird er erst, als er seltsame Geräusche aus der Wohnung seiner Nachbarin hört. Er kann seinen Augen und Ohren kaum trauen und verschanzt sich panisch in seinem Apartment. Aber das Monster folgt ihm. Und Hyeonsu ist nicht der Einzige, der die Bekanntschaft eines Monsters macht. Die Nachbarn schließen sich zusammen und verriegeln das Hochhaus, nachdem sie mitansehen mussten, zu was diese Wesen fähig sind. Aber was passiert da auf der Welt? Wo wird das hinführen? Wie sicher sind sie im Hochhaus? Oder haben sie sich bereits mit den Monstern eingesperrt? Und was verhindert, dass sie selbst zu Monstern werden?
„Sweet Home“ hat zwar einige Horror-Elemente, konzentriert sich in Band 1 aber erst einmal um die Einführung und den Aufbau der Charaktere. Erst zum Ende wird es gruselig. Aber wirklich schockierende Szenen, halten sich noch in Grenzen. Hyeonsus Vergangenheit wird nur leicht angedeutet, es wird nicht wirklich darauf eingegangen, wieso er sich so von seiner Familie zurückgezogen hatte. Auch werfen die Monster bei den Lesern noch genauso viele Fragen auf, wie bei Hyeonsu, wenn nicht sogar noch mehr. Denn die Verwandlung scheint schleichend und in mehreren Phasen zu erfolgen. Und hat das Nasenbluten etwas damit zu tun? Was bedeutet das für den Protagonisten, der selbst davon schon betroffen war? Kurzzeitig bilden sich Allianzen, aber sehr schnell ist Hyeonsu auf sich alleine gestellt und keiner weiß, wie schlimm die Situation bereits eskaliert ist.
Hyeonsu kommt nur bedingt sympathisch rüber. Gerade am Anfang, wenn man mitbekommt, wie er sich seiner Familie gegenüber verhält, fängt man als Leser fast schon an, sich von ihm abzuwenden. Und doch fiebert man dann mit ihm mit, als sein Leben bedroht wird. Auch denkt er selbst in dem Moment nicht eine Sekunde daran, es einfach geschehen zu lassen. Instinktiv kommt sein Überlebenswille heraus und lässt ihn kämpfen. Auch die Nebencharaktere werden einem stückweise nähergebracht, so dass man auch für sie anfängt, die Daumen zu drücken.
Der Manhwa ist zwar komplett in Farbe gehalten, die Farben sind aber sehr blass, wodurch alles etwas einheitlich und trist wirkt. Obwohl es Monster und Opfer gibt, wird Blut nur spärlich eingesetzt, der Manhwa kommt alleine mit dem Horrer des Szenarios aus und benötigt keinen Splatter. Die Zeichnungen sind klar und sauber, teilweise ähneln sich die Nebencharaktere aber etwas. Emotionen werden sehr grob dargestellt. Die Monster sind sehr gut dargestellt, noch irgendwie menschlich und doch weit davon entfernt. Die Panel-Aufteilung ist sehr begrenzt, es wird nicht die komplette Seite genutzt, sondern um die Panels sind breite Ränder, wodurch die Seiten eher leer wirken. Dies transportiert die Thematik der Story sehr gut, schlicht und präzise.
Fazit
„Sweet Home“ ist auch etwas für Horror-Fans, die die Netflix-Serie nicht kennen und macht neugierig auf die folgenden Bände.
Pro & Contra
+ guter Storyaufbau
+ saubere Zeichnungen
+ komplett in Farbe
o anfangs unbeliebter Protagonist
- teilweise ähnliche Charaktere
Bewertung: ![]()
Handlung: 3,5/5
Charaktere: 3/5
Zeichnungen: 3,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3/5