Chiara – Die wahre Tochter bin ich (yuun / March)

chiara die wahre tochter

altraverse (September 2026)
ca. 336 Seiten, 15,00 EUR
ISBN: 978-3-7539-4809-6

Genre: Drama, Fantasy, Romantik


Klappentext

Seit ihrer Kindheit tut Chiara alles, um ihrer Rolle als Wassergeistbändigerin der Herzogsfamilie Parvis gerecht zu werden. Denn laut einer alten Prophezeiung sollen ihre magischen Kräfte das Reich vor Unheil bewahren. Doch dann taucht die geheimnisvolle Cosette auf und behauptet, die wahre Tochter zu sein! Chiara wird hingerichtet – und erwacht zwei Jahre vor ihrem Tod, entschlossen, ihre Kräfte zu entfalten und ihr Schicksal diesmal selbst zu bestimmen …


Rezension

Das Haus Parvis wurde von der Wassergöttin auserwählt und bringt daher Elementarmagierinnen hervor. Sobald die Töchter des Großherzogs volljährig sind, erhalten sie die Macht, mit dem großen Wassergeist Beatrix zu kommunizieren. Diese Macht wird benötigt, um dem von Dämonen verfluchten, unfruchtbaren Reich Regen zu bringen. Doch dem aktuellen Großherzog, Ludwig Parvis, wurde prophezeit, dass aus ihm nur eine einzige Elementarmagierin hervorgehen würde. Diese jedoch ist besonders wichtig, denn dem Reich droh eine gewaltige Krise. Und so bekommt er auch eine Tochter von seiner Frau geschenkt, Chiara. Von Klein an versuchte sie alles, um die Aufmerksamkeit ihres Vaters zu erhalten. Sie steckte sich hohe Ziele, war fleißig und immer folgsam. Aber sie erhielt nie echte Beachtung von ihrem Vater. Eigentlich hatte sie nichts außer ihrem kleinen Bruder im Leben und das ständige Streben, alles richtig zu machen. Doch als Chiara 18 wurde, tauchte eines Tages Cosette auf und behauptete, die ältere Tochter des Großherzogs zu sein. Und damit änderte sich alles. Cosette war in allem besser, sie war beliebt beim Personal, erhielt Zuwendung vom Großherzog und dann erwachte bei ihr auch noch die Wassermagie. Chiara wurde als Verräterin am Königreich von ihrem eigenen Vater hingerichtet. Und das, obwohl Cosette ihr kurz vor ihrem Tod noch verrät, dass wirklich Chiara die wahre Tochter des Großherzogs ist …

Plötzlich erwacht sie zwei Jahre vor ihrem Tod und muss feststellen, dass die Zeit zurückgedreht wurde. Was war passiert? Wie war das möglich? Konnte Wassermagie Einfluss auf die Zeit nehmen? Und wie hatte Cosette Wassermagie wirken können, wenn sie nicht die Elementarmagierin war? So viele Fragen und nur zwei Jahre Zeit diese zu beantworten und herauszufinden, wie sie sich gegen Cosette wehren kann. Doch das ist nicht alles, Chiara möchte endlich leben. Die Zuneigung ihres Vaters hat sie nie erhalten, egal wieviel Mühe sie sich gegeben hatte – also beschließt sie, sich nicht mehr so zu bemühen. Sie versucht eigene Interessen zu finden, sich mit den Menschen um sich herum anzufreunden und Spaß am Leben zu finden. Aber immer wieder kommt die Frage: Wer hat sie warum gerettet?

„Chiara – Die wahre Tochter bin ich“ ist typisch für einen heutigen Manhwa komplett in Farbe. Es geht um das aktuell sehr beliebte Thema der Wiedergeburt oder zweiter Chance im Leben. Allerdings erfahren die Leser in diesem Genre meistens nach dem Erwachen im zweiten Leben, was alles zu dem Todes-Moment geführt hat. Hier aber wird erst Chiaras Tod gezeigt und danach wird ihre komplette Geschichte erzählt, bevor der Leser dann ihr erneutes Erwachen erlebt. Dadurch wird besonders deutlich, wie sehr sie versucht sich selbst zu ändern. Allerdings wirkt es nicht unbedingt nachvollziehbar, wieso Chiara überhaupt hingerichtet wurde. Selbst wenn sie nicht die leibliche Tochter des Großherzogs wäre, wieso wird sie dann als Verräterin verurteilt? Wenn nicht mal der Vater wusste, dass das Kind, das von klein auf bei ihm aufwächst, nicht sein leibliches ist, wie kann man dem Kind das dann vorwerfen? Enterben, vielleicht sogar verstoßen, das wäre irgendwie realistisch, aber eine Hinrichtung wirkt viel zu extrem und entsprechend konstruiert. Auch wirkt es nicht gerade verständlich, wieso er seine Tochter von Anfang an ignoriert hat, wenn er doch zu Beginn daran glauben sollte, dass sie seine leibliche Tochter ist. Oder hatte er immer Zweifel daran? Es gibt am Anfang einen kleinen, versteckten Hinweis, wer die Zeit zurückgedreht hat – doch genau dieser sorgt im späteren Verlauf eher für Verwirrung und noch mehr Fragen. Somit muss auch der Leser diese Frage zusammen mit Chiara lösen.

Es ist sehr gut umgesetzt, wie die sonst so steife, brave Tochter endlich aufblüht und anfängt Freude am Leben zu empfinden. Obwohl sie dabei auch sehr naiv ist, woher sollte sie es auch besser wissen. Man möchte die Menschen in ihrem Umfeld gerne schütteln, warum sie Chiara nicht schärfer einbläuen, wo sie Fehler macht oder auch zu vertrauensselig ist.

Die Zeichnungen sind sehr schön und bringen gerade auch durch die schillernden Farben die Welt der weiten Kleider und aufwendigen Frisuren gut zur Geltung. Die Gesichter können die verschiedenen Emotionen sehr gut transportieren und auch die verschiedenen Farben wurden sehr gut eingesetzt, um die Stimmung zu übermitteln. Hintergründe wurden sehr sauber eingesetzt und runden das ganze Bild perfekt ab.


Fazit

„Chiara – Die wahre Tochter bin ich“ enthält zwar keine komplett neue Idee, weicht aber in ein paar Erzählarten ab, wodurch es wie eine neue Interpretation des Reinkarnations-Themas wirkt.


Pro & Contra

+ interessanter Aufbau der Story
+ schöne Zeichnungen
+ komplett in Farbe
+ nachvollziehbare Emotionen
+ schöne Entwicklung der Protagonistin

- wenig nachvollziehbare Reaktionen

Bewertung: sterne4

Handlung: 3,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 3,5/5