Funkenflug - Der letzte Schlüssel II (Marie Meier)

Selfpublishing / Tredition (2026)
Taschenbuch, 372 Seiten, 16,00 EUR
Illustriert von Johanna Lehmert
ISBN 978-3-912037-02-9

Genre: Science Fantasy / Cyberpunk / Urban Fantasy / Space Opera


Klappentext

Du bist nicht mehr als ein Pausenfüller für die Mächte, denen du dich entgegenstellst. Sie spielen mit dir wie Katzen mit einem Vögelchen, dann reißen sie dir deine zarten Flügel aus.

Jule hat den Göttern der Stadt den Kampf angesagt. Sie ist bereit, alles zu riskieren, um Mika und Kestrel aus den Klauen der Avatare zu befreien. Von ihrem Ziel trennen sie nur ungefähr 2000 Meter Luftlinie, eine neue Lehrmeisterin, ein galaktischer Krieg und eine mittelschwere Panikattacke.Ein weiteres Mal muss Jule über sich hinauswachsen, um ihren Schwur einzulösen. Dabei gilt es auch, ihre mysteriöse Gabe zu meistern, die zu ihrem Ass im Ärmel werden könnte - oder zu ihrem sicheren Tod.


Rezension

"Funkenflug" ist der zweite Band von "Der letzte Schlüssel" und schließt sich nahezu nahtlos an das Finale von "Seelengrube" an: Jule, die sich lange für unbegabt gehalten hat, ist mit einem spektakulären Auftritt in den zweiten Rang aufgestiegen und hat einige Antworten erhalten - zugleich stellen sich ihr nun ganz neue Fragen. Ihre magischen Fähigkeiten sind ungewöhnlich stark und sie verfügt über eine seltene Kombination von Aspekten, allerdings kann sie nur in Extremsituationen darauf zugreifen und schafft sonst nur mittelmäßige Rufe. Sie ist jedoch entschlossen, hart zu trainieren, um ihre Love Interests Mika und Kestrel wiederzusehen. Beide sind mächtige Beschwörer, doch sie sind auch Sklaven des Systems und Jule ist entschlossen, sie zu befreien, auch wenn sie noch nicht wirklich weiß wie. Eine ihrer neuen Trainer*innen ist Tonya, zu der Jule eine ähnliche Anziehung spürt wie zu Mika und Kestrel und die so manches Geheimnis verbirgt. Sie bringt Jule das Fliegen bei und hilft ihr, die Kräfte, die sie in höchster Not entfesseln kann, gezielter einzusetzen ...

Im ersten Band hatte Jule ein klares Ziel vor Augen: im Rang aufzusteigen, um Mika wiederzusehen. Dabei hat sie Kestrel, der zu Mikas Familie gehört, kennen und lieben gelernt. In "Funkenflug" setzt sie nun alles daran, zu den beiden in die Caela zu gelangen - in die oberste Ebene der vertikalen Megastadt Arges. Ihre Pläne sind aus Verzweiflung geschmiedet und zum Scheitern verurteilt, dennoch bringen sie sie Stück für Stück voran. Indem sie sich immer wieder in Gefahr begibt und abstürzt, zwingt sie Mika und Kestrel zum Handeln und erhält Antworten. Es kommt zu einem unerwarteten (und ziemlich heißen) Wiedersehen mit Mika, der sie eigentlich von sich fernhalten wollte, um sie zu beschützen. Doch er erträgt es nicht länger, von Jule getrennt zu sein, und sucht nach Möglichkeiten, mit ihr zusammen zu sein - was Jule keinesfalls ausbremst, im Gegenteil: sie ist fest entschlossen, ihn und Kestrel zu befreien und den Mächtigen in Arges in den Arsch zu treten. Bleibt nur die Frage, wie sie das schaffen soll? 

Im Verlauf der Handlung erfährt man endlich, über welche besondere und verbotene Art von Magie Jule verfügt. Diese verspricht viel Spannung für den weiteren Verlauf - und hat lustige Nebeneffekte: zum Beispiel tauchen ständig Krähen in ihrer Wohnung auf, die sie unterbewusst zu sich ruft. Mika tut alles dafür, dass niemand erfährt, über welche Kräfte Jule verfügt. Sie soll weiter trainieren, mindestens ein Jahr noch, eher länger. Und bis dahin soll sie nicht auffallen. Doch Jule ist ungeduldig und fällt mit ihrem Aktionismus immer wieder auf. Sie ist ein regelrechtes Leuchtfeuer in Arges und es wird immer schwieriger, hinter ihrem Chaos aufzuräumen. Jule will mit dem Kopf durch die Wand und treibt so die Handlung voran, die im zweiten Band von vielen Enthüllungen geprägt ist - und von Fehlschlägen und Streitigkeiten. Jule verliert zunehmend den Kontakt zu ihren alten Freunden. Ihre beste Freundin Amy sieht sie zwar noch regelmäßig, doch sie haben sich bereits im ersten Band voneinander entfremdet und nun stehen sie quasi auf verschiedenen Seiten. Doch sie lernt auch neue Leute kennen, die zu Verbündeten und Freunden werden. Und sie zieht Monster magisch an. 

In "Seelengrube" hat man bereits eine Avatara kennengelernt, die Gefallen an Jule gefunden und mit ihr gespielt hat und die so mächtig erschien, dass man sich schwer vorstellen konnte, dass auch sie eine Sklavin ist. In "Funkenflug" lernt man nun weitere Avatare kennen und sie sind nicht die Götter, für die sie von der Bevölkerung gehalten werden. Reiche Menschen ziehen im Hintergrund die Fäden und kontrollieren die Avatare. Bereits der erste Band enthielt einiges an Kritik am Überreichtum weniger Menschen in Arges, während es eine relativ kleine Mittelschicht gibt und viele Menschen, die ausgebeutet werden und täglich ums Überleben kämpfen. Während die oberen Ebenen von Arges sauber und grün sind, wird die Luft nach unten hin zunehmend schlechter, das Licht immer weniger und der Dreck immer mehr. Natürliche Ressourcen werden ausgebeutet und die Reichen kaufen sich weitgehend aus den Konsequenzen ihres Handelns heraus - schlimmer noch, sie sind so überprivilegiert und abgekoppelt vom normalen Leben, dass viele von ihnen maßlos arrogant und grausam sind. 

In der Bevölkerung regt sich Widerstand gegen die Elite von Arges, allerdings bislang eher auf den Koloniewelten. Doch die Angriffe der Rebellen werden häufiger und immer öfter gelingt es ihnen, die Verteidigung der Stadt zu durchdringen und Schäden anzurichten. Noch haben die Rebellen kaum eine Chance, doch sie gewinnen an Einfluss. Der Widerstand wächst und Jule wird Teil davon - wobei sie, wie sie selbst sagt, keinen höheren Idealen folgt, sondern lediglich die, die sie liebt, retten will. Jule sieht die Ungerechtigkeit in Arges, doch nicht diese entfacht ihren Kampfgeist, sondern ihre Gefühle für Mika und Kestrel. Entsprechend geht sie ein Zweckbündnis mit den Rebellen ein. Über die Hintergründe der Rebellion erfährt man leider immer noch relativ wenig. Im ersten Band war sie noch ein Hintergrundrauschen, im zweiten ist sie nicht mehr zu ignorieren, doch der Alltag in Arges geht nahezu ungestört weiter. Vermutlich gewinnt die Rebellion im dritten Band an Relevanz - Jule könnte immerhin mehr Verbündete gebrauchen. 

Auch wenn Jule nach wie vor Hilfe aus dem Hintergrund braucht, um zu überleben, wirkt sie in "Funkenflug" selbstbewusster und selbstständiger. Sie weiß nun, was sie will und wer Freund und Feind ist. Neue Erkenntnisse bestärken sie in ihrem Weg, der von diversen Fehlschlägen geprägt ist. Es ist eben nicht so leicht, sich mit den wirklich Mächtigen anzulegen und ein System, das Jahrhunderte gewachsen ist, zu durchbrechen. Doch Jule sorgt für Aufruhr und das Gefühl, dass sie wirklich etwas verändern kann, wächst mit jeder Seite. Allerdings erscheint der Handlungsaufbau phasenweise chaotisch, was auch daran liegt, dass Jule immer wieder in einem Zustand höchster Emotionalität fatale Entscheidungen trifft. Man kann diese nachvollziehen, doch manchmal würde man sich beim Lesen am liebsten die Augen zuhalten. Zugleich kann man sich kaum abwenden von dieser faszinierenden Welt, in der Cyberpunk, Urban Fantasy und Space Opera verschmelzen. "Der letzte Schlüssel" bietet großes Kopfkino und auch wenn es leider sehr unwahrscheinlich ist, wünscht man sich, diese Story auf der großen Leinwand zu erleben. 


Fazit

"Funkenflug" macht seinem Titel alle Ehre: Jule wirbelt wie ein Leuchtfeuer durch Arges und erzwingt mit ihren Kurzschlusshandlungen Antworten. Sie ist fest entschlossen, ihre Monster zu befreien und jede neue Enthüllung bestätigt sie in ihrem Weg, sich mit den Mächtigen anzulegen. Marie Meier thematisiert dieses Mal noch stärker die tiefe Ungerechtigkeit des Systems und zeigt zugleich, wie verdammt schwer es ist, sich dagegen aufzulehnen. 


Pro & Contra

+ cooler Genremix aus Cyberpunk, Urban Fantasy und Space Opera
+ Jule will mit dem Kopf durch die Wand und sorgt für reichlich Chaos
+ das spicy Wiedersehen mit Mika
+ spannende Enthüllungen über die vermeintlichen Götter
+ zeigt deutlicher als im ersten Band die Ungerechtigkeit des Systems
+ neue interessante Nebenfiguren
+ Freundschaften zerbrechen, zugleich entstehen neue
+ schöne Gestaltung samt passenden Illustrationen

- Kestrel kommt zu kurz
- phasenweise zu chaotisch

Wertungsterne4

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Rezension zu "Seelengrube - Der letzte Schlüssel I"

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