
Verlag: Carlsen; (Juni 2026)
Softcover: 56 Seiten; 12 €
ISBN-13: 978-3-551-80750-2
Genre: Drama/ Historik
Klappentext
Princeton 1943.
Der Graf von Rummelsdorf wird vom FBI als Spion rekrutiert, um vermeidliche kommunistische Machenschaften aufzudecken. Seine Mission führt ihn ins Herz des geheimnisvollen Manhattan-Projekts in Los Alamos, wo unter Hochdruck an der Entwicklung einer mächtigen Bombe gearbeitet wird.
Inmitten von politischen Intrigen und moralischen Dilemmata gerät der Graf in ein Netz aus Verrat – und erlebt die Schattenseiten des technologischen Fortschritts.
In Band 7 der Reihe „Spirou präsentiert“ widmen sich das Autorenduo Béka und Zeichner David Etien („Die Vier von der Bakerstreet“) dem Leben des Grafen von Rummelsdorf.
Rezension
Der Graf von Rummelsdorf ist 1943 in Princeton. Dort spioniert er im Auftrag des FBI, und vor allem Hoovers, seinen Kollegen hinterher. Er soll herausbekommen, ob sie dem Kommunismus nahestehen. Unter anderem ist Albert Einstein eine der Personen, die er beobachtet. Und dieser ist es auch, der dem Grafen einen noch wichtigen Satz sagt, den seine geliebte und tote Blair wiederholen wird. Denn Blair ist zwar tot, aber im Geiste ist sie immer noch bei ihm und er führt mit ihr Gespräche. Unter anderem stellt sie ihm die Frage, warum sich Orpheus umdrehte und damit seine Chance auf ein Leben mit Eurydike vergab.
Doch dies tritt zunächst in den Hintergrund als Pankratius bemerkt, dass immer mehr Professoren und Studenten verschwinden und kurz davor sich immer über einen Ort in New Mexico informierten. Und kurz darauf findet sich der Graf selber in Los Alamos wieder, wo er bei der Entwicklung der Atombombe hilft. Und dort trifft er auch auf einen jungen Physiker, der vor Lebensfreude förmlich sprüht und es liebt, den Menschen Streiche zu spielen – Richard Feynman! Und dieser kann zumindest etwas den Panzer der Trauer um den Grafen durchbrechen.
Der Rückentext verspricht Intrigen, Verrat und somit einen echten Thriller. Aber genau das ist Die dunklen Jahre von Béka und David Etien gerade nicht, sondern es ist etwas viel besseres. Wie bereits in den Vorgängeralben widmet sich das Team einem historischen Ereignisse bzw. einer wissenschaftlichen Entwicklung und handelt daran auch gewisse Fragen ab. In diesem Band ist es ganz klar die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft. Muss wirklich alles getan werden, nur weil es möglich ist? Ist es nicht vielleicht besser manchmal einfach Dinge bewusst nicht zu tun? Diese Frage steht seit der Entwicklung der Atombombe im Raum und ihr Ergebnisse sind unter anderem, dass die Naturwissenschaften sich mittlerweile auch stärker mit moralischen und ethischen Fragen ihrer Arbeit beschäftigen und sich selbst Regeln geben.
Aber das ist hier tatsächlich nur ein Nebenaspekt, stattdessen stehen zwei andere Dinge im Zentrum. Zum einen ist es die Trauer des Grafen um Blair und wie er damit umgeht und zum anderen wird Richard Feynman von Béka in den Mittelpunkt gestellt und hier dürfte jeder, der irgendwie etwas mit Physik macht oder sich dafür interessiert, hellhörig werden. Denn so wie es Musiker für Musiker gibt, ist Feynman ein Physiker für Physiker und sozusagen ein Superstar in der Welt der Physik und Naturwissenschaften und dies liegt nicht unbedingt an seinen Errungenschaften und seinem Nobelpreis, sondern vor allem auch an seiner Persönlichkeit und seinem Charakter und seiner Fähigkeit, Menschen für die Physik zu begeistern. Er schaffte es, komplexe Themen möglichst einfach mit wenig Mathematik zu erklären und seine Vorlesungen sind selbst heute noch legendär und vorbildlich. Was ihn aber für diesen Comic so wertvoll macht, ist sein bereits erwähnter Charakter. Denn Feynman war kein verstaubter und verkopfter Professor, der in seinem Elfenbeinturm saß. Nein, er ging in die Welt hinaus und genoss das Leben. Wer seine Autobiographie Sie belieben wohl zu scherzen, Herr Feynman liest, wird sich vermutlich fragen, wie dieser „Clown“, der ständig irgendwelchen Unsinn im Kopf hatte und Autoritäten unglaublich gerne reizte, jemals einen Nobelpreis bekommen geschweige denn ein Studium abschließen konnte. Wer beim Lesen seine Buches nicht teilweise Tränen lacht, dürfte wohl keinen Funken Humor besitzen.
Und genau diesen absolut unkonventionellen und nahezu anarchischen Mann haben Béka nun in ihre Geschichte über den Bau der Atombombe und der Trauerbewältigung Rummelsdorfs ein weiteres Denkmal gesetzt, nachdem Christopher Nolan ihn in Oppenheimer vernachlässigte.
Und es ist eine überaus kluge Wahl gewesen, denn Feynman verlor seine erste Frau, während seiner Zeit in Los Alamos an eine schwere Krankheit und muss so ungefähr das Gleiche durchleben wie der Graf, allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass er sich vorbereiten konnte.
Pankratius Trauer und die Wildheit eines Richard Feynman, der mit dem Grafen alles macht, von Trommeln spielen bis Safes zu knacken, passen auf ihre Art perfekt zusammen und auch wenn es am Ende noch einmal einen ganz düsteren Moment gibt, weswegen der Titel Die dunklen Jahre so gut passt, so ist doch klar, dass diese Begegnung mit Feynman einmal zu dem Grafen von Rummelsdorf führen muss, den man aus Spirou und Fantasio kennt.
Zusätzlich gibt es noch weitere tolle Nebencharaktere und bei all der drückenden Atmosphäre, die in Los Alamos herrscht, bringen Béka durch Feynman und Donji immer wieder schöne humorvolle Momente hinein.
David Etien hat natürlich auch diesen Band wieder gezeichnet und allein das Cover ist unglaublich beeindruckend und zeigt einen Grafen, dem ganz genau bewusst ist, was in Los Alamos getan wurde. Er triumphiert nicht, er beobachtet und dieser Blick auf sein Gesicht sorgt bereits für Gänsehaut und ein beklemmendes Gefühl. Später zeigt Etien im Comic die Explosion der ersten Atombombe genauso effektiv in einer perfekten Bildfolge. Sein halbrealistischer Stil zeigt in einer wunderbaren Klarheit die Geschehnisse, die er im richtigen Rhythmus und Seitenaufbau präsentiert. Seine Figuren sind mimisch ausgeprägt, jede Emotion, jedes Gefühl kann in ihren Gesichtern und in ihrer Haltung abgelesen werden, weswegen gleich mehrere Sequenzen, mitunter die emotionalsten, auch ohne Text auskommen, der ihnen vermutlich sogar schaden würde.
Fazit
Die dunklen Jahre ist der bisher perfekteste Band über den Grafen von Rummelsdorf. Wunderschön, traurig, emotional und humorvoll halten sich alle Elemente der Geschichte ideal die Waage und werden mit einem der wichtigsten Ereignisse der Geschichte verbunden und der Frage, was Wissenschaft tun darf und tun sollte. Diese Reihe darf so gerne noch lange weitergehen.
Pro & Contra
+ emotional
+ Richard Feynman
+ stellt Fragen
+ Donji
+ perfekt passende Zeichnungen
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 5/5
Humor: 3,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/ Leistung: 5/5
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