
Diogenes (2013)
Taschenbuch, 192 Seiten, circa 5,00 Eur (antiquarisch)
ISBN: 978-3257241426
Genre: Kriminalroman
Klappentext
Überfordert von der Arbeit und gelangweilt von seiner Familie, trifft der Pariser Gynäkologe und Klinikchef Jean Chabot auf eine Nachtschwester, die in ihm ein jähes Gefühl von Zärtlichkeit weckt. Mit ihr erlebt er einen nie gekannten, ekstatischen Moment des Glücks. Kurz darauf verschwindet die junge Frau aus dem Krankenhaus.
Rezension
Jean Chabot ist Gynäkologe in Paris und daneben Klinikchef im besten Mannesalter. Er hat es im Leben zu Erfolg und Wohlstand gebracht. Doch hat er eine unerklärliche Angst, die ihm im Kreißsaal zittern und nachts nicht schlafen lässt. Die Begegnung mit einer jungen Krankenschwester aus dem Elsass tritt ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Dabei ist sie noch nicht einmal die große Liebe, von der er träumt.
Dies ist einer jener Non-Maigrets, die dem frankobelgischen Autoren mehr am Herzen lagen als die Kriminalromane. Es geht um einen Mann Ende 40. Er durchlebt eine Mittlebens-Krise. Einer leichten Trunksucht anheimgefallen, besteht seine Ehe nur noch auf dem Papier. Daneben meint er auch, eine junge Krankenschwester auf dem Gewissen zu haben. Sie ging (angeblich) seinetwegen in die Seine ins Wasser.
Ganz allmählich strebt die Handlung ihrem Höhepunkt entgegen - nein, nicht dem Orgasmus und Samenerguss, sondern einem Tötungsdelikt. Hier ist der kriminaliistische Simenon wieder sichtbar.
In der literaturwissenschaftlichen Theorie gibt es zwei Arten von Kriminalroman. Die Art, bei der ein Verbrechen geschehen ist und dann aufgeklärt werden soll, können wir hier vergessen - sie passt hier nicht. Bei der eher psychologisch orientierten Spielart wird beschreiben, wie es zu einem Verbrechen kommt. Dies passt hier besser.
Dies ist einer der unbekannteren Romane Simenons. Zu Recht? Geschmack liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Man kann dieses Buch lesen, um das Gesamtwerk Simenons kennenzulernen.
Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!
Rezension zu "Maigret und sein Neffe"