Mord im Orientexpress - Ein Fall für Poirot (Agatha Christie)

mord im orient express

Atlantik (2024)
Originaltitel: ‎ Murder on the Orient Express
Taschenbuch, 256 Seiten, 14,00 EUR
ISBN: 978-3455650013

Genre: Kriminalroman


Klappentext

Nach einigen Mühen hat Hercule Poirot ein Abteil im Kurswagen Istanbul - Calais des Luxuszugs ergattert. Doch auch jetzt ist ihm keine Ruhe vergönnt: Ein amerikanischer Tycoon ist ermordet worden, der ganze Zug voller Verdächtiger. Und der Mörder könnte jederzeit wieder zuschlagen.

Eine Aufgabe, wie gemacht für den Meisterdetektiv.


Rezension

Der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot hat in Syrien erfolgreich einen Fall gelöst und befindet sich auf dem Rückweg nach London. In Jugoslawien fährt sich der Orient-Express allerdings in einer Schneewehe fest. Doch damit der Unbill nicht genug: Am Morgen wird ein Fahrgast tot aufgefunden – er wurde offensichtlich ermordet, erstochen, um genau zu sein. Von der Außenwelt abgeschnitten, übernimmt Poirot die Ermittlungen.

Das englischsprachige Original wurde 1934 in Großbritannien, die deutschsprachige Übersetzung dann schon im selben Jahr veröffentlicht. Geschrieben haben soll Christie den Roman in einem Hotel in Istanbul.

Christie greift in dieser Geschichte einen realen Kriminalfall auf, nämlich die Entführung und die Ermordung des Kindes von Charles Lindbergh, des amerikanischen Flugpioniers, im Jahre 1932. Der wirkliche Kriminalfall ist 1934 zwar noch nicht aufgeklärt (erst Monate später wurde ein Tatverdächtiger aufgespürt, zum Tode verurteilt und schließlich hingerichtet); die britische Erfolgsautorin verbindet hier aber gekonnt Fiktion und Wirklichkeit. Der Sekundärliteratur zufolge sind einige Figuren der Handlung deutlich an Personen aus dem wirklichen Fall angeleht.

Auf den ersten Blick wirkt die Handlung konstruiert. Eine Handvoll Tatverdächtiger ist in einem überschaubaren Ort eingeschlossen. Der Mörder kann offensichtlich nicht von Außen kommen – einer der Personen muss also der Täter sein. Wer das Buch zum ersten Mal liest, wird dann überrascht sein, wie die Lösung aussieht.

Mord im Orient-Express ist einer der Romane von Christie, in denen die Täter nicht vor Gericht gestellt werden, und der einzige, in dem die Täter bewusst als freie Menschen davonkommen. 

Die Handlung ist bewusst im Winter angesiedelt – es wäre wohl auch ansonsten schwierig, eine Situation zu konstruieren, in der eine solche Mordtat möglich ist.

Dieser Roman gilt als eines der beliebtesten und bekanntesten Werke von Agatha Christie. Das mag an den Verfilmungen liegen. Vielleicht liegt es aber auch an der Schreibweise und der Lösung, die dem Leser irgendwie ans Herz geht – auch wenn Lynchjustiz eine zweifelhafte Herangehensweise ist, kann man sie in diesem Fall doch irgendwie verstehen (und insgeheim vielleicht auch gutheißen).

Ein subjektive, persönliche Bemerkung sei an dieser Stelle erlaubt. Es gibt eine Verfilmung des Romans aus dem Jahre 1974. Für den Autoren dieser Zeilen ist dies eine der besten Verfilmungen des vorliegenden und hier besprochenen Stoffes.


Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!

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