
Atlantik (2015)
Originaltitel: The Big Four
Taschenbuch, 224 Seiten, 14,00 EUR
ISBN: 978-3455650532
Genre: Kriminalroman
Klappentext
Ein Unbekannter taucht bei Poirot auf und bricht vor ihm zusammen. Wer ist der Mann? Und was hat es mit "den großen Vier" auf sich, von denen er murmelt? In einem ihrer schwierigsten Fälle geraten der Meisterdetektiv und sein Kollege Hastings in Lebensgefahr, während sie versuchen, die Machenschaften einer internationalen Verbrecherorganisation aufzudecken.
Rezension
Als Captain Hastings gerade aus Argentinien nach Hause nach England gekommen ist, taucht ein Unbekannter bei Poirot im Schlafzimmer auf und bricht dort zusammen. Wer ist dieser Mann? Und wer sind die „Großen Vier“, vor denen der Unbekannte Poirot warnen möchte? Der unbekannte Mann muss die Antwort schuldig bleiben – er stirbt, ohne das Bewussßtsein wiederzuerlangen.
Das englischsprachige Original dieses Romans ist erstmals im Jahre 1927 erschienen; die deutschsprachige Übersetzung erschien erst im Jahre 1963.
Das Buch weist mehrere Besonderheiten auf, die hier erwähnt werden sollen:
In dieser Geschichte sind mehrere Kurzgeschichten der Christie aus dem Jahre 1924 miteinander verwoben. Die Kurzgeschichten sind im Sketch Magazine veröffentlicht worden und hier in der Reihenfolge ihres Erscheinens aneinandergereiht.
Poirot ermittelt in mehreren Mordfällen, Anschlägen oder anderen Verbrechen. Es ist auch für den literarischen Laien offensichtlich sehr leicht erkennbar, dass hier Kurzgeschichten zu einem Roman verarbeitet worden sind. Es entsteht sehr leicht der Eindruck, dass der Meisterdetektiv Hercule Poirot doch nicht so gut ist, wie er immer dargestellt wird. Was daran liegt, dass er zumindest in den ersten Fällen keinen Täter präsentieren kann. Dies geschieht erst ganz am Ende des Buches.
In der Sekundärliteratur wird des Öfteren der Vorwurf laut, dies sein kein richtiger Kriminalroman. Christie, so der Einwand, wildere hier im Thriller-Genre. Dies sei schon daran erkennbar, dass hier eine Geheimorganisation nach der Weltherrschaft strebe. Ähnlich wie James Bond später kann nur Poirot die Welt vor weiterem Schaden bewahren.
In der Sekundärliteratur ist nachzulesen, Li Chang Yen als Nr. 1 sei eine Parallele zu der fiktiven Figur Dr. Fu Manchu, die aus der Feder des Schriftstellers Sax Rohmer ist. Ob das wirklich so ist, sei einmal dahingestellt. Sax Rohmer ist viel zu unbekannt, als dass ein literaturwissenschaftlicher Laie beurteilen könnte, ob es wirklich Parallelen gibt.
Dies ist einer der unbekannteren Romane der Christie. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass es lange Zeit keine Umsetzung des Romans als Hörbuch gab. Dies sollte sich erst ab den 2010er Jahren ändern.
Der Roman entstand zu einer Zeit, als die Christie sich menschlich und literarisch in einer Notsituation befand. Ihre Mutter war gerade gestorben, ihr erster Mann hatte sie betrogen und dann verlassen. Kann man es als erwiesen ansehen, dass das Buch nur deswegen erschien, um der Autorin Geld einzubringen? Die Sekundärliteratur vermittelt jedenfalls den Eindruck.
Zumindest wird auch der literarische Laie schnell erkennen, dass dies ein Frühwerk der Christie ist, bei dem noch viel Luft nach oben besteht.
Dies ist eine Gastrezension von Andreas Rüdig, herzlichen Dank!
Rezension zu "Das fahle Pferd"
Rezension zu "Mord im Orientexpress"
Rezension zu Tod auf dem Nil (Comic)
Rezension zu Hercule Poirots Weihnachten
Rezension zu Die Morde des Herrn A.B.C. (Roman)
Rezension zu Mord mit verteilten Rollen: Ein Fall für Poirot