In 80 Tagen um die Welt (Jules Verne)

80 tage

Verlag: Coppenrath; (März 2023)
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten; 30 €
ISBN-13: 978-3-649-64468-2

Genre: Abenteuer


Klappentext

Eine Reise um die Erde in 80 Tagen, also in 1920 Stunden oder 115200 Minuten – ist das möglich?

Auf diese scheinbar aussichtslose Wette lässt sich im Jahr 1872 der exzentrische Gentleman Phileas Fogg ein und setzt dafür sein Vermögen aufs Spiel. „Und wann geht’s los?“ – „Sofort.“
Gemeinsam mit seinem lebenslustigen Diener Jean Passepartout, 20.000 Pfund im Gepäck und einer beneidenswerten inneren Gelassenheit macht sich Fogg unverzüglich auf den Weg. Es ist der Startschuss zu einem der wohl bekanntesten literarischen Wettläufe gegen die Zeit und der Beginn einer turbulenten Abenteuerreise voll unvorhergesehener Ereignisse. Denn es ist nicht nur die Zeit, die damit droht, die Reisenden einzuholen.


Rezension

Phileas Fogg ist der perfekte Gentleman und absolut berechenbar. So berechenbar sogar, dass es ein Leichtes ist, auf die Minute vorherzusagen, was er wann macht. Jedes Detail seines Lebens ist durchgeplant und festgehalten. Deswegen entlässt er auch eines Tages seinen Diener, da dieser nicht die genaue Temperatur für das Badewasser eingehalten hat. So kommt Passepartout in seine Dienste und der freut sich, einen Herrn gefunden zu haben, bei dem es keine unliebsamen Überraschungen gibt und der scheinbar keine Ambitionen hat, London je zu verlassen.80 tage1
Mehr irren könnte Passepartout sich nicht. Denn am selben Abend geht Phileas Fogg eine Wette über 20.000 Pfund ein. Gegenstand ist eine Reise um die Erde in 80 Tagen und Passepartout muss selbstverständlich mitkommen. - Und der Beginn der Reise ist sofort.
Zusätzlich zu dem zeitlichen Druck und dem, die Wette zu gewinnen, weil Phileas Fogg sonst ruiniert wäre, bekommen Passepartout und sein Herr auf ihrer Reise noch diverse andere Probleme. Da ist zunächst Inspektor Fix, der Phileas Fogg für einen flüchtigen Bankräuber hält und ihn unbedingt zur Strecke bringen will. Aber auch ansonsten warten viele Gefahren auf die Reisenden, nicht zuletzt in Indien, wo sie die Vorbereitungen einer Witwenverbrennung mitbekommen und beschließen einzugreifen. Am Ende läuft ihnen die Zeit immer weiter davon.

Als Jules Verne 1873 In 80 Tagen um die Welt schrieb, erschien dieser Roman in seiner Reihe der Außergewöhnlichen Reisen, in deren Rahmen bereits Zwanzigtausend Meilen unter den Meeren veröffentlicht worden war. Diese Reihe sollte Wissen unterhaltsam vermitteln. Dementsprechend war es Jules Vernes eigener Anspruch die Details möglichst korrekt darzustellen. Dafür studierte er Zeitungen, Fachzeitschriften und Bücher.
Durch einen Zeitungsartikel kam er dann auch auf die Idee für In 80 Tagen um die Welt. Denn in einem solchen war von genau dieser Möglichkeit einer Reise die Rede. So hatte Jules Verne 80 tage4schnell seine Geschichte gefunden, die gut in eine Zeit der Umbrüche in Wissenschaft und Gesellschaft passte. Seine Beschreibungen der Länder, die er nie bereist hatte, entlehnte er Reiseführer- und berichten und stand auch vollkommen dazu. Auch die Schlusspointe hatte Jules Verne wohl sehr schnell gefunden und so konnte er sich an die Arbeit an dem Romanmachen, der wohl einer seiner größten Erfolge werden sollte, wenn nicht sogar der größte Erfolg.
Es gibt mittlerweile zahlreiche Verfilmungen der Geschichte unter anderem eine oscarprämierte mit David Niven fürs Kino und eine mit Pierce Brosnan, den späteren James Bond, aus den 1980er Jahren fürs TV, in der Sir Peter Ustinov den Part des Inspektor Fix übernahm, auch wenn er sehr stark von der Beschreibung des Mannes im Roman abwich. Für viele dürfte er die Rolle und den Charakter geprägt haben.
Zudem gibt es auch viele weitere Umsetzungen in den verschiedensten Medien. Comics, Hörspiele, Brett-, Computer- und Kartenspiele und auch Fortsetzungen von anderen Autoren. In 80 Tagen um die Welt ist nach wie vor ein großer und prägender Abenteuerroman, der irgendwie die Zeit überdauert hat und immer noch der Ruf des Abenteuers versprüht.

Das liegt vor allem an der Grundprämisse durch die von Anfang an eine Dringlichkeit besteht, die für Spannung sorgt. Eine einfache Weltreise mit unendlich viel Zeit wäre zwar nett und hätte Jules Verne viele Möglichkeiten für weitere Abenteuer seiner Protagonisten gegeben. Gleichzeitig hätte dies aber auch bedeutet, dass in letzter Konsequenz nichts auf dem Spiel gestanden hätte. Die Abenteuer und die Entscheidungen von Phileas Fogg und Passepartout sind gerade dadurch, dass jede Unterbrechung den Ruin für Fogg bedeuten könnten, so spannend und aufregend. Hier stechen dann auch vor allem die Befreiung von Aouda und die Fahrt durch den Westen der USA heraus. Die richtig viel an Spannung hineinbringen.80 tage5 Ein Vorteil der schnellen und atemlosen Reise für Jules Verne liegt zudem auf der Hand. Seine Beschreibungen mussten dadurch längst nicht so ausufernd und ausführlich sein, wie es bei einer „einfachen“ Weltreise sicher erwartet worden wäre. Er kann sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, die ihm seine Recherchen offenbarten. Und so wurde In 80 Tagen um die Welt erst zu einem großen Abenteuer, das seine Leser auch heute noch in Atem halten kann. Dass Jules Verne die damals entstehende Jagd nach Rekorden und das Reisen um den Rekord willen, also die extreme Form des Tourismus bei dem jeder Ort nur kurz besucht wurde, ebenso kritisieren wollte, dürfte mittlerweile kaum jemanden noch bewusst sein. Obwohl dieser Aspekt durchaus deutlichherausgestellt wird, schließlich ist es Passepartout, der die verschiedenen Kulturen wirklich erlebt und nicht der vermeidliche Weltreisende Phileas Fogg, der jedoch im Wesentlichen hauptsächlich das Innere von Hotels und Reisemitteln sieht. Aber bereits die Zeitgenossen Jules Vernes haben diesen Aspekt seiner Geschichte nicht wirklich begriffen, gab es doch viele Nachahmer von Phileas Fogg, die immer schneller um die Welt reisen wollten.
Aber allein von Spannung und Beschreibungen der Welt hätten In 80 Tagen um die Welt nicht zu einem solchen Klassiker werden lassen. Denn eine gute Geschichte braucht auch interessante Charaktere und diese besitzt der Roman.
Phileas Fogg ist dabei erneut nicht der interessanteste der Reisegefährten, diese Rolle soll er auch gar nicht ausfüllen. Diese Aufgabe fällt Passepartout zu, der deutlich mehr Abenteuer erlebt als sein Arbeitgeber und der eine richtige Entwicklung durchmacht und dennoch immer gegenüber Fogg ergeben bleibt. Passepartout gab Jules Verne die Gelegenheit immer wieder Humor einzubauen und die Welt aus den Augen eines naiven jungen Mannes zu betrachten und dies macht In 80 Tagen um die Welt sehr unterhaltsam. Vor allem im Zusammenspiel mit Inspektor Fix entwickelt sich Passepartout zur eigentlichen Hauptfigur und ihre Dynamik bestimmt den Roman, der ohne eine der beiden Figuren nicht halb so gut wäre. Der naive und gutgläubige 80 tage6Passepartout und der fokussierte Ermittler, der sich in den Glauben, Phileas Fogg wäre ein Verbrecher, auf die Reise begibt, sind das perfekte Team, um Jules Vernes Roman zu etwas außergewöhnlichen zu machen.

Die Schmuckausgabe des Romans ist ebenso gelungen. Anmerkungen und Nachwort sind fast schon zu erwarten. Allerdings nicht in diesem Umfang. Vor allem das Nachwort trägt dazu bei, die Bedeutung des Werkes herauszustellen. Dazu kommen die Beilagen, die unter anderem aus einer Karte mit der Reiseroute bestehen und überaus vielfältig sind und ebenso wichtigeZusatzinformationen zu bestimmten Aspekten des Romans geben. Und dann ist da natürlich die Gestaltung der Ausgabe selbst. Alle Illustrationen sind perfekt gewählt und platziert. Fast jede Seite ist gestaltet worden, und sei es, indem „nur“ das gegenwärtige Datum auf dem Seitenrand geschrieben wurde, und entführt den Leser in das Jahr 1872 und lässt ihn tiefer in die Geschichte eintauchen.


Fazit

In 80 Tagen um die Welt begleitet den Leser auf eine Reise um die Welt, die nach wie vor spannend, lustig und dramatisch ist, und dies mit hohem Tempo. Jules Verne hat hier wirklich einen zeitlosen Klassiker geschrieben und einen der bestimmenden Abenteuerromane. Die Schmuckausgabe würdigt diesen Roman entsprechend und liefert interessante Zusatzinformationen und Extras.


Pro & Contra

+ zeitlos
+ Humor
+ Passepartouts und Inspektor Fix´ Zusammenspiel
+ faszinierender Blick in die Vergangenheit

Bewertung: sterne5

Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Gestaltung/ Design: 5/5
Preis/Leistung: 5/5


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