
Verlag: Coppenrath; (Juni 2026)
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten; 25 €
ISBN-13: 978-3-649-65454-4
Genre: Thriller/ Krimi
Klappentext
Unheimliches passiert in Marks Priory, dem Stammsitz des alten Geschlechts der Lebanons. Nachdem Studd, der Chauffeur des jungen Lords, erwürgt aufgefunden wurde, wird Scotland Yard zu Hilfe gerufen. Was zunächst wie ein einfacher Rachemord aussieht, entpuppt sich bald als Gespinst aus Lügen, Intrigen und düsteren Geheimnissen der Vergangenheit – ein Gespinst, das zu lösen die Aufgabe von Chief Inspector Tanner und seinem Team ist. Wird es den Ermittlern gelingen, das Geheimnis des Schlosses zu enthüllen?
Und wer ist der kaltblütige Killer, dessen Tatwaffe ein rotes Seidentuch ist? Eine spannende Jagd mit überraschenden Wendungen nimmt ihren Lauf …
Rezension
Auf Marks Priory geschehen seltsame Dinge und es herrscht eine drückende Stimmung, die dazu führt, dass sich kaum jemand dort wohlfühlt. Selbst Lady Lebanon, die Hausherrin, auch wenn eigentlich ihr Sohn, der Lord Lebanon, das Sagen haben sollte, ist von etwas schwer belastet. Dennoch geht das Leben seinen gewohnten Weg. Bis zu dem Tag als der Chauffeur Studd tot aufgefunden wird. Er wurde mit einem roten indischen Tuch ermordet, nicht weit entfernt von Marks Priory. Chief Inspektor Tanner von Scotland Yard übernimmt den Fall und erhält dabei Unterstützung von seinen zwei Gehilfen Totty und Ferraby. Und es ist schnell ein Verdächtiger mit Doktor Amersham gefunden, der Studd nicht mochte und eine unheimliche Macht über Lady Lebanon zu besitzen scheint. Aber es bleibt nicht bei ihm als einzigen Verdächtigen. Denn auch andere Bewohner von Marks Priory hatten Gründe, Studd den Tod zu wünschen. Und dann sind da noch die beiden amerikanischen Diener Gilder und Brooks, die sich viel zu viel herausnehmen und die persönlichen Wünsche von Lady Lebanon erfüllen, jedoch alle anderen ignorieren.
Wer Edgar Wallaces Das indische Tuch nur von der deutschen Verfilmung innerhalb der Edgar Wallace-Reihe mit Heinz Drache kennt, wird beim Lesen des Romans mehr als nur überrascht sein. Von der Handlung des Romanes und des davor entstandenen Theaterstückes ist beim Film kaum noch etwas übrig geblieben. Alfred Vohrers Film erzählt mehr oder weniger eine typische Krimihandlung, bei der die Erben Lord Lebanons nacheinander getötet werden und am Ende war er sich sogar nicht zu schade, Edgar Wallace
bei der endgültigen Testamentseröffnung als Erben zu präsentieren. Bis auf die Namen, den Handlungsort und ein oder zwei anderen Kleinigkeiten hat die Verfilmung mit der Vorlage also nichts zu tun.
Stattdessen bekommt der Leser mit dem Roman einen ungewöhnlichen Thriller, der hochspannend daherkommt und mehr als nur ein Rätsel bietet, immer wiederfalsche Spuren legt und aufs Glatteis führt. Und das schreibt Edgar Wallace unglaublich spannend und allein die Frage, was eigentlich in Marks Priory vor sich geht und warum, hält den Leser bei der Stange. Und dabei sind die Morde, die geschehen, noch nicht mal berücksichtigt.
Die Fragen, warum Doctor Amersham solch eine Macht über Lady Lebanon hat, sie ihren Sohn so behandelt, wie sie es tut, und was die amerikanischen Diener eigentlich aushecken, sind bereits ausreichend, um Spannung und eine unheimliche, bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, wie es ein Edgar Wallace so häufig auf brillante Art konnte. Unversehens befindet man sich als Leser in seinem Griff und Das indische Tuch bringt einen dazu, eine Seite nach der anderen umzublättern. Die Auflösung ist letztendlich dann doch überraschend, obwohl Edgar Wallace ausreichend Hinweise legt, damit es auch für den Leser möglich ist, den Fall zu lösen. Zumindest der Täter kann selbst gefunden werden, sein Motiv allerdings ist etwas schwieriger zu sehen, aber absolut überzeugend.
Wie erwähnt, war Das indisch Tuch zunächst ein Theaterstück, bevor Edgar Wallace es noch kurz vor seinem Tod zu einem Roman umarbeitete und das dürfte auch erklären, warum das Buch solch eine Wirkung hat, dass man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die wesentliche Konzentration auf einen Hauptschauplatz, ist für die dichte Atmosphäre hilfreich und das Tempo ist hoch, so dass die Handlung vielleicht etwas sprunghaft wirken mag, wenn eine neue Wendung auftaucht, aber dies stört gar nicht, ganz im Gegenteil hält dies die Spannung extrem hoch. Auch dass die Handlung auf mehrere Ermittler und damit verschiedene Erzählperspektiven verteilt wird, ist ein großer Pluspunkt für den Roman. Denn Edgar Wallace wusste, wie er trotzdem alles zusammenhalten konnte, damit sich eine runde Erzählung ergibt. Ein Wort noch zum Ermittlerteam um Chief Inspektor Tanner. Totty und Ferraby. Sie wurden von Edgar Wallace alle mit
ihren Eigenheiten versehen und die Wortgefechte zwischen ihnen sind voll mit unterschwelligen Humor und einfach perfekt geschrieben. Statt aufgesetzt zu wirken, scheint es so, als ob sich diese Männer wirklich schon lange kennen und miteinander arbeiten. Ohne Umschweife kann Das indische Tuch zu seinen besten Romanen gezählt werden.
Die Schmuckausgabe schafft es dann noch, die Atmosphäre des Romans zu verstärken. An genau den richtigen Stellen wird die Hintergrundfarbe der Seiten der Handlung angepasst. Gerade am Ende sind die schwarzen Seiten oder auch gräulichen mit Farbverlauf eine gute Idee, die die letzten Enthüllungen unterstützen. Dazu kommen die wohl gesetzten Illustrationen, die zum Inhalt und vom Stil her zur Zeit, in der die Handlung spielt, passen. Wie bei allen Schmuckausgaben des Coppenrath Verlags sind auch weitere Extras als Beilagen enthalten und hier gibt es dann weitere interessante Informationen zu geschichtlichen Aspekten und Umständen des Romans oder auch sinnvolle Ergänzungen zum Roman. Das reicht von einem Bahnfahrplan bis hinzu zu Erklärungen der Heraldik. Allen ist gemein, dass sie liebevoll und detailverliebt gestaltet wurden.
Fazit
Zwielichtige Charaktere, überraschende Wendungen, Familiendrama, Überheblichkeit, viele Rätsel und ein großartiges Ermittlerteam machen Das indische Tuch zu einem spannenden Krimi/Thriller in bester Edgar-Wallace-Manier, der auch heute noch bestens funktioniert. Die Gestaltung der Schmuckausgabe unterstützt die Atmosphäre des Romans.
Pro & Contra
+ spannend bis zum Schluss
+ interessante, vielschichtige Charaktere
+ Ermittlertrio
+ unheimliche Atmosphäre
+ viele Rätsel
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Gestaltung/ Design: 5/5
Preis/Leistung: 4/5
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