
Verlag: Splitter; (Mai 2024)
Gebundene Ausgabe: 72 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-98721-351-9
Genre: Western
Rezension
Seit einigen Monaten sucht Jonas Crow, der Undertaker, nach Rose Prairie. Jene Frau, die mit ihm für eine gewisse Zeit durch die USA reiste, und in die er verliebt ist.
Da er erhält er eines Tages ein Telegramm, das mit R. Prairie unterschrieben ist und ihn um Hilfe bittet. Crow bricht nach Eaden auf und erwartet, Rose dort wiederzusehen. Aber dies trifft nicht ganz zu. Denn ihr Mann Randolph hat ihm das Telegramm geschickt und will ihn für gleich zwei Beerdigungen engagieren. Eigentlich will Jonas Crow sofort wieder die Stadt verlassen, doch mit ihm ist Madeleine Oz von der Liga für die Beseitigung des Lasters in Texas nach Eaden gekommen und die bringt Rose und ihren Mann in große Schwierigkeiten. Da Randolph eine Abtreibung durchführen will, setzt Schwester Oz alles daran, dies zu verhindern und schreckt dabei auch nicht vor Morddrohungen und Erpressung zurück.
Das erste Angebot von Washington und Jefferson an die Faulpelze dieses Landes:
Kümmere dich um deinen eigenen Arsch!
(Jonas Crow)
Der Undertaker musste sich schon so manchem fiesen und brutalen Gegenspieler stellen. Doch einen so hinterhältigen, perfiden und absolut bösartigen Gegner, wie ihn Ralph Meyer, in Mister Prairie auf ihn prallen lässt, gibt es wohl selten.
Sister Oz, die Kämpferin für den christlichen Glauben und selbsternannte Bewahrerin und Beschützerin des Lebens, könnte hinter ihrer Fassade der frommen Gläubigen verdorbener und böser nicht sein. Bereits ihr erster Auftritt jagt einem Schauer über den Rücken und zeigt klar und deutlich, welch eine verrückte Fanatikerin sie ist. Für ihre Überzeugungen würde sie buchstäblich alles tun und merkt dabei nicht mal mehr, wie verblendet sie ist. Um angeblich Leben zu schützen, ist sie bereit ein anderes zu nehmen und egal wie man es dreht und wendet, ist das garantiert nicht zu rechtfertigen. Sister Oz stellt all das dar, das bei Religionen falsch laufen kann und zeigt wie gefährlich Glauben und Überzeugungen werden können, die vielleicht anfangs noch gut gemeint waren, aber in ihrem Extrem jeglichen Glauben pervertieren.
Dabei werden Xavier Dorison und Ralph Meyer in Mister Prairie politisch recht deutlich, denn die Situation in Eaden erinnert stark an die evangelikale Bewegung in den USA und anderswo. Und vor allem an die militanten Abtreibungsgegner dieser Bewegung. Autor und Zeichner stellen also die Frage nach der Selbstbestimmung über den eigenen Körper und geben darauf auch eine eindeutige Antwort. Für einen Western ist dies ein überaus modernes Thema und noch dazu eines das wichtig ist. Jonas Crow sich Sister Oz stellen zu lassen, ist dabei ein kluger Schachzug, denn so können Dorison und Meyer das Thema in einem spannenden Abenteuer verhandeln, in dem Blut fließt und das sehr düster ausfällt - selbst für den Undertaker. Und dies ist genauso angemessen, alles andere wäre einfach falsch. Dementsprechend gibt es dieses Mal weniger vom zynischen Humor und den Sprüchen des Undertakers.
Doch der Comic besteht nicht nur aus Jonas Crow gegen Sister Oz. Er muss sich ebenso seinen Gefühlen für Rose stellen und der Tatsache, dass sie noch verheiratet ist. Etwas, dass ihn zunächst dazu treibt, mit gebrochenem Herzen die Stadt verlassen zu wollen. Doch dann wird er immer weiter in das Geschehen hineingezogen und es gibt in diesem Band dann auch eine Andeutung, dass manche Dinge anders sind, als sie erscheinen. Jonas Crow entwickelt sich charakterlich weiter und auch seine Beziehung zu Rose tut dies.
In Mister Prairie kommen nach und nach alle Elemente, Handlung, Thema und Charaktere auf beste Art und Weise zusammen und das wird noch dazu spannend erzählt. Der Abschluss der Geschichte im Folgeband wird dann hoffentlich nicht den offensichtlichen leichten Weg nehmen, um all das aufzulösen, denn das Thema Abtreibung und religiöser Fanatismus hat definitiv etwas Großes verdient.
Abermals überzeugt Ralph Meyer mit seinen Zeichnungen voll und ganz. Gewohnt sicher ist er in seiner Auswahl von Perspektive und Bildausschnitt. Ebenso stimmt der Rhythmus der Erzählung und die Bilder verdeutlichen die düstere, fast hoffnungslose Atmosphäre. Die größte Herausforderung bei diesem Comic dürfte für ihn jedoch in der Darstellung von Sister Oz gelegen haben, hinter deren Freundlichkeit und Gläubigkeit, etwas abgrundtief Böses lauert, welches er die ganze Zeit durchscheinen lässt, ohne es klar herauszustellen, womit er einen wirklich diabolischen Charakter ein Gesicht gibt.
Fazit
Jonas Crows neuester Gegenspieler ist der für ihn bisher härteste und grausamste. Sister Oz ist eine verabscheuungswürdige religiöse Fanatikerin, die vor nichts zurückschreckt. Ihre Motivation gibt Xavier Dorison und Ralph Meyer gleichzeitig die Gelegenheit zu einem Kommentar zu Themen in unserer Welt und Zeit, und dabei weiterhin einen harten und zynischen Western zu erzählen. Dies hier hat das Potenzial, zum besten Abenteuer des Undertakers zu werden.
Pro & Contra
+ Sister Oz
+ charakterliche Entwicklung von Jonas Crow
+ Themen
+ Zeichnungen von Ralph Meyer
Bewertung: ![]()
Handlung: 5/5
Charaktere: 5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/Leistung: 5/5
Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Xavier Dorison:
Rezension zu Das Dritte Testament: Julius - Band 1
Rezension zu Das Dritte Testament: Julius - Band 2
Rezension zu Das Dritte Testament Bd.1 - Markus
Rezension zu Das Dritte Testament Bd.2 - Matthäus
Rezension zu Das Dritte Testament Bd.3 - Lukas
Rezension zu Das Dritte Testament Bd.4 - Johannes
Rezension zu Long John Silver Bd.1 – Lady Vivian Hastings
Rezension zu Long John Silver Bd.2 – Neptune
Rezension zu Long John Silver Bd.3 – Das Smaragdlabyrinth
Rezension zu Long John Silver Bd.4 - Guyanacapac
Rezension zu Long John Silver Gesamtausgabe
Rezension zu Asgard
Rezension zu Der Waffenmeister
Rezension zu Undertaker Bd.1 – Der Goldfresser
Rezension zu Undertaker Bd.2 – Der Tanz der Geier
Rezension zu Undertaker Bd.3 - Der Kannibale von Sutter Camp
Rezension zu Undertaker Bd.4 – Der Schatten des Hippokrates
Rezension zu Aristophania Bd.1
Rezension zu Aristophania Bd.2
Rezension zu Aristophania Bd.3
Rezension zu Aristophania Bd.4
Rezension zu Schloss der Tiere Bd.1
Rezension zu Schloss der Tiere Bd.2
Rezension zu Schloss der Tiere Bd.3
Rezension zu Schloss der Tiere Bd.4